Im Ringen um ein Ende des Ukraine-Krieges nehmen die diplomatischen Aktivitäten an Fahrt auf. Während sich der Kreml nach Gesprächen mit US-Vertreter Steve Witkoff optimistisch zeigt, arbeiten führende europäische Staaten und die Ukraine an einem Gegenentwurf zum amerikanischen Friedensplan. Die Unterschiede könnten kaum größer sein – insbesondere bei territorialen Fragen und Sicherheitsgarantien.
Konstruktives Gespräch zwischen Putin und Witkoff
Das Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff wird vom Kreml als „nützlich und konstruktiv“ beschrieben. Laut Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow wurde unter anderem ein möglicher Ukraine-Deal diskutiert.
Zentrales Thema: Direkte Gespräche zwischen Moskau und Kiew, die jedoch daran scheitern könnten, dass ein ukrainisches Dekret direkte Verhandlungen mit Russland derzeit verbietet.
Witkoff, der bereits mehrfach mit Putin zusammentraf und sich stets wohlwollend über ihn äußerte, überbrachte die Botschaft: Die USA unter Präsident Trump sind nur noch bedingt bereit, die Ukraine langfristig zu unterstützen. Trumps jüngster Friedensplan wird als „letztes Angebot“ bezeichnet – ein Signal, dass die Geduld in Washington schwindet.
Der US-Plan: Gebietszugeständnisse und lockere Sicherheitsversprechen
Das von Witkoff präsentierte Papier umfasst nur eine Seite, hat es aber in sich:
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Die USA fordern die offizielle Anerkennung der russischen Kontrolle über die Krim sowie die faktische Akzeptanz der 2022 besetzten ost- und südukrainischen Gebiete.
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Sicherheitsgarantien für die Ukraine sollen vage bleiben, konkrete Verpflichtungen fehlen.
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Ein ukrainischer Nato-Beitritt wäre ausgeschlossen – ein zentrales Anliegen Moskaus.
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Sämtliche Russland-Sanktionen würden aufgehoben, ohne klare Bedingungen.
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Eine finanzielle Entschädigung für die Ukraine wird versprochen, ohne genaue Angaben zur Finanzierung.
Dieser Ansatz wird von Kritikern als „Diktat-Frieden“ bezeichnet und stieß insbesondere in Europa auf scharfe Ablehnung.
Europa und Ukraine: Keine Gebietsabtretungen, klare Garantien

Parallel zu Witkoffs Pariser Treffen formulierten Vertreter der Ukraine sowie Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands in London einen Gegenplan:
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Keine Anerkennung russischer Gebietsansprüche – Verhandlungen über Territorien sollen erst nach einem Waffenstillstand erfolgen.
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Die Ukraine soll umfassende, konkret ausgearbeitete Sicherheitsgarantien erhalten, einschließlich einer Unterstützung analog zu Artikel 5 des Nato-Vertrags.
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Keine Begrenzung der ukrainischen Streitkräfte und keine Einschränkungen bei der Stationierung von verbündeten Truppen.
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Sanktionen gegen Russland sollen nur schrittweise aufgehoben werden – und im Falle eines Friedensbruchs sofort wieder greifen.
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Die finanzielle Entschädigung für die Ukraine soll aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten stammen.
Zwei völlig unterschiedliche Visionen für den Frieden
Während die USA unter Trump auf einen schnellen Abschluss durch Konzessionen an Russland setzen, verfolgen die Ukraine und Europa eine deutlich härtere Linie: keine Abtretung von Land, konkrete Garantien, klare Bedingungen für Sanktionserleichterungen.
Wie sich die Verhandlungen entwickeln, bleibt offen – doch die Spannungen zwischen den westlichen Partnern sind damit offensichtlich.