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Wissenschaft

Neue Hoffnung gegen Demenz? Ozempic & Co. könnten das Risiko deutlich senken

Laut einer neuen Analyse klinischer Studiendaten könnten GLP-1-Medikamente wie Ozempic das Risiko für Demenz bei Menschen mit Typ-2-Diabetes deutlich senken.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Studie aus Irland zeigt klare Zusammenhänge

Die Untersuchung, die diese Woche in JAMA Neurology veröffentlicht wurde, stammt von einem Forscherteam aus Irland. Dabei analysierten die Wissenschaftler*innen die Ergebnisse von 23 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit insgesamt rund 160.000 Teilnehmenden. Im Fokus: der Zusammenhang zwischen blutzuckersenkenden Medikamenten und der Entwicklung von Demenz oder kognitiven Beeinträchtigungen.

Das Ergebnis: Während es insgesamt keine eindeutige Verbindung zwischen der Einnahme dieser Medikamente und einem geringeren Demenzrisiko gab, stach eine Medikamentenklasse deutlich heraus – die GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RAs), zu denen auch Ozempic und Wegovy zählen.

Was steckt hinter GLP-1?

GLP-1 ist ein Hormon, das im Körper den Blutzucker und das Hungergefühl reguliert. Die Medikamente – meist unter den Markennamen Ozempic (zur Diabetesbehandlung) oder Wegovy (zur Gewichtsreduktion) bekannt – imitieren diese Wirkung. Ursprünglich entwickelt zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, haben sie sich in den letzten Jahren auch als wirksame Mittel zur Gewichtsabnahme etabliert.

Doch ihre Wirkung könnte darüber hinausgehen. Menschen mit schlecht kontrolliertem Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer oder anderen Formen von Demenz zu erkranken. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ein weiterer Risikofaktor für Demenz – treten bei Diabetes häufiger auf. Studien haben bereits gezeigt, dass GLP-1-Medikamente auch das Herz schützen können.

GLP-1 als Schutzschild fürs Gehirn?

Die irische Studie liefert jetzt Hinweise darauf, dass GLP-1-Medikamente im Vergleich zu anderen Blutzuckertherapien – wie SGLT2-Inhibitoren oder Pioglitazon – tatsächlich mit einem statistisch signifikanten Rückgang des Demenzrisikos verbunden sind. Die anderen untersuchten Medikamentenklassen zeigten diesen Effekt hingegen nicht.

Wörtlich heißt es in der Veröffentlichung: „In dieser Metaanalyse randomisierter klinischer Studien war die blutzuckersenkende Therapie mit GLP-1-RAs, nicht aber mit SGLT2is oder Pioglitazon, mit einem signifikanten Rückgang des Risikos für Demenz oder kognitive Beeinträchtigung verbunden.“

Noch viele offene Fragen – aber die Forschung läuft

Wie genau GLP-1-Medikamente das Gehirn schützen könnten, ist noch nicht endgültig geklärt. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Wirkstoffe entzündungshemmend wirken oder die Kommunikation zwischen Nervenzellen verbessern. Klar ist aber: Das Interesse an der potenziellen „Nebenwirkung“ ist groß – und es gibt bereits weitere vielversprechende Anhaltspunkte.

So zeigte eine im Januar veröffentlichte Studie, dass das ältere GLP-1-Medikament Liraglutid möglicherweise den Abbau von Gehirnmasse bei Alzheimer-Patienten verlangsamen kann. Und eine andere Übersichtsstudie aus dem vergangenen Jahr kam zu dem Schluss, dass GLP-1-Therapien potenzielle „neuroprotektive und metabolische Vorteile“ für Menschen mit Alzheimer bringen könnten.

Großstudien laufen bereits

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk, der hinter Ozempic und Wegovy steckt, hat bereits zwei große Phase-III-Studien gestartet, in denen der Wirkstoff Semaglutid an Menschen mit früher Alzheimer-Erkrankung getestet wird. Die Ergebnisse dieser Studien werden für das kommende Jahr erwartet – und könnten entscheidende Erkenntnisse darüber liefern, ob GLP-1-Medikamente tatsächlich als Schutzschild gegen Demenz eingesetzt werden können.

Kein Wundermittel – aber vielversprechend

Noch ist es zu früh, Ozempic & Co. als neue Waffe gegen Demenz zu feiern. Die Datenlage ist zwar ermutigend, aber nicht eindeutig. Es bleibt unklar, wie stark der Schutzeffekt tatsächlich ist und bei welchen Patientengruppen er greift.

Was die Studie aber deutlich macht: GLP-1-Medikamente haben mehr Potenzial als bislang gedacht – und könnten in Zukunft nicht nur Diabetes und Übergewicht, sondern auch den geistigen Verfall im Alter eindämmen. Für eine alternde Gesellschaft wäre das ein echter Durchbruch.

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