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Wissenschaft

KI entdeckt potenziell bewohnbare Planeten – ein Schweizer Algorithmus verändert die Suche im All

Die Universität Bern meldet einen Durchbruch: Mit einem KI-gestützten Modell gelingt es Forschenden, Planetensysteme mit hoher Wahrscheinlichkeit erdähnlicher Welten zu identifizieren. Ein gewaltiger Schritt für die Astrobiologie – und für kommende Missionen wie PLATO und LIFE. Doch was bedeutet „bewohnbar“ wirklich?
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Die Suche nach außerirdischem Leben beschäftigt Wissenschaft und Öffentlichkeit seit Jahrzehnten. Jetzt sorgt ein Forschungsteam der Universität Bern mit einem maschinellen Lernmodell für Aufsehen. Der Algorithmus kann mit erstaunlicher Präzision Planetensysteme erkennen, die potenziell lebensfreundliche Bedingungen bieten – und könnte künftige Weltraummissionen entscheidend beschleunigen.

Mit KI zu neuen welten

KI entdeckt potenziell bewohnbare Planeten – ein Schweizer Algorithmus verändert die Suche im All
© Unsplash – NASA.

Das maschinelle Lernmodell wurde von der Astrophysikerin Dr. Jeanne Davoult im Rahmen ihrer Doktorarbeit entwickelt. Es analysiert riesige Datenmengen simulierten und realen Ursprungs, um Planetensysteme mit erdähnlichen Bedingungen zu identifizieren. Grundlage ist das renommierte „Bern Model of Planet Formation and Evolution“, das bereits seit 2003 komplexe physikalische Prozesse bei der Entstehung von Planeten abbildet.

„Das Modell erkennt mit einer Genauigkeit von bis zu 99 Prozent Systeme, in denen sich mindestens ein potenziell bewohnbarer Planet befindet“, erklärt Davoult, die inzwischen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin tätig ist. Besonders bemerkenswert: In einem ersten Testlauf spürte das Modell 44 reale Planetensysteme auf, die bislang übersehen wurden – alle mit hoher Wahrscheinlichkeit Träger erdähnlicher Welten.

Chance für missionen wie plato und life

Für künftige Weltraummissionen wie PLATO (ESA) oder das ambitionierte LIFE-Projekt zur direkten Detektion biologischer Spuren auf Exoplaneten eröffnet die Methode neue Möglichkeiten. Statt das Weltall blind zu durchsuchen, lässt sich mit Hilfe der KI gezielter vorgehen.

„Die Ergebnisse können helfen, Prioritäten bei der Zielauswahl zu setzen und Beobachtungsressourcen effizienter einzusetzen“, sagt Romain Eltschinger, Mitautor der Studie und Doktorand am Centre for Space and Habitability (CSH). Besonders im Hinblick auf teure Großprojekte ist das ein strategischer Vorteil.

Vorsicht vor falschen hoffnungen

Trotz aller Euphorie betonen die Forschenden, dass potenziell bewohnbar nicht gleichbedeutend mit „von Leben bevölkert“ ist. Zwar verbessern sich die Chancen, aussichtsreiche Planeten gezielt zu untersuchen, doch definitive Beweise für Leben im All stehen weiterhin aus.

„Unser Ziel ist es, die Suche effizienter zu machen – nicht, vorschnelle Schlüsse zu ziehen“, sagt Yann Alibert, Co-Direktor des CSH. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse in Astronomy & Astrophysics gelten dennoch als bedeutender Meilenstein für die Exoplanetenforschung.

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