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Wissenschaft

Viren gegen Körpergeruch? Wie Bakterienjäger unsere Achseln retten könnten

Würdest du dich mit Viren verbünden, um den ganzen Tag frisch zu riechen? Klingt verrückt – aber genau das könnte bald Realität sein.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Japanische Forscher haben nämlich etwas entdeckt, das wie Science-Fiction klingt, aber echtes Potenzial hat: eine biologische Waffe gegen stinkende Achseln – direkt aus der Welt der Viren.

Unser Schweiß ist an sich geruchlos. Erst wenn bestimmte Bakterien auf unserer Haut anfangen, ihn zu zersetzen, entstehen diese unangenehmen Gerüche, die wir alle kennen – besonders unter den Achseln. Genau dieses Zusammenspiel haben Wissenschaftler der Osaka Metropolitan University genauer unter die Lupe genommen.

Sie sammelten Schweißproben von 20 gesunden Männern – elf davon galten als besonders „duftintensiv“. Analysiert wurde nicht nur der Schweiß selbst, sondern vor allem auch das Mikrobiom der Haut, also die Bakteriengemeinschaft, die sich dort tummelt. Das Ziel: herausfinden, welche Bakterien genau für den Gestank verantwortlich sind – und wie man sie vielleicht loswerden könnte.

Ein bekannter Übeltäter: Staphylococcus hominis

In den besonders geruchsintensiven Proben stießen die Forscher auf auffällig hohe Konzentrationen einer Bakterienart namens Staphylococcus hominis. Dieser Mikroorganismus ist eigentlich ein harmloser Hautbewohner, solange das Immunsystem in Ordnung ist. Doch verschiedene Studien legen nahe, dass S. hominis für einige der penetrantesten Körpergerüche verantwortlich ist, die aus unseren Achselhöhlen aufsteigen können.

Jetzt, da das Forscherteam einen klaren Zusammenhang zwischen S. hominis und Körpergeruch gefunden hatte, suchten sie nach einem gezielten Gegenspieler.

Der geheime Helfer: Viren, die Bakterien jagen

Die Lösung könnte ausgerechnet ein Virus liefern – genauer gesagt ein sogenannter Bakteriophage. Diese speziellen Viren befallen ausschließlich Bakterien und sind dabei äußerst wählerisch, was ihre Zielorganismen betrifft. Die Forscher fanden in einem solchen Phagen ein Enzym namens Lysin, das gezielt die Zellwand von S. hominis zerstören kann.

Sie synthetisierten dieses Lysin im Labor und testeten es: Es griff ausschließlich S. hominis an und ließ alle anderen Bakterien in Ruhe. Ein Volltreffer. Die Ergebnisse wurden im renommierten Journal of Investigative Dermatology veröffentlicht.

Die Deo-Zukunft könnte ganz anders riechen

Zugegeben: Es handelt sich bisher nur um eine kleine Studie – und bevor das Lysin in Form eines neuen Deos oder medizinischen Produkts auf den Markt kommen kann, sind noch viele weitere Untersuchungen nötig. Aber das Potenzial ist riesig. Denn bisher gibt es kaum wirklich wirksame Möglichkeiten, um Körpergeruch ursächlich zu bekämpfen. Die meisten Deos überdecken nur den Geruch oder hemmen die Schweißproduktion – sie lösen das Problem nicht an der Wurzel.

„Achselgeruch ist eine der wenigen dermatologischen Erkrankungen, bei der Bakterien die Hauptursache sind“, erklärt Studienleiterin Dr. Miki Watanabe, Immunologin und Hautärztin an der Osaka Metropolitan University. „Obwohl viele Menschen unter Achselgeruch leiden, gibt es kaum wirksame Behandlungsansätze. Wir hoffen, dass unsere Forschung eine neue Therapie ermöglichen kann.“

Viren als Beauty-Verbündete?

Die Vorstellung, sich mit Viren gegen Körpergeruch zu verbünden, mag auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig klingen – doch in der Wissenschaft ist das längst keine Utopie mehr. Bakteriophagen werden bereits in der Medizin erprobt, zum Beispiel bei Antibiotika-resistenten Keimen. Warum also nicht auch in der Körperpflege?

Wenn alles gut läuft, könnten wir in Zukunft auf Deos verzichten, die Aluminium, Alkohol oder künstliche Duftstoffe enthalten – und stattdessen auf smarte, bakterienjagende Enzyme setzen, die den Geruch gar nicht erst entstehen lassen. Die Forschung steht zwar noch am Anfang, aber sie zeigt deutlich: Der Kampf gegen den Mief könnte bald ganz neue Waffen bekommen. Und Viren könnten dabei unsere besten Verbündeten sein.

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