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Wissenschaft

Die Krankheit, die Emotionen verhindert – und wie sie sich äußert

Manche Menschen wirken kalt und distanziert – doch in Wirklichkeit könnten sie an einer psychischen Störung leiden, die es ihnen unmöglich macht, Emotionen zu erkennen und auszudrücken. Diese Erkrankung kann ihre Beziehungen und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen, oft ohne dass sie sich dessen bewusst sind.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Der Begriff Alexithymie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „keine Worte für Emotionen“. In der Psychologie beschreibt er Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Gefühle zu identifizieren und auszudrücken.

Laut Psychology Today fällt es Betroffenen nicht nur schwer, ihre eigenen Emotionen zu verstehen, sondern auch die Gefühle anderer zu deuten. Dies kann zu sozialer Angst führen, da sie nonverbale Signale nicht richtig erkennen und interpretieren können, was die zwischenmenschliche Kommunikation erheblich erschwert.

Menschen mit Alexithymie wirken oft sozial unbeholfen, wenig einfühlsam oder humorlos. Doch diese Unfähigkeit, Emotionen zu verarbeiten, ist keine bewusste Entscheidung, sondern eine psychologische Störung, die ihre Art, mit der Welt zu interagieren, tiefgreifend beeinflusst.

Symptome der Alexithymie

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© iStock.

Laut Healthline gehören folgende Anzeichen zu dieser Erkrankung:

  • Gefühl innerer Leere
  • Schwierigkeiten, eigene Emotionen zu beschreiben
  • Probleme beim Erkennen von Gesichtsausdrücken oder Körpersprache
  • Mangel an Zuneigung in zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Unerklärliche Angst- oder Panikreaktionen
  • Monotone oder unpassende emotionale Ausdrucksweise

Obwohl sie oft kalt erscheinen, sind viele Menschen mit Alexithymie in Wirklichkeit hochsensibel. Ihre Unfähigkeit, dies auszudrücken, führt jedoch häufig zu einem falschen Bild ihrer Persönlichkeit.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Es gibt keinen einzelnen Test zur Diagnose von Alexithymie. Fachleute wie Psychologen und Psychiater nutzen spezielle Fragebögen zur Bewertung der Symptome. In manchen Fällen kann ein Neurologe eine MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie) anordnen, um die Aktivität der anterioren Insula zu analysieren – jenem Gehirnbereich, der für Emotionen und Empathie zuständig ist.

Formen der Alexithymie

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© iStock.

Es gibt zwei Hauptarten dieser Erkrankung:

  • Primäre Alexithymie: Sie ist genetisch bedingt oder durch eine Schädigung der anterioren Insula verursacht. Dadurch kann sich eine normale emotionale Verbindung nicht entwickeln.
  • Sekundäre Alexithymie: Sie entsteht als Reaktion auf traumatische Erlebnisse, psychische Störungen wie Angst oder Depression, den Konsum von Drogen oder neurologische Erkrankungen.

In einigen Fällen tritt Alexithymie auch in Verbindung mit Autismus auf und kann mit zwanghaften oder depressiven Störungen koexistieren.

Gibt es eine Behandlung?

Eine vollständige Heilung gibt es nicht, aber bestimmte Therapieansätze können helfen, den emotionalen Ausdruck zu verbessern. Psychotherapie spielt dabei eine entscheidende Rolle, um Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln und Emotionen besser wahrzunehmen. In manchen Fällen wird eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) empfohlen, kombiniert mit Übungen zur Förderung der emotionalen Wahrnehmung.

Das Verständnis dieser Störung ist entscheidend, um Fehlurteile zu vermeiden. Hinter der scheinbaren Gefühlskälte könnte eine Person stehen, die verzweifelt versucht, eine Verbindung zu ihren eigenen Emotionen – und zu denen anderer – herzustellen.

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