Eine der größten Pleiten der deutschen Versicherungsgeschichte sorgt derzeit für Unsicherheit: Das Berliner Unternehmen Element ist zahlungsunfähig, Hunderttausende Kunden sind betroffen. Dabei ist vielen gar nicht bewusst, dass sie überhaupt bei dieser Gesellschaft versichert waren. Doch die Zeit drängt: Wer sein Geld will, muss schnell aktiv werden.
Was Kunden jetzt wissen müssen

Im Dezember 2024 meldete die Element Insurance AG Insolvenz an. Am 1. März 2025 eröffnete das Amtsgericht Charlottenburg offiziell das Verfahren. Laut dem zuständigen Insolvenzverwalter Friedemann Schade wurden alle Betroffenen schriftlich informiert. Bis Anfang Mai 2025 sind bereits mehr als 11.000 Schadensmeldungen eingegangen – die Frist zur Anmeldung endet am 31. Mai.
Kunden können ihre Ansprüche über ein zentrales Online-Portal einreichen. Eine individuelle Kündigung ihrer Versicherungspolice ist nicht notwendig, denn alle Verträge endeten automatisch zum 1. April 2025 – so sieht es das Versicherungsvertragsgesetz vor.
Die unsichtbare Versicherung – viele ahnen nichts
Ein besonderes Problem: Die Element Insurance trat oft nicht direkt in Erscheinung, sondern agierte im Hintergrund großer Marken wie BavariaDirekt, BMW Bank GmbH oder Vodafone. Viele Kunden wissen daher nicht, dass ihre Policen bei Element abgeschlossen wurden.
Erst durch die Bekanntgabe des Verwalters erfuhren zahlreiche Verbraucher, dass sie betroffen sind. Eine vollständige Liste aller Partnerunternehmen wurde inzwischen auf dem offiziellen Insolvenzportal veröffentlicht – ein entscheidender Hinweis für die Nachverfolgung eigener Verträge.
Juristischer Streit mit einem Partner eskaliert

Während mit den meisten Partnerfirmen bereits Absprachen zur Kundensicherung getroffen wurden, weigert sich ein Unternehmen bislang, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Laut Schade wurde daher Klage vor dem Landgericht Düsseldorf eingereicht, um die Rechte der Versicherten durchzusetzen.
Das erhöht den Druck auf alle Beteiligten und zeigt die komplexe Lage, in der sich Kunden befinden – auch aus rechtlicher Sicht. Wer betroffen ist, sollte prüfen, ob seine Police über ein Drittunternehmen abgeschlossen wurde und entsprechende Nachweise sichern.
Vom Start-up zum Insolvenzfall: Wie konnte es so weit kommen?
Gegründet 2017, galt Element als ambitioniertes digitales Versicherungs-Start-up. Es spezialisierte sich auf individuelle Policen in Bereichen wie Fahrrad-, Hausrat- oder Tier-Versicherung – stets in enger Kooperation mit größeren Playern.
Doch trotz technologischem Fokus konnte sich das Unternehmen nicht durchsetzen. Am Ende stand die Pleite. Eine, die nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern für eine gesamte Kundengruppe zur Belastungsprobe wird.
Was nun? Forderungen anmelden, neue Versicherung suchen
Kundinnen und Kunden haben nun zwei Aufgaben: Erstens, Schadensersatzforderungen rechtzeitig bis 31. Mai anmelden. Zweitens, sich aktiv nach Alternativen umsehen. Der Fall Element zeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Policen regelmäßig zu überprüfen – und nicht blind auf bekannte Marken zu vertrauen.
Quelle: Chip.