Seit Jahrzehnten durchsucht die Wissenschaft die Grenzen des Universums nach Signalen, die auf Leben jenseits der Erde hinweisen könnten. Dieses Mal richten sich die Scheinwerfer auf einen Exoplaneten, der über 100 Lichtjahre entfernt liegt, dessen Atmosphäre Verbindungen offenbart, die bei uns auf der Erde ausschließlich von lebenden Organismen produziert werden. Die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft steht Kopf: Das, was entdeckt wurde, könnte alles verändern.
Ein verdächtig vertrauter Planet

Der Planet heißt K2-18b und befindet sich im Sternbild Löwe, 124 Lichtjahre entfernt. Er wurde 2015 entdeckt, gewann aber erst kürzlich durch eine Reihe von Beobachtungen mit dem James Webb-Weltraumteleskop größere Aufmerksamkeit. Dieser Planet gehört zu einer neu klassifizierten Gruppe, den „Hochsee-Welten“, die durch Atmosphären aus Wasserstoff und möglicherweise flüssenartige Ozeane auf ihrer Oberfläche charakterisiert sind: Bedingungen, die ihn zu einem vielversprechenden Kandidaten für Leben machen, wie wir es kennen.
Chemische Signale, die ins Unbekannte zeigen
Während der spektrale Analyse seiner Atmosphäre entdeckten die Wissenschaftler Dimethylsulfid (DMS) und Dimethyldisulfid (DMDS). Beide Verbindungen werden auf der Erde ausschließlich biologisch hergestellt, vor allem durch Phytoplankton und bestimmte Meeresbakterien. Die Entdeckung dieser Moleküle auf einem so entfernten Planeten hat alle Alarmglocken schrillen lassen: Es gibt keine bekannten Prozesse außerhalb der terrestrischen Biologie, die diese in solchen Konzentrationen erzeugen könnten.
Zwischen Begeisterung und Vorsicht
Trotz der beeindruckenden Entdeckung fordern Astronomen Zurückhaltung. Es bestehen noch viele Unklarheiten: Von unbekannten geochemischen Prozessen bis hin zu Fehldeutungen der gesammelten Daten. Eines ist jedoch sicher: Es war noch nie zuvor gelungen, eine derart klare und spezifische Bio-Signatur auf einem Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zu erfassen. Die nächsten Missionen des James Webb und weiterer Observatorien werden entscheidend sein, um die biologische Hypothese zu bestätigen oder zu widerlegen.
Der Beginn einer neuen Weltraumära

Mehr als das Endergebnis stellt diese Entdeckung einen historischen Meilenstein in der Astrobiologie dar. Zum ersten Mal gelingt es Raumsonden, Verbindungen im Zusammenhang mit Leben auf so entfernten Welten zu identifizieren. Wenn zukünftige Beobachtungen bestätigen, dass dort Organismen — auch wenn nur Mikroben — existieren, würde eine der ältesten Barrieren des menschlichen Denkens fallen: die Überzeugung, dass Leben ausschließlich auf der Erde vorkommt.