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Wissenschaft

Bedrohung aus der Tiefe: Pazifiks aktivster Unterwasservulkan steht kurz vor dem Ausbruch

Axial-Vulkan vor der US-Küste zeigt alarmierende Aktivität – Experten rechnen mit baldiger Eruption
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Tief im Pazifik, nur wenige Kilometer vor der Küste Oregons, rumort es gewaltig: Der Axial Seamount, der aktivste Unterwasservulkan im Nordpazifik, steht laut Forschenden kurz vor einer neuen Eruption. Verformungen des Meeresbodens, tausende Erdbeben pro Tag und steigender magmatischer Druck deuten auf ein mögliches Ereignis hin, das nicht nur lokale Ökosysteme, sondern auch globale geologische Prozesse beeinflussen könnte.

Ein „aufgeblasener“ Vulkan unter Druck

Schon 2015 sorgte der Axial für Aufsehen, als er riesige Lavamengen über den Ozeanboden ergoss. Jetzt scheint sich die Geschichte zu wiederholen: Der Meeresboden wölbt sich erneut – ein klares Zeichen dafür, dass sich unter der Oberfläche Magma ansammelt. Für den Meeresgeophysiker William Wilcock von der University of Washington ist das ein bekanntes Warnsignal. Laut ihm durchläuft der Vulkan derzeit exakt das Muster, das auch seine letzten Ausbrüche ankündigte.

Obwohl man die Aktivität nicht mit bloßem Auge sehen kann, sprechen die Messdaten eine eindeutige Sprache: Der Druck im Inneren steigt rapide – und es fehlt nicht mehr viel zur kritischen Schwelle. Das größte Problem: Unterwasservulkane sind schwer zugänglich, direkte Beobachtungen kaum möglich. Doch die Geophysik liefert deutliche Hinweise darauf, dass der Axial hochgradig instabil ist.

Hunderte Beben pro Tag – und die Gezeiten als Auslöser

Neben der Bodenverformung schlägt vor allem die seismische Aktivität Alarm: Momentan werden täglich 200 bis 300 kleine Beben in der Region registriert – in Spitzenzeiten, etwa bei starker Gezeitenaktivität, steigt diese Zahl sogar auf über 1.000. Vor einem Ausbruch können es laut Expert:innen bis zu 2.000 Erdbeben pro Tag sein.

Die Geophysikerin Maya Tolstoy erklärt, dass der Druckabfall während der Ebbe eine entscheidende Rolle spielen könnte. Wenn der Wasserdruck über der Erdkruste sinkt, geraten die Magmakammern ins Ungleichgewicht – die Erdbeben nehmen sprunghaft zu und könnten letztlich die Eruption auslösen.

 Bedrohung aus der Tiefe: Pazifiks aktivster Unterwasservulkan steht kurz vor dem Ausbruch
© Unsplash – Zidhan Ibrahim.

Naturgewalt mit zwei Gesichtern: Zerstörung und Neuanfang

Eine Unterwassereruption verändert nicht nur das geologische Profil – sie hat auch tiefgreifende Folgen für die Tierwelt. Der Axial-Vulkan ist umgeben von hydrothermalen Quellen, die wie kleine Oasen des Lebens wirken. Zwar können Eruptionen diese sensiblen Lebensräume zerstören, doch erstaunlicherweise zeigen Studien, dass sie sich rasch erholen: Bereits drei Monate nach dem Ausbruch 2011 wurde wieder neues Leben an den betroffenen Stellen entdeckt.

Trotz dieser Widerstandskraft bleibt das Risiko erheblich. Solche Vulkanausbrüche können Meeresströmungen beeinflussen, das Wasser versauern und das chemische Gleichgewicht stören. Besonders große Explosionen erzeugen außerdem akustische Wellen, die über Tausende Kilometer hinweg im Ozean zu hören sind.

Ein Rätsel in ständiger Bewegung

Der Axial Seamount liegt auf einem sogenannten „Hotspot“ im Erdmantel – ein Ort, an dem über Millionen von Jahren hinweg Vulkane entstehen. Er gehört zu einer aktiven Vulkankette, die den Ozeanboden kontinuierlich verändert. Laut Professorin Deborah Kelley ereignen sich rund 75 % aller Vulkanausbrüche weltweit in solchen submarinen Spaltensystemen – und dennoch weiß man über sie erstaunlich wenig.

Eine neue Eruption könnte wichtige Erkenntnisse über den Tiefseevulkanismus liefern – ein Phänomen, das bisher nur schwer erforscht ist. Bis es soweit ist, überwacht die Wissenschaft das Gebiet rund um die Uhr: mit Sensoren, Drohnen und jeder Menge Geduld.

Ein schlafender Riese kurz vorm Erwachen

Der Axial ist mehr als nur ein weiterer Vulkan – er ist ein Schlüssel zur Erforschung unseres Planeten. Seine Bewegungen könnten weitreichende Folgen haben, von der Westküste der USA bis zu den globalen Ozeanen. Die Wissenschaft blickt gespannt in die Tiefe – und wartet darauf, ob der nächste Knall nur eine Frage der Zeit ist.

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