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Jung, gebildet, weltoffen: Dieser Kardinal aus Europa könnte neuer Papst werden

Nach dem Tod von Papst Franziskus rückt ein Name in den Fokus: Kardinal José Tolentino de Mendonça. Mit noch nicht einmal 60 Jahren und einer besonderen Nähe zu Franziskus könnte er Geschichte schreiben – doch der Weg ist steinig.
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Lesezeit 2 Minuten

Mit dem Ableben von Papst Franziskus steht die katholische Kirche vor einer Zeitenwende. Wer wird sein Erbe antreten? Im kommenden Konklave wird ein Name besonders heiß gehandelt: Kardinal Tolentino de Mendonça aus Portugal. Seine Jugend, seine kulturelle Offenheit und seine Verbindung zur Vision Franziskus‘ könnten ihn zum Favoriten machen.

Kardinal Tolentino: Der „Dichter“ unter den Anwärtern

Jung, gebildet, weltoffen: Dieser Kardinal aus Europa könnte neuer Papst werden
© YouTube – CNN.

Mit 59 Jahren gehört José Tolentino de Mendonça zu den jüngsten wahlberechtigten Kardinälen im Konklave. Franziskus selbst ernannte ihn 2019 zum Kardinal – und nannte ihn dabei anerkennend „Poesie“. Tolentino, der von der Insel Madeira stammt, ist nicht nur Theologe, sondern auch preisgekrönter Schriftsteller.

Sein Beitrag zur Verbindung von Literatur und Glauben ist beachtlich: 2014 vertrat er Portugal beim Welttag der Poesie, und bis heute verfasst er eine wöchentliche Kolumne unter dem Titel „Was Wolken sind“. 2022 übertrug ihm Papst Franziskus die Leitung des Dikasteriums für Kultur und Bildung, mit dem Auftrag, frische Impulse in die kirchliche Bildungslandschaft zu bringen.

Zeichen setzen: Begegnungen mit Künstlern und Komikern

In seiner jüngeren Vergangenheit bewies Tolentino Gespür für unkonventionelle Annäherungen: 2024 organisierte er ein Treffen des Papstes mit hunderten Komikern aus aller Welt – darunter auch Hollywoodstar Whoopi Goldberg. Auf der Biennale in Venedig begleitete er Franziskus bei einer emotionalen Begegnung mit Künstlerinnen in einem Frauengefängnis. Beide Aktionen zeugen von seiner Fähigkeit, Glauben und zeitgenössische Kultur in Dialog zu bringen.

Ein Hoffnungsträger im Geiste von Franziskus

Jung, gebildet, weltoffen: Dieser Kardinal aus Europa könnte neuer Papst werden
© Vatican News.

Tolentino steht dem progressiven Flügel der Kirche nahe – und seiner Vision entspricht jene von Franziskus. Im Gespräch mit der argentinischen Tageszeitung La Nación erklärte er: „Ich sehe diese Zeit der Kirche nicht mit Pessimismus, sondern mit Hoffnung.“


Sein Anliegen: Die christliche Erfahrung müsse in eine Sprache übersetzt werden, die die heutige Welt versteht. Nur so könne der Glaube lebendig bleiben.

Eine Kindheit zwischen Kontinenten

Seine Biografie spiegelt globale Erfahrungen wider: In Angola geboren und nach der Unabhängigkeit des Landes als Kind geflüchtet, wuchs Tolentino mit den Herausforderungen der Diaspora auf. Früh trat er ins Priesterseminar ein, studierte in Lissabon und wurde 1990 zum Priester geweiht. 2012 übernahm er eine führende Rolle an der Katholischen Universität von Portugal, bevor ihn 2018 Papst Franziskus in den Vatikan berief.

Wird er Geschichte schreiben?

Ob Kardinal Tolentino im Konklave genügend Stimmen auf sich vereinen kann, bleibt offen. Die Konkurrenz ist stark – und nicht alle Anwärter sind unumstritten. Doch sollte er gewählt werden, könnte der erste Papst aus Madeira nicht nur aufgrund seines Alters, sondern auch durch seine weltoffene Vision eine historische Zäsur markieren.

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