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Welt

Handelskrieg eskaliert: Chinas Fabriken stoppen Produktion und schicken Arbeiter nach Hause

Der Handelskonflikt zwischen China und den USA erreicht eine neue Eskalationsstufe: Chinesische Fabriken stellen ihre Produktion ein, Tausende von Arbeitern werden heimgeschickt – die von Trump verhängten Strafzölle treffen die Exporte hart. Die Unsicherheit wächst, und Bilder leerer Werkshallen zeigen eine besorgniserregende Realität.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Der Handelskrieg trifft die Produktion mitten ins Herz

Was einst mit politischen Drohgebärden begann, ist längst Realität auf den Produktionsstraßen Chinas: Der Rückgang der US-Bestellungen zwingt viele Fabriken zur Schließung. Tausende Beschäftigte stehen plötzlich ohne Arbeit da. Aus einem politischen Machtspiel wurde eine existenzielle Bedrohung für unzählige Menschen.

Stillstand wegen Auftragsflaute

Seit Trump die Zölle auf chinesische Produkte auf teils bis zu 145 % hochgeschraubt hat, kämpft die Industrie ums Überleben. Besonders betroffen sind Hersteller von Textilien, Haushaltsgeräten und Kunststoffprodukten. Viele Unternehmen berichten von stornierten oder pausierten Bestellungen aus den USA – und haben ihre Produktion auf Eis gelegt.

Noch 2024 gingen etwa 15 % der chinesischen Exporte in die Vereinigten Staaten. Diese Zahl ist jetzt ernsthaft ins Wanken geraten. Arbeiter posten Fotos leerer Fabrikhallen und Mitteilungen über Produktionsstopps – ein klares Zeichen dafür, wie brutal die neuen Zölle die Branche treffen.

Wang Xin, Chefin der Shenzhen Cross-Border E-Commerce Association, schildert die Stimmung als extrem angespannt. Viele Händler bitten ihre Zulieferer, keine weiteren Waren zu produzieren. In den Industriezentren Guangdong und Fujian wurden Überstunden und Wochenendarbeit gestrichen, teilweise mussten komplette Belegschaften vorübergehend nach Hause geschickt werden.

Ein Beispiel: Bei DeHong Electrical Products in Dongguan wurden die Mitarbeiter auf Mindestlohn gesetzt und für einen Monat freigestellt, nachdem Aufträge storniert wurden. Andere Firmen wie Hangzhou Stellarmed rieten ihren Angestellten sogar, sich nach neuen Jobs umzusehen – was zeigt, wie groß die Unsicherheit inzwischen ist.

© Unsplash – Catgirlmutant

Verzweifelte Maßnahmen und Hoffnungsschimmer

Einige Städte versuchen gegenzusteuern: Shenzhen etwa vergibt Zuschüsse für die Teilnahme an internationalen Messen und bietet verbesserte Exportversicherungen an, um Unternehmen bei stornierten Aufträgen abzusichern. Aber angesichts des Ausmaßes der Krise wirken diese Schritte eher wie Tropfen auf den heißen Stein.

Manche Hersteller konnten ihre Produktion zumindest teilweise wieder hochfahren, weil neue Bestellungen aus Europa eintrafen. Trotzdem bleibt die Abhängigkeit vom US-Markt ein riesiges Problem. Gleichzeitig reagierte Peking mit eigenen Strafzöllen – satte 125 % auf bestimmte US-Produkte – was die Lage weiter verschärft und einen baldigen Deal unwahrscheinlicher macht.

Menschliche Schicksale und ein ungewisser Ausblick

Hinter den Zahlen und Handelsbilanzen stehen tausende persönliche Geschichten. „Wir haben keine Ahnung, wie lange das noch so weitergeht“, klagt eine Fabrikbesitzerin. Die Unsicherheit dominiert – und laut Han Dongfang, Gründer des China Labour Bulletin, wird die Restrukturierung des Industriesektors Jahre dauern. Die Rechnung zahlen am Ende die Arbeiter.

Auch wenn einige Hightech-Produkte von den Strafzöllen ausgenommen sind, steckt der Großteil der Industriebranche in der Krise. Während Trump und Xi Jinping auf Distanz bleiben, spüren die Menschen in China die wahren Folgen eines Konflikts, der keine schnelle Lösung erkennen lässt.

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