Der TÜV gehört für deutsche Autofahrer zum Pflichtprogramm – bisher im Zwei-Jahres-Rhythmus. Doch das könnte sich bald ändern. Die EU plant strengere Regeln: Alle Autos über zehn Jahre sollen jedes Jahr zur Haupt- und Abgasuntersuchung. Was als Sicherheitsmaßnahme verkauft wird, bedeutet vor allem eins: deutlich höhere Kosten. Und nicht jeder ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt.
TÜV 2025: Das plant die EU für ältere Autos

Noch ist das neue TÜV-Gesetz nicht in Kraft, aber es sorgt schon jetzt für Aufregung. Die EU-Kommission schlägt vor, dass Pkw ab einem Alter von zehn Jahren künftig jährlich zur Haupt- und Abgasuntersuchung müssen. Das wären rund 16 Millionen Fahrzeuge in Deutschland – fast ein Drittel aller zugelassenen Autos.
Der Gedanke dahinter: Ältere Fahrzeuge weisen häufiger sicherheitsrelevante Mängel auf. Die regelmäßige Kontrolle soll helfen, diese frühzeitig zu erkennen. Der TÜV (HU/AU) kostet derzeit etwa 150 Euro. Bei jährlicher Pflicht würde sich dieser Betrag über zwei Jahre verdoppeln. Hinzu kommen mögliche Nachprüfungen (12–30 Euro) und Reparaturkosten.
In Spanien gibt es eine ähnliche Regelung schon lange – mit Erfolg: Die Zahl der Verkehrstoten sank dort laut offiziellen Zahlen um 44 %. Allerdings spielten dabei auch andere Faktoren eine Rolle, etwa neue Tempolimits und bessere Sicherheitssysteme.
Welche Fahrzeuge betroffen sind – und welche nicht
Die neue Pflicht soll nur für Fahrzeuge gelten, die das zehnte Jahr nach Erstzulassung überschritten haben. Die bisherigen Intervalle – nach drei Jahren erstmalig, dann alle zwei Jahre – bleiben für jüngere Fahrzeuge bestehen.
Ausnahmen gelten weiterhin für:
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Oldtimer mit H-Kennzeichen
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Fahrzeuge mit roter 07er-Nummer
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bestimmte Motorräder oder landwirtschaftliche Fahrzeuge
Doch Vorsicht: Auch bei Oldtimern sind laut aktuellem Entwurf keine expliziten Befreiungen vorgesehen – Detailregelungen könnten später folgen.
Laut ADAC ist der Anteil technischer Mängel an Unfällen seit Jahren stabil niedrig. Kritiker bezweifeln daher, dass die neue Prüfpflicht spürbar zur Verkehrssicherheit beiträgt. Besser sei es, in Infrastruktur und Fahrsicherheit zu investieren.
Welche Kosten auf Autofahrer zukommen

Die jährliche HU ist nicht nur zeitaufwändig, sondern auch teuer. Bei 150 Euro pro Prüfung entstehen zusätzliche Kosten von rund 150 Euro jährlich. Für viele Haushalte mit älteren Fahrzeugen bedeutet das eine spürbare Mehrbelastung – besonders dann, wenn Mängel entdeckt werden.
Politische Stimmen fordern deshalb Entlastung: Prüfgebühren für ältere Autos könnten gesenkt werden, da der technische Aufwand geringer sei. Gleichzeitig soll der Umstieg auf emissionsarme oder elektrische Fahrzeuge gefördert werden. Kritiker sehen darin eine verdeckte „Abwrackstrategie“, um alte Fahrzeuge von den Straßen zu drängen.
Gibt es Alternativen zum TÜV?
Der Begriff „TÜV“ ist zwar geläufig, doch es gibt mehrere anerkannte Prüfstellen: Neben dem TÜV bieten auch DEKRA, GTÜ und KÜS die Hauptuntersuchung an. Preislich gibt es nur geringe Unterschiede – ein Vergleich kann sich dennoch lohnen.
Einige Politiker schlagen vor, ältere Fahrzeuge differenzierter zu bewerten: Modelle mit nachweislich guter Wartung könnten von der jährlichen Pflicht befreit werden. Auch könnten digitale Fahrzeugdiagnosen künftig als Ergänzung zur klassischen HU dienen – ein Ansatz, den Automobilclubs wie der AvD bereits unterstützen.
Bis es so weit ist, bleibt jedoch die gesetzliche Pflicht bestehen – unabhängig davon, ob das Auto regelmäßig gewartet wurde oder nicht.