Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Unerwarteter Schutz: Wie die Gürtelrose-Impfung Herzinfarkten vorbeugen könnte

Neue Studie zeigt überraschenden Zusammenhang zwischen Gürtelrose-Impfung und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die Gürtelrose-Impfung könnte deutlich mehr leisten als bisher gedacht. Laut einer aktuellen Studie aus Südkorea senkt sie nicht nur das Risiko für die schmerzhafte Virusinfektion – sondern möglicherweise auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Weniger Herzerkrankungen durch Impfung?

Ein Forschungsteam der Kyung Hee Universität analysierte über eine Million medizinischer Datensätze südkoreanischer Bürger ab 50 Jahren. Das Ergebnis: Menschen, die gegen Gürtelrose geimpft wurden, hatten ein signifikant geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Ungeimpfte. Die Studie wurde im European Heart Journal veröffentlicht.

„Das legt nahe, dass die Impfung nicht nur vor der Gürtelrose schützt, sondern auch potenzielle Vorteile für die Herzgesundheit bietet“, sagte Studienautorin Sooji Lee gegenüber Gizmodo.

Die tückische Natur der Gürtelrose

Ausgelöst wird Gürtelrose vom Varizella-Zoster-Virus – dem gleichen Erreger, der im Kindesalter Windpocken verursacht. Auch wenn die Windpocken meist harmlos verlaufen, kann das Virus Jahrzehnte im Körper schlummern. Wird das Immunsystem im Alter schwächer, kann das Virus wieder aktiv werden – diesmal als Gürtelrose.

Diese zweite Infektion ist deutlich heftiger: Starke Schmerzen, wochenlange Hautausschläge und nicht selten dauerhafte Nervenschäden gehören zu den möglichen Folgen.

Mehr als nur Hautausschlag: Spätfolgen der Infektion

Schon frühere Studien deuteten darauf hin, dass Gürtelrose weitreichendere gesundheitliche Folgen haben kann – unter anderem ein erhöhtes Risiko für Demenz oder Alzheimer. Im Umkehrschluss zeigte sich: Wer geimpft ist, hat ein geringeres Risiko für kognitive Erkrankungen. Und auch bei Herzerkrankungen scheint ein ähnlicher Zusammenhang zu bestehen.

Allerdings war bisher unklar, ob die Impfung selbst einen präventiven Effekt auf Herz-Kreislauf-Probleme haben könnte – oder ob nur die Infektion das Risiko erhöht. Die neue Studie bringt hier wichtige Hinweise.

Zahlen, die aufhorchen lassen

Die Ergebnisse der südkoreanischen Analyse sind eindeutig:

  • 23 % geringeres Risiko für neu auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • 26 % geringeres Risiko für schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall

  • 26 % geringeres Risiko für Herzinsuffizienz

Der stärkste Effekt zeigte sich in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Impfung, aber auch acht Jahre später war noch ein Schutzeffekt messbar. Besonders stark wirkte die Impfung bei Männern, Menschen mit Vorerkrankungen sowie in ländlichen oder einkommensschwachen Regionen.

„Da unsere Untersuchung in einer großen Allgemeinbevölkerung durchgeführt wurde, könnten die Ergebnisse auch auf andere Länder übertragbar sein“, so Lee.

Beobachtung, keine Garantie

Die Studie ist beobachtend, was bedeutet: Sie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber keine direkte Ursache. Dennoch sind die Mechanismen plausibel: Gürtelrose verursacht Entzündungen, Gefäßschäden und kann die Blutgerinnung beeinflussen – alles bekannte Risikofaktoren für Herzkrankheiten. Auch Herzrhythmusstörungen durch Nervenschäden könnten eine Rolle spielen.

Neue Impfstoffe, neue Hoffnung?

Interessanterweise bezieht sich die Studie auf den älteren Impfstoff Zostavax, der mit einer abgeschwächten Form des Virus arbeitet. Inzwischen wird meist Shingrix verwendet – ein modernerer Impfstoff, der nur ein Virusprotein enthält und als wirksamer gilt. Frühere Studien deuten sogar darauf hin, dass Shingrix das Risiko für Demenz noch stärker senken könnte.

Laut Sooji Lee plant das Forschungsteam bereits, den Schutzeffekt von Shingrix auf das Herz-Kreislauf-System gesondert zu untersuchen.

Mehr als ein Pieks gegen Schmerzen

Selbst ohne die neu entdeckten Zusatznutzen lohnt sich die Gürtelrose-Impfung: Die Infektion ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern kann auch langanhaltende Folgen haben. Umso besser, wenn der kleine Pieks auch noch das Herz und das Gehirn schützt. Vielleicht ist die Gürtelrose-Impfung tatsächlich ein echter Geheimtipp für unsere Gesundheit – ganz ohne Nebenwirkungen für den Geldbeutel.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel