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Neuer Papst, leere Kassen: Leo XIV. erbt ein Milliardenloch vom Vatikan

Der Vatikan steckt tief in den roten Zahlen – ein Defizit von zwei Milliarden Euro trifft den neuen Papst Leo XIV. gleich zu Beginn seiner Amtszeit. Doch nicht nur die Finanzen bereiten Sorgen: Auch der wirtschaftspolitische Kurswechsel gegenüber Franziskus wirft Fragen auf.
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Papst Leo XIV., der erste US-Amerikaner im Amt, übernimmt den Heiligen Stuhl in einem finanziell prekären Zustand. Laut einem Bericht der Corriere della Sera soll ihm sein Vorgänger Franziskus ein Milliardenloch hinterlassen haben. Besonders der Pensionsfonds des Vatikans steht vor einer ungewissen Zukunft.

Zwei Milliarden Euro Defizit: Ein schweres Erbe

Wie die italienische Tageszeitung Corriere della Sera berichtet, beläuft sich das Haushaltsdefizit des Vatikans auf rund zwei Milliarden Euro. Besonders betroffen ist der Pensionsfonds für die rund 5.000 Angestellten des Kirchenstaats. Obwohl Papst Franziskus zuletzt zu mehr Sparsamkeit und kreativem Fundraising aufgerufen hatte, scheinen die Bemühungen nicht gefruchtet zu haben.

Ein Schreiben aus dem September 2024, in dem Franziskus die Kardinäle zu finanzieller Disziplin ermahnte, blieb offenbar ohne durchschlagenden Effekt. Selbst aus dem Krankenhaus organisierte er noch Maßnahmen zur Haushaltsrettung – unter anderem die Einrichtung einer Kommission für Fundraising. Doch all das konnte das massive Defizit nicht abwenden.

Haushaltstransparenz fehlt – Zugang zum Kapitalmarkt auch

Neuer Papst, leere Kassen: Leo XIV. erbt ein Milliardenloch vom Vatikan
© Unsplash – Coronel G.

Besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass der Vatikan seit über zwei Jahren keinen offiziellen Haushalt mehr veröffentlicht hat. Während Staaten sich über Anleihen finanzieren können, ist der Vatikan vom internationalen Kapitalmarkt ausgeschlossen. Die Vatikanbank IOR, die keine Kredite vergibt, erwirtschaftet jährlich zwar zweistellige Millionenbeträge, kann damit aber die laufenden Kosten nicht decken.

Ein aktueller Artikel auf deutschland.de beleuchtet die finanzielle und strukturelle Sonderstellung des Vatikanstaates.

US-Papst als Hoffnungsträger für neue Spendenströme?

Ein Hoffnungsschimmer könnte aus den USA kommen. Unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. gehörten katholische Vereinigungen wie die Knights of Columbus zu den wichtigsten Geldgebern des Vatikans. Unter Franziskus war die Spendenbereitschaft aus Nordamerika deutlich zurückgegangen – unter anderem wegen theologischer Spannungen mit konservativen US-Kreisen.

Ob Papst Leo XIV. mit seiner Herkunft neue Finanzströme mobilisieren kann, bleibt offen. Fest steht: Sein analytischer Ansatz – er ist Mathematiker und Philosoph – wird sich deutlich von dem seines Vorgängers unterscheiden.

Ökonomischer Kurswechsel: Von Ideologie zu Analyse?

Neuer Papst, leere Kassen: Leo XIV. erbt ein Milliardenloch vom Vatikan
© YouTube / Associated Press.

Laut dem Präsidenten des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, könnte mit Leo XIV. ein differenzierter Blick auf Wirtschaft und Gesellschaft in den Vatikan Einzug halten. Während Franziskus das Gewinnstreben kritisch betrachtete, sei Leo XIV. näher an der klassischen katholischen Soziallehre, die sowohl unternehmerische Verantwortung als auch Eigentumsrechte betont.

Fuest verweist auf aktuelle Herausforderungen wie den Klimawandel, bei denen der neue Papst eine balancierte Perspektive vertreten könnte. Ein Indiz dafür: Kardinal Robert Prevosts Forderung nach einem weltweiten CO2-Preis als marktwirtschaftliches Klimainstrument.

Zwischen Sanierung und Neuausrichtung

Der neue Papst steht nicht nur vor einem immensen Haushaltsdefizit, sondern auch vor der Aufgabe, das wirtschaftliche Denken im Vatikan neu auszurichten. Ob er dabei alte Spender zurückgewinnt oder neue Finanzierungsideen verwirklicht – entscheidend wird sein, ob der Heilige Stuhl künftig wieder solide haushalten kann.

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