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Wissenschaft

Supereruptionen: Kein Weltuntergang, aber Jahrzehnte des Chaos

Gute Nachrichten für alle, die sich vor einem klimatischen Weltuntergang fürchten: Eine gewaltige Supereruption vor 79.500 Jahren hat die Erde offenbar nicht so stark verwüstet, wie lange angenommen. Das legt eine neue Studie von Geowissenschaftlern nahe.
Von Adam Kovac Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Kein apokalyptisches Szenario, aber trotzdem ernst

Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus, dass eine Supereruption – also ein extrem starker Vulkanausbruch, der das gesamte Erdklima beeinflusst – massive Verwüstungen anrichten und einen Großteil des Lebens auf der Erde auslöschen könnte. Doch eine neue Untersuchung geologischer Daten deutet darauf hin, dass die Folgen nicht ganz so katastrophal wären.

Die Studie stammt von Umweltforschern der Universität St. Andrews. Sie analysierten Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis sowie Sedimentproben aus dem Pazifikäquator. In diesen Proben entdeckten sie winzige Aschepartikel, die mit der Los-Chocoyos-Supereruption in Verbindung stehen – einem gewaltigen Ausbruch, der sich in der heutigen Atitlán-Caldera in Guatemala ereignete. Während das Smithsonian Global Volcanism Project das Ereignis auf vor 84.000 Jahren datierte, korrigierten die Wissenschaftler aus St. Andrews dieses Datum nun auf 79.500 Jahre.

Ein Vergleich: Pinatubo vs. Los Chocoyos

Zum besseren Verständnis: Der stärkste Vulkanausbruch der jüngeren Geschichte ereignete sich am 12. Juni 1991, als der Mount Pinatubo auf den Philippinen explodierte. Nach Monaten zunehmender seismischer Aktivität und Magmabewegungen spuckte der Vulkan eine 35 Kilometer hohe Aschewolke in die Atmosphäre. Dabei wurden 20 Millionen Tonnen Schwefel ausgestoßen, was zu einem globalen Temperaturrückgang von etwa 0,5 Grad Celsius zwischen 1991 und 1993 führte. Der Ausbruch veränderte das Erscheinungsbild des Berges dauerhaft und hinterließ eine 2,5 Kilometer breite Caldera. Dank früher Warnsignale konnten Tausende Menschen rechtzeitig evakuiert werden, und der Luftverkehr wich der Aschewolke aus. Dennoch verursachte die Eruption Schäden in Höhe von 100 Millionen Dollar an Flugzeugen, die Hunderte Kilometer entfernt flogen.

Zur Einordnung: Die Eruption des Pinatubo hatte eine Stärke von 6 auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI). Los Chocoyos erreichte hingegen eine 8 – die Mindeststärke, um als Supereruption zu gelten. Das bedeutet, dass sie etwa 100-mal stärker als Pinatubo war.

Folgen für das Klima: Kein globaler Winter, aber lange Jahre der Kälte

Die Wissenschaftler berichten in der Fachzeitschrift Communications Earth and Environment, dass die analysierten Kerne eine Abkühlungsperiode von 10 bis 20 Jahren zeigen. Das ist weit entfernt von den schlimmsten Befürchtungen, die von Tausend Jahren eisiger Temperaturen ausgegangen waren. Wahrscheinlich wuchs in dieser Zeit das Meereis an, doch nach etwa 30 Jahren normalisierte sich das Klima wieder.

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs gab es weder Schrift noch Sprache, doch moderne Menschen (Homo sapiens) waren bereits auf der Erde unterwegs. Und da wir immer noch hier sind, spricht das dafür, dass Menschen und viele andere Spezies durchaus in der Lage sind, solche extremen Ereignisse zu überleben.

Glücklicherweise sind Supereruptionen selten. Die letzte bekannte fand vor etwa 25.500 Jahren in Neuseeland statt – die Oruanui-Eruption.

Was bedeutet das für die Zukunft?

„Unsere Ergebnisse verbessern das Verständnis darüber, wie widerstandsfähig das Klima gegenüber Supereruptionen und deren Schwefeleinträgen in die Stratosphäre sein kann“, erklärte Helen Innes, die leitende Forscherin der Studie. „Es ist essenziell, weiterhin die größten Vulkanausbrüche in Eisbohrkernen zu identifizieren und ihre exakten Daten zu bestimmen, um das Risiko für das globale Klima besser einschätzen zu können.“

Letztendlich zeigt die Studie: Selbst wenn die Natur mit voller Wucht zuschlägt, wird sie uns nicht zwangsläufig auslöschen. Unsere größte Bedrohung bleibt also nicht ein plötzlicher Supervulkanausbruch, sondern der Schaden, den wir selbst der Umwelt zufügen – mit Folgen, die sich über Jahrtausende erstrecken könnten. Ob das eine hoffnungsvolle oder eine erschreckende Erkenntnis ist, hängt ganz davon ab, wie optimistisch man in Bezug auf den menschlichen Selbsterhaltungstrieb ist.

 

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