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Wissenschaft

Wenn der Duft verschwindet: Wie ein fehlender Geruch beim Duschen ein Frühzeichen für Demenz sein kann

Demenz beginnt nicht immer mit Vergesslichkeit oder Verwirrung. Manchmal sind es winzige Veränderungen im Alltag, die auf ein größeres Problem hinweisen. Eine davon passiert unter der Dusche – und wird von vielen gar nicht bemerkt.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Mehr als nur ein schlechtes Gedächtnis

Wenn wir an Demenz denken, denken wir meist an Gedächtnisverlust: Namen, Termine oder Gespräche entgleiten dem Gedächtnis. Das ist zwar ein häufiges Symptom, aber längst nicht das einzige. Die Krankheit kann sich schon Jahre vorher in ganz anderen Formen zeigen.

Erste Anzeichen können etwa Orientierungslosigkeit an vertrauten Orten sein, Schwierigkeiten beim Ausführen alltäglicher Aufgaben, plötzliche Stimmungsschwankungen oder Probleme beim Sprechen und Verstehen. All das wird oft als „normales Altern“ abgetan – doch genau darin liegt die Gefahr.

Warum frühes Erkennen so entscheidend ist

Über 55 Millionen Menschen weltweit leben mit einer Form von Demenz. Frühzeitige Diagnose kann den Krankheitsverlauf zwar nicht aufhalten, aber deutlich verlangsamen. Sie ermöglicht passende Therapien, Anpassungen im Alltag und eine bessere Vorbereitung – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige.

Doch nicht alle Symptome sind offensichtlich. Einige sind so subtil, dass sie jahrelang übersehen werden. Und genau hier kommt eine besonders überraschende Warnung ins Spiel – eine, die sich direkt im Badezimmer zeigt.

Ein fehlender Duft als Warnsignal

Neurolog:innen des Sentara RMH Medical Center und von Remo Health haben herausgefunden, dass der Verlust des Geruchssinns ein früher Hinweis auf Demenz sein kann. Besonders auffällig: Viele Betroffene bemerken plötzlich nicht mehr den Geruch von Duschgel, Shampoo oder Seife – obwohl sie weder erkältet noch allergisch reagieren.

Dr. Fouzia Siddiqui erklärt: „Geruchsverlust steht in engem Zusammenhang mit Erkrankungen wie Alzheimer.“ Das liegt daran, dass die Hirnareale, die für das Riechen zuständig sind, oft als erste von der Neurodegeneration betroffen sind.

© Unsplash – Steven HWG

Das Gehirn riecht mit – und warnt früh

Noch brisanter ist die Aussage von Dr. Meredith Bock, medizinische Leiterin bei Remo Health: Der Geruchsverlust kann bis zu zehn Jahre vor anderen kognitiven Symptomen auftreten – vor allem bei bestimmten Formen wie der Lewy-Körper-Demenz.

Das heißt: Wenn man plötzlich über längere Zeit hinweg nichts mehr riecht – ohne erkennbare Ursache – sollte man das nicht ignorieren. Denn was wie ein kleines Ärgernis wirkt, kann in Wahrheit der erste Hinweis auf tiefgreifende Veränderungen im Gehirn sein.

Ein unsichtbares Signal, das nicht übersehen werden darf

Das Problem: Der Geruchsverlust wird oft falsch gedeutet – als harmloser Effekt von Stress, Jahreszeitenwechsel oder einer leichten Erkältung. Doch gerade wenn er sich hartnäckig hält, ist ein ärztlicher Check ratsam.

Demenz kommt oft nicht mit lauten Symptomen. Manchmal macht sie sich bemerkbar, wenn das Shampoo plötzlich nicht mehr duftet. Wer solche kleinen Veränderungen ernst nimmt, kann viel gewinnen: mehr Klarheit, bessere Therapien – und wertvolle Zeit.

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