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Wissenschaft

Die Entdeckung, die die Geheimnisse des Meeresbodens lüftet: Was hat die NASA unter dem Ozean gefunden?

Die NASA hat soeben eine Unterwasserkarte veröffentlicht, die unser Verständnis der Ozeane grundlegend verändern könnte. Mithilfe des Satelliten SWOT wurden zuvor unbekannte unterseeische Berge entdeckt – mit einer bisher unerreichten Genauigkeit. Was bedeutet dieser Fund für die Schifffahrt und die geologische Geschichte unseres Planeten?
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Obwohl wir mehr über die Oberfläche des Mondes wissen als über den Boden unserer eigenen Ozeane, hat die NASA einen großen Fortschritt in der Erforschung der Tiefsee gemacht. Dank des SWOT-Satelliten und in Zusammenarbeit mit der französischen Raumfahrtagentur CNES haben Wissenschaftler*innen die bisher detaillierteste Karte des Meeresbodens erstellt. Welche Geheimnisse wurden dabei aufgedeckt? Und wie verändert das unsere Sicht auf die Ozeane? Hier die Antworten.

Das Paradox des Unbekannten: Wir wissen mehr über den Mond als über die Ozeane

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© YouTube / NASA.

Seit Jahrzehnten stehen Wissenschaftler*innen vor einem rätselhaften Paradox: Wir kennen die Geografie des Mondes besser als den Meeresboden der Erde. Bisher waren Schiffe mit Sonartechnik das Hauptinstrument zur Kartierung des Meeresbodens – sie haben jedoch nur etwa 25 % der ozeanischen Fläche abgedeckt.

Hier kommt der SWOT-Satellit ins Spiel – ein Gemeinschaftsprojekt der NASA und CNES. SWOT hat die Unterwasserkartografie revolutioniert, indem er zentimetergenaue Unterschiede im Wasserspiegel analysiert. Durch die Erkennung dieser minimalen Variationen kann der Satellit versteckte Strukturen unter der Wasseroberfläche identifizieren, wie unterseeische Berge und Tiefseehügel.

Dank dieser innovativen Technologie konnten die Wissenschaftler*innen die bekannte Zahl unterseeischer Berge mehr als verdoppeln – von 44.000 auf über 100.000. Diese Entdeckungen haben nicht nur wissenschaftliche, sondern auch wirtschaftliche Relevanz, da viele Ressourcen und Seehandelsrouten vom Wissen über den Meeresboden abhängen.

Warum die Kartierung des Meeresbodens alles verändern könnte

Die Kartierung des Meeresbodens ist weit mehr als nur ein wissenschaftliches Interesse. Sie spielt eine zentrale Rolle in zahlreichen wirtschaftlichen Bereichen – von der Tiefseebergbau-Industrie bis zur Verlegung von Telekommunikationskabeln. Darüber hinaus ermöglicht eine präzise Kartografie sicherere und effizientere Schifffahrtsrouten.

Nadya Vinogradova Shiffer, Leiterin der Programme für physikalische Ozeanografie bei der NASA, betont, dass die Unterwasserkartierung neue Möglichkeiten im Bereich seltener Rohstoffe eröffnen kann – ebenso wie in der Optimierung von Handelswegen. Unterseeische Berge und andere geologische Strukturen beeinflussen maßgeblich Meeresströmungen und die Verteilung von Nährstoffen – mit direkten Auswirkungen auf die Biodiversität und die menschlichen Gemeinschaften, die auf maritime Ressourcen angewiesen sind.

Der technologische Sprung: Wie SWOT verborgene Berge entdeckt

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© CNES.

Obwohl SWOT nicht speziell für die Meeresbodenkartierung entwickelt wurde, hat sich seine Fähigkeit, Wasserhöhen zu messen, als revolutionäres Werkzeug erwiesen. Laut David Sandwell, Geophysiker am Scripps-Institut für Ozeanografie, verursachen die Massen unterseeischer Berge winzige Erhebungen an der Wasseroberfläche – messbar aus dem Weltraum.

Diese Fähigkeit hat es ermöglicht, auch unterseeische Berge mit weniger als 500 Metern Höhe zu erkennen – etwas, das zuvor unmöglich schien. Darüber hinaus liefern die neuen Daten auch Erkenntnisse über die geologische Vergangenheit unseres Planeten. Die sogenannten Tiefseehügel, die etwa 70 % des Meeresbodens bedecken, geben Aufschluss über die Bewegung der tektonischen Platten im Laufe der Erdgeschichte.

Die Zukunft der Ozeankartografie: Ein vollständiger Meeresboden bis 2030?

Das internationale Ziel, bis 2030 den gesamten Meeresboden zu kartieren, mag ambitioniert erscheinen – doch die Fortschritte durch SWOT sind ein entscheidender Schritt in diese Richtung. Gleichzeitig geben die Forscher*innen zu, dass dieses Ziel allein mit Schiffen kaum erreichbar wäre.

Die durch SWOT gewonnenen Informationen helfen nun dabei, die exakte Tiefe der entdeckten Strukturen zu bestimmen. Das wird das Verständnis geologischer Prozesse vertiefen und die nachhaltige Nutzung ozeanischer Ressourcen verbessern.

Eine globale Zusammenarbeit, die Geschichte schreibt

Der SWOT-Satellit ist ein Ergebnis internationaler Zusammenarbeit – mit Beteiligung der NASA, CNES, der kanadischen Raumfahrtagentur und der britischen Weltraumbehörde. Seine hochmoderne Technologie verbessert nicht nur unser Wissen über die Ozeane, sondern liefert auch entscheidende Daten zur Erforschung des Klimas und des marinen Lebens.

Dank SWOT haben wir einen großen Schritt gemacht, um die Rätsel des Meeresbodens zu entschlüsseln – und damit alte Paradigmen zu hinterfragen sowie neue Perspektiven für die Erforschung der Ozeane zu eröffnen.

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