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Wissenschaft

Kaugummi gegen Grippe und Herpes? Forschende entwickeln antivirale Kaumischung aus Bohnenprotein

Ein Forscherteam hat einen Kaugummi entwickelt, der im Labor Viren wie Influenza und Herpes wirksam unschädlich machen kann.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Viren im Visier – mit einem Kaugummi

Antiviraler Kaugummi klingt fast zu schön, um wahr zu sein – aber genau daran arbeiten Wissenschaftler:innen schon seit Längerem. Schon vor einigen Jahren hatte das Team um Henry Daniell einen pflanzenbasierten Kaugummi entwickelt, der Coronaviren im Speichel neutralisieren konnte. Jetzt gehen sie einen Schritt weiter – und nehmen sich Influenza sowie Herpesviren vom Typ 1 und 2 (HSV-1 und HSV-2) vor.

Im Mittelpunkt der neuen Entwicklung steht Lablab purpureus, auch bekannt als Hyazinthbohne, eine in tropischen Regionen verbreitete Pflanze. Diese Bohne enthält das Protein FRIL (Flt3 Receptor Interacting Lectin), das Viren gezielt binden kann. Genau dieses Protein wird in Form von Bohnenpulver dem Kaugummi beigemischt.

Was passiert beim Kauen?

Im Labor zeigte sich: Wird das Bohnenprotein mit Grippeviren oder Herpesviren zusammengebracht, können diese bei ausreichender Dosierung fast vollständig neutralisiert werden. Ein mechanischer „Kauapparat“ simulierte das menschliche Kauen, um zu überprüfen, ob genug FRIL freigesetzt wird. Ergebnis: Ein Kaugummi mit zwei Gramm Gewicht und 40 Milligramm Bohnenpulver konnte die Viruslast im Speichel um über 95 % senken.

„Diese Ergebnisse lassen hoffen, dass Bohnen-Kaugummi künftig auch in klinischen Studien am Menschen helfen kann, Virusinfektionen und deren Übertragung einzudämmen“, schreiben die Forschenden in der Fachzeitschrift Molecular Theory.

Stabil, sicher – und vielleicht sogar lecker?

Laut dem Forschungsteam wurde der Kaugummi gemäß den Spezifikationen der US-Arzneimittelbehörde FDA für Medikamente hergestellt. Das bedeutet: Auch die Sicherheit und Stabilität des Produkts wurde unter die Lupe genommen. Der Kaugummi bleibt laut Studie mindestens zwei Jahre lang wirksam und sicher zu kauen – ein wichtiger Faktor für die praktische Anwendung.

Was bringt’s im Alltag?

Zwar gibt es bereits Impfstoffe gegen Grippe sowie antivirale Medikamente gegen Herpes, doch diese haben ihre Schwächen: Grippeimpfungen schützen oft nur mäßig vor der Weitergabe der Viren, und Herpes-Medikamente senken zwar das Übertragungsrisiko – doch viele Infizierte wissen gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen, da oft keine Symptome auftreten. Zudem ist Herpes durch Speichel übertragbar, auch ohne akute Beschwerden – zum Beispiel durch Oralsex.

Für beide Herpesviren existieren derzeit keine Impfstoffe. Hier könnte der antivirale Kaugummi neue Wege eröffnen: einfach anzuwenden, diskret, wirksam – und ganz ohne medizinische Prozeduren.

Nächster Schritt: Vogelgrippe?

Spannend ist auch, dass das Team die Wirkung von FRIL über die menschliche Gesundheit hinaus denkt. In einem nächsten Projekt wollen sie Vogelfutter mit dem Protein anreichern, um die Ausbreitung der Vogelgrippe unter Geflügel einzudämmen – ein Versuch mit großem Potenzial für die Tiermedizin und Landwirtschaft.

„Die Kontrolle von Virusübertragungen bleibt eine globale Herausforderung. Ein breit wirkendes antivirales Protein wie FRIL, das in einem natürlichen Lebensmittel vorkommt, könnte eine echte Innovation sein – für Mensch und Tier gleichermaßen“, betonte Henry Daniell in einer Mitteilung der Universität.

Kauen gegen Krankheiten?

Noch steckt das Ganze in der Entwicklungsphase, doch die Idee ist vielversprechend: Ein Kaugummi, der Grippe- und Herpesviren bekämpft, während man ihn ganz nebenbei kaut – ohne Spritzen, ohne Pillen. Und solange er nicht wie Bohne schmeckt, hätte wohl niemand etwas dagegen, im Winter einfach mal zur Virus-Abwehr zu kauen.

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