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Wissenschaft

Der Vulkan, der Gold aus dem Inneren des Eises spuckt: Ein Fund, der unsere Sicht auf die Antarktis verändert

Eine Untersuchung des aktivsten Vulkans in der Antarktis brachte Erstaunliches zutage: Seine Gase enthalten Gold. Das ebenso seltene wie faszinierende Phänomen könnte helfen, die Dynamik vulkanischer Prozesse in extremen Regionen besser zu verstehen – und deren Verbindung zum Klimawandel.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Auf der abgelegenen Ross-Insel, einer der unwirtlichsten Regionen der Erde, brodelt seit über fünfzig Jahren ein Vulkan still vor sich hin. Sein Name: Mount Erebus. Seine geologischen Besonderheiten haben nun die wissenschaftliche Welt überrascht. Dieser antarktische Riese beherbergt nicht nur einen dauerhaften Lavasee, sondern gibt auch mikroskopisch kleine Goldpartikel in die Atmosphäre ab – ein unerwarteter Fund mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen.

Mount Erebus: Der Vulkan, der „Gold ausspuckt“

Der Vulkan, der Gold aus dem Inneren des Eises spuckt: Ein Fund, der unsere Sicht auf die Antarktis verändert
© Nasa Earth Observatory.

Mit einer Höhe von 3.794 Metern ist der Mount Erebus der südlichste aktive Vulkan der Erde – und einer der wenigen weltweit mit einem permanenten Lavasee. Bereits vor über 30 Jahren begonnene Studien zeigen, dass seine vulkanischen Emissionen Goldspuren enthalten, die sich auf bis zu 80 Gramm pro Tag summieren könnten. Auch wenn diese Menge praktisch nicht gesammelt werden kann, hätte sie einen geschätzten Marktwert von rund 6.000 Euro pro Tag.

Die goldhaltigen Partikel verbleiben nicht in der Nähe des Kraters. Vom Polarwind getragen, wurden sie mehr als 1.000 Kilometer vom Vulkan entfernt nachgewiesen – ein Hinweis auf das Ausmaß des Phänomens. Diese weiträumige Verteilung eröffnet neue Forschungsansätze zur Präsenz von Metallen in der antarktischen Atmosphäre sowie zu deren möglichen geologischen und klimatischen Auswirkungen.

Neben seinem wissenschaftlichen Wert ist der Erebus auch mit einer Tragödie der Luftfahrtgeschichte verbunden: 1979 prallte ein touristischer Flug von Air New Zealand aufgrund eines „Whiteout“-Phänomens an seinen Hängen ab. Dabei kamen 257 Menschen ums Leben – ein Unglück, das das Risikobewusstsein in diesen extremen Breitengraden nachhaltig veränderte.

Verborgene Risiken: Vulkane und Klimawandel in der Antarktis

Der Vulkan, der Gold aus dem Inneren des Eises spuckt: Ein Fund, der unsere Sicht auf die Antarktis verändert
© X.

Forschende warnen, dass der Klimawandel die vulkanische Aktivität in Regionen wie Westantarktika erheblich beeinflussen könnte. Durch das fortschreitende Abschmelzen des Eises verändert sich der Druck auf die Magmakammern – was die Wahrscheinlichkeit stärkerer Ausbrüche erhöhen kann.

Diese Entwicklung ist keineswegs hypothetisch. Vielmehr befürchtet man, dass solche Eruptionen den Gletscherrückgang beschleunigen und den Meeresspiegel weiter ansteigen lassen könnten. Mount Erebus und andere bisher als stabil geltende Vulkane des weißen Kontinents könnten somit zu aktiven Faktoren im globalen Klimageschehen werden.

Die Antarktis als geologisches Labor der Zukunft

Der Fall Erebus zeigt, wie vielschichtig und dynamisch die Antarktis ist – weit über das hinaus, was man ihr auf den ersten Blick zutraut. Als Ort geologischer Extreme bietet sie ideale Bedingungen, um globale Prozesse wie Plattentektonik, atmosphärische Zirkulation und vulkanische Aktivität unter besonderen Bedingungen zu erforschen. Der Fund von Gold ist dabei nur ein glänzender Hinweis auf ein weitaus komplexeres Zusammenspiel von Eis, Feuer und Klima.

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