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Ukraine und Russland sprechen wieder miteinander – aber der Weg zum Frieden bleibt weit

Erstmals seit drei Jahren trafen sich Vertreter der Ukraine und Russlands wieder persönlich – begleitet von Hoffnung, Skepsis und Frust. Zwar wurde ein großer Gefangenenaustausch vereinbart, doch politische Fortschritte blieben aus. Präsident Selenskyj sieht eine historische Chance ungenutzt.
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Lesezeit 2 Minuten

Ein kleiner Hoffnungsschimmer im Schatten des Krieges: In Istanbul saßen sich Unterhändler Russlands und der Ukraine erstmals seit 2022 wieder gegenüber. Mit dabei: der türkische Außenminister als Vermittler, viel diplomatischer Ballast – und ein klarer Wille zum Austausch, wenn auch nicht zum Frieden. Der größte Erfolg: ein geplantes Abkommen über 2.000 Kriegsgefangene. Doch die Gräben bleiben tief.

Gespräche in Istanbul: Der erste Kontakt seit Jahren

Ukraine und Russland sprechen wieder miteinander – aber der Weg zum Frieden bleibt weit
© Omar Marques (Getty Images) – Gizmodo.

Laut der tagesschau-Website, in einer Sitzung von nur anderthalb Stunden trafen sich die Delegationen beider Kriegsparteien – ein symbolischer Neuanfang, vermittelt durch die Türkei. Es war das erste direkte Gespräch seit fast drei Jahren. Die Erwartungen waren verhalten, aber konkrete Themen wie Waffenruhe, Gefangenenaustausch und ein mögliches Spitzentreffen Selenskyj–Putin standen auf der Agenda.

Während Russlands Delegation unter Wladimir Medinski sich offen für eine Fortsetzung der Verhandlungen zeigte, nannte die ukrainische Seite die russischen Forderungen „realitätsfremd“ und „inakzeptabel“. Besonders Moskaus Beharren auf Gebietsansprüchen und weitreichenden Bedingungen stieß auf Ablehnung.

2.000 Gefangene sollen ausgetauscht werden

Trotz der Spannungen wurde ein messbares Ergebnis erzielt: ein großer Austausch von je 1.000 Kriegsgefangenen – der bisher größte seit Beginn des Krieges. Beide Seiten bestätigten die Vereinbarung, die nun in konkrete Abläufe überführt werden soll. Es wäre ein humanitärer Durchbruch, der Familien auf beiden Seiten Hoffnung gibt.

Selenskyj enttäuscht – und warnt vor verpasster Chance

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich enttäuscht vom Verlauf der Gespräche – und noch mehr über die Abwesenheit seines russischen Amtskollegen. Auf der Plattform X schrieb er, man habe eine reale Chance auf Frieden verpasst, da Putin „Angst hatte“, nach Istanbul zu kommen. Selenskyj selbst wäre zu einem direkten Gespräch bereit gewesen.

In einem klaren Appell forderte er mehr internationalen Druck auf Russland. Sollten keine Fortschritte folgen, müssten neue Sanktionen verhängt werden. Unterstützung erhielt er u. a. von US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz – auch wenn sich Trump zuletzt pessimistisch zeigte: „Es wird nichts passieren, bis Putin und ich zusammenkommen.“

Russland will Frieden – aber zu seinen Bedingungen

Ukraine und Russland sprechen wieder miteinander – aber der Weg zum Frieden bleibt weit
© WPA Pool / Getty Images – Gizmodo.

Trotz Gesprächsbereitschaft pocht Russland weiterhin auf seine bereits annektierten Gebiete und lehnt eine Rückgabe ab. Die Ukraine fordert hingegen Sicherheitsgarantien, insbesondere von den USA, sowie die Rückkehr entführter Kinder.

Die russische Delegation sprach von Verhandlungen „ohne Vorbedingungen“, doch die Aussagen deuten auf ein Fortsetzen alter Positionen hin. Kritiker werfen Putin vor, die Gespräche lediglich zur Zeitgewinnung zu nutzen, um die ukrainische Gegenwehr zu schwächen und westliche Unterstützung zu unterlaufen.

Zweifel an Trumps Rolle und US-Bereitschaft

Während Trump weiterhin die schnelle Beendigung des Kriegs fordert, wächst die Sorge, dass er dabei einen Deal mit Putin ohne Einbindung der Ukraine anstreben könnte. Seine Aussage, dass erst Fortschritte erzielt würden, wenn er direkt mit Putin verhandle, sorgt für Misstrauen – vor allem in Kiew.

Der ukrainischen Regierung bleibt derweil nur der Balanceakt: offen für Gespräche, aber ohne Zugeständnisse, die als Kapitulation gewertet würden.

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