Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist mit unerwarteter Wucht zurück. Nach der Ankündigung neuer gegenseitiger Zölle reagierten die Märkte mit deutlichen Verlusten. Investor*innen, Banken und Technologieriesen spüren bereits die Folgen einer Eskalation, die die globale wirtschaftliche Stabilität bedroht. Steht uns eine Rezession bevor?
Wall Street fällt den zweiten Tag in Folge deutlich
Die US-Börsen gerieten auch am Freitag stark unter Druck, nachdem China neue Vergeltungszölle angekündigt hatte. Der Dow Jones fiel um 2,99 % (–1214 Punkte), der S&P 500 verlor 3,36 % und der Nasdaq stürzte um 3,73 % ab. In nur zwei Tagen verlor der Nasdaq 9,5 %, der S&P 500 über 8 %.
Die Angst vor einem langwierigen Handelskrieg und dessen Folgen – hohe Inflation, geringeres Wachstum, Verlust an Wettbewerbsfähigkeit – treibt eine Welle von Verkäufen an. Der Dow Jones liegt bereits 6,9 % unter dem Wochenwert und mehr als 10 % unter dem letzten Hoch im Dezember, womit er offiziell in eine technische Korrektur eingetreten ist.
Sam Stovall, Analyst bei CFRA Research, bringt es auf den Punkt:
„Die Märkte zeigen eine reale Angst vor einer unkontrollierten Eskalation der Zölle mit global unvorhersehbaren Folgen.“
Banken und Tech-Konzerne führen den Abwärtstrend in den USA an
Am stärksten betroffen waren der Finanz- und Technologiesektor. JPMorgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America verloren jeweils über 6 %, American Express und Wells Fargo über 5 %.
Von den sogenannten „Glorreichen Sieben“ blieb nur Alphabet leicht im Plus (+0,12 %). Der Rest – Apple, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla – verzeichnete starke Verluste von bis zu 5 %. Diese Druckwelle auf die Tech-Giganten verstärkt das allgemeine Misstrauen und erhöht die Risikowahrnehmung am Markt.
Europa und Asien geraten ebenfalls ins Straucheln

Der Sturm beschränkte sich nicht auf Wall Street. Auch Europas Leitbörsen verzeichneten einen „Schwarzen Freitag“. Der spanische IBEX 35 führte den Abwärtstrend mit einem Einbruch von –6,60 % an, gefolgt vom DAX in Deutschland (–5,43 %), dem EuroStoxx 50 (–5,35 %), dem französischen CAC 40 (–4,76 %) und dem britischen FTSE 100 (–4,13 %).
In Asien war das Bild ähnlich: Der Nikkei 225 in Tokio verlor 3,8 %, der Hang Seng in Hongkong stürzte um 4,1 % ab, der Shanghai-Index sank um 3,2 %. Analyst*innen sehen darin eine reale Angst vor einer globalen Konjunkturabschwächung und einem Rückgang der weltweiten Nachfrage.
Auch die Rohstoffmärkte reagierten heftig. Der Ölpreis brach um rund 9 % ein: Brent fiel auf 64,33 US-Dollar (–8,28 %), WTI auf 60,97 US-Dollar (–8,93 %). Gold, traditioneller Zufluchtsort in Krisenzeiten, stieg um 0,85 % auf 3.148,09 US-Dollar.
Dieses Verhalten zeigt: Anleger*innen flüchten in sichere Anlagen – und sehen die Rezession nicht mehr als hypothetisches Risiko, sondern als akute Bedrohung.
Gegenzölle und politische Rhetorik beruhigen die Märkte nicht
China kündigte am Freitag neue Zölle von 34 % auf sämtliche US-Produkte an – als direkte Antwort auf die von Trump zu Wochenbeginn verhängten 10 %-Zölle. Die schnelle und entschlossene Reaktion schürte die Spannungen weiter.
Trump versuchte, die Märkte über seine Plattform Truth Social zu beruhigen:
„Ich werde meine Politik nie ändern. Jetzt ist der Moment, um reich zu werden – reicher als je zuvor.“ Doch seine Worte konnten den Absturz nicht aufhalten. Die Nervosität zeigt: Politische Versprechen reichen nicht mehr aus, um eine Situation zu kontrollieren, die bereits aus dem Ruder läuft.
Und jetzt? Arbeitsmarktdaten bringen keine Entspannung
Mit Spannung erwartet der Markt die Arbeitsmarktdaten für März. Analyst*innen rechnen mit einem moderaten Zuwachs von 140.000 Stellen bei einer stabilen Arbeitslosenquote von 4,1 %. Doch die Aufmerksamkeit liegt längst bei den strukturellen Folgen des Handelskriegs.
Entscheidend werden die Verbraucherpreisindizes (VPI) für März sein, die am 10. April veröffentlicht werden – sie könnten die Auswirkungen auf Inflation und Konsum erstmals klarer sichtbar machen.
Vorerst sieht sich die Weltwirtschaft einem zunehmend komplexen Szenario gegenüber: hohe Inflation, Rückgang des Welthandels, Druck auf Banken und schwindendes Vertrauen an den Börsen. Der Handelskrieg ist keine entfernte Bedrohung mehr – sondern Realität. Und alles deutet darauf hin, dass das schwierigste Kapitel erst noch bevorsteht.
Quelle: La Nación