Strafzölle auf China steigen weiter
Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump: „Aufgrund des Mangels an Respekt, den China den Weltmärkten entgegenbringt, erhöhe ich hiermit den Zoll, den die Vereinigten Staaten von Amerika auf China erheben, mit sofortiger Wirkung auf 125 %.“
Schon um Mitternacht waren erste Maßnahmen in Kraft getreten, darunter ein 104 % Zollsatz – der wurde nun noch einmal deutlich angezogen. Trump bekräftigte zudem, dass sich China und andere Länder künftig an „faire Spielregeln“ halten müssten. „Die Zeit des Ausnutzens der USA ist vorbei“, so der Präsident.
90-Tage-Pause – aber nur für einige
Neben der Verschärfung gegenüber China verkündete Trump auch eine teilweise Beruhigung im globalen Zollkonflikt: Ein 10 %-Tarif wird für einen Zeitraum von 90 Tagen als „deutlich reduzierter Reziprozitätszoll“ aufrechterhalten – allerdings nur für bestimmte Länder. Welche genau betroffen sind, blieb zunächst unklar.
Trump schrieb weiter, dass mehr als 75 Länder bereits Kontakt zu US-Behörden aufgenommen hätten, um Gespräche über Handel, Währungsmanipulation, nicht-monetäre Handelsbarrieren und Zölle zu führen. Als Dank für ihre „Zurückhaltung“ gegenüber den USA habe er die Pause autorisiert. Ein Dankeschön per Social-Media-Post inklusive.
Was ist mit Europa?
Die EU hatte kürzlich mit einem Vergeltungszoll von 25 % gedroht. Dennoch soll laut CNBC auch Europa von der neuen 10 %-Regelung betroffen sein. Anders sieht es bei den direkten Nachbarn aus: Kanada und Mexiko müssen weiterhin mit 25 % Zöllen rechnen. CNBC beruft sich dabei auf Angaben aus dem Weißen Haus.
US-Finanzminister Scott Bessent trat wenig später vor das Weiße Haus, erklärte die Maßnahme als vollen Erfolg und lobte Trumps „maximales Verhandlungsgeschick“. Doch internationale Reaktionen fielen eher verhalten aus – viele Staaten scheinen schlicht genervt vom ständigen Hin und Her.
Widersprüchliche Aussagen, verwirrte Märkte
Die turbulente Zolldebatte hatte am 2. April begonnen, als Trump ein inzwischen berüchtigtes Schaubild präsentierte, das angeblich die Zölle anderer Länder auf die USA zeigen sollte. Tatsächlich zeigte es jedoch lediglich Handelsdefizite, umgerechnet auf Exporte – faktisch eine irreführende Darstellung.
In Singapur äußerte sich Premierminister Lawrence Wong kritisch: „Was die USA derzeit betreiben, ist keine Reform. Es ist die Ablehnung des Systems, das sie selbst aufgebaut haben.“
An der Börse sorgten Trumps Aussagen für heftige Ausschläge: Der S&P 500 stieg am Mittwoch um 1:02 p.m. ET abrupt um über 7 %, nachdem ein Tweet von Politico um 12:56 p.m. vermeldet hatte, dass Bessent ein Treffen mit republikanischen Abgeordneten kurzfristig abgesagt hatte – offenbar wegen einer dringenden Einberufung ins Weiße Haus.
„Es wird faire Deals geben – für die USA“
Später am Tag trat Trump erneut vor Reporter und betonte, dass sein Plan aufgehe. Jetzt gehe es darum, konkrete Handelsvorteile für die USA herauszuholen. Auf die Frage zur Entwicklung am Anleihemarkt sagte er:
„Ich habe den Bondmarkt beobachtet. Der ist knifflig. Aber heute sieht er wunderschön aus. Gestern Abend waren die Leute noch ein bisschen nervös.“
Für Trump bleibt klar: Die Welt soll sich bewegen – und zwar nach seinen Regeln. „Es wird faire Deals geben. Aber bisher waren die Deals nicht fair für uns. Sie haben uns ausgesaugt.“
Ob dieser Mix aus Strafzöllen, Pausen und rhetorischen Drohungen wirklich zu neuen Handelsabkommen führt oder nur für mehr Unsicherheit sorgt, bleibt offen. Eines ist sicher: Ruhe kehrt so schnell nicht ein.