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Welt

Neuer Papst warnt vor KI: „Eine Herausforderung für die Menschenwürde“

Der neue Papst Leo XIV will sich nicht nur um Glaubensfragen kümmern – er nimmt auch die Künstliche Intelligenz ins Visier
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In seiner ersten offiziellen Ansprache an die Kardinäle bezeichnete er KI als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und warnte vor ihrer möglichen Bedrohung für die Menschenwürde. Der gebürtige US-Amerikaner Robert Prevost, kürzlich zum Nachfolger von Papst Franziskus gewählt, setzt damit einen klaren Zukunftsakzent.

„In unserer Zeit stellt die Kirche allen den Schatz ihrer Soziallehre zur Verfügung – als Antwort auf eine neue industrielle Revolution und auf Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die neue Herausforderungen für die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit darstellen“, erklärte der Pontifex laut CNN vor ranghohen Kirchenvertretern.

Schon die Wahl seines Namens ist ein politisches Statement. Leo XIV verweist damit bewusst auf Papst Leo XIII, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts die soziale Frage in den Mittelpunkt seiner Amtszeit stellte – zu einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen durch die erste industrielle Revolution.

Ein historisches Vorbild für moderne Probleme

Leo XIII führte die katholische Soziallehre in eine neue Ära. In seiner berühmten Enzyklika Rerum Novarum aus dem Jahr 1891 forderte er bessere Bedingungen für Arbeiterinnen und Arbeiter, verurteilte soziale Ungerechtigkeit und sprach sich klar für das Recht auf gewerkschaftliche Organisation aus. Das Schreiben gilt bis heute als Grundstein für das kirchliche Engagement in sozialen Fragen.

Papst Leo XIV will offenbar an diese Tradition anknüpfen – nur dass es heute nicht mehr nur um Fabriken und Fließbänder geht, sondern um Algorithmen, Automatisierung und digitale Machtstrukturen.

KI zwischen Fortschritt und Ethik

Auch Papst Franziskus, Leos direkter Vorgänger, hatte bereits vor den Risiken unkontrollierter KI-Entwicklung gewarnt. In seinem Schreiben Antiqua et Nova betonte er, dass technologische Fortschritte immer dem Menschen dienen und nicht entmenschlichen dürften. „Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz müssen der Menschenwürde dienen und dürfen ihr nicht schaden“, hieß es darin.

Franziskus sprach das Thema auch auf internation

aler Bühne an: Beim G7-Gipfel 2024 bezeichnete er KI als Beginn einer „kognitiv-industriellen Revolution“ und warnte davor, dass neue Technologien bestehende Ungleichheiten verschärfen könnten – zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern ebenso wie zwischen sozialen Klassen.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos rief er Anfang des Jahres dazu auf, Fortschritt nicht allein an Effizienz zu messen. Der Mensch, seine Würde und sein gemeinschaftliches Miteinander müssten stets im Zentrum stehen. Nur so könne KI dem Gemeinwohl dienen – statt es zu gefährden.

Ein Papst für das digitale Zeitalter?

Mit Leo XIV betritt nun ein Kirchenoberhaupt die Weltbühne, das nicht nur auf die Tradition der katholischen Soziallehre verweist, sondern auch klare Zeichen setzen will im Umgang mit neuen Technologien. Dass er dabei auf den Spuren Leos XIII wandeln will, ist mehr als nur symbolisch: Beide Päpste begegnen tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen mit einem Appell an Ethik, Gerechtigkeit und Verantwortung.

Ob der Vatikan unter Leo XIV künftig noch aktiver am globalen Diskurs über KI teilnimmt – etwa in Zusammenarbeit mit politischen Akteuren, Technologieunternehmen oder Wissenschaft – bleibt abzuwarten. Klar ist: Die katholische Kirche meldet sich mit einem neuen Tonfall in einer der drängendsten Debatten unserer Zeit zu Wort.

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