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Wissenschaft

Die Rückkehr des Dschungels: Wie sich abgeholzte Wälder von selbst erholen könnten

Satellitendaten und künstliche Intelligenz zeigen: Manchmal ist es besser, einfach nichts zu tun – und der Natur ihren Lauf zu lassen.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ein neuer Forschungsbericht sorgt für überraschenden Optimismus: Millionen Hektar tropischen Waldes, die einst gerodet wurden, könnten ganz ohne menschliche Hilfe zurückkehren.

Seit Jahrzehnten gilt die Abholzung als eines der größten Umweltprobleme der Welt. Die Schlagzeilen zeigen meist nur die Zerstörung – doch diesmal liefert die Wissenschaft eine seltene Erfolgsgeschichte. Denn offenbar gibt es Hoffnung: Große Flächen degradierter Tropenlandschaft zeigen Anzeichen natürlicher Regeneration. Die in Nature veröffentlichte Studie könnte den Umgang mit Klimakrise und Wiederaufforstung grundlegend verändern – mit weniger Aufwand, dafür mit mehr Weitblick.

Unerwartete Entdeckung aus dem All

Zwischen 2000 und 2012 sammelten Forschende Satellitenbilder tropischer Gebiete, die sie 2015 erneut analysierten. Mithilfe von Machine Learning wurden gezielt Regionen identifiziert, in denen keine bewusste Wiederaufforstung durch Menschen stattgefunden hatte. Ziel war es, rein natürliche Vegetationsrückkehr zu beobachten – also den Wald, der von selbst zurückkehrt.

Das Ergebnis: Ein hochaufgelöster Weltkarte tropischer Regionen mit 30-Kilometer-Raster zeigte ganze 215 Millionen Hektar, die hohes Potenzial zur natürlichen Regeneration besitzen. Das ist mehr als die gesamte Fläche Mexikos – und fast die Hälfte der EU.

Wenn man der Natur einfach Raum gibt

Diese Flächen könnten laut Studie bis zu 23,4 Gigatonnen CO₂ speichern – ein gewaltiger Beitrag zur Eindämmung der Erderwärmung. Doch es geht nicht nur um Kohlenstoff: Auch die Biodiversität würde profitieren, ebenso die Wasserqualität und die ökologischen Dienstleistungen, die gesunde Wälder leisten – vom Erosionsschutz bis hin zur Luftreinigung.

Besonders spannend: Der Großteil dieser potenziell regenerierbaren Flächen konzentriert sich auf nur fünf Länder – Brasilien, Mexiko, Indonesien, China und Kolumbien. Und sie alle haben etwas gemeinsam: Die regenerierenden Gebiete liegen meist in der Nähe intakter Wälder, verfügen über gute Böden und sind weit entfernt von Städten, Straßen oder intensiver Landwirtschaft. Sprich: Je weniger menschliche Eingriffe, desto höher die Chancen auf ein Comeback der Natur.

Die Rückkehr des Dschungels: Wie sich abgeholzte Wälder von selbst erholen könnten
© André Cook – Pexels

„Einfach machen lassen“ – aber mit Plan

Wie die australische Ökologin Brooke Williams erklärt, ist klassische Wiederaufforstung mit hohen Kosten und viel Aufwand verbunden. Die Natur hingegen bringt ihre eigenen Lösungen mit – wenn man weiß, wo sie funktionieren. Wer also gezielt auf natürliche Regeneration setzt, spart Ressourcen und erzielt trotzdem starke Ergebnisse. Das könne, so Williams, ein „Gamechanger“ sein – besonders für Länder mit begrenzten Mitteln zur Waldrettung.

Schutz ist der Schlüssel

So positiv die Ergebnisse sind: Ganz von allein geht es trotzdem nicht. Die Rückkehr der Wälder hängt entscheidend davon ab, dass bestehende Wälder geschützt werden. Denn sie sind das Sprungbrett für neues Wachstum: Ihre Nähe fördert die Ausbreitung von Samen, stabilisiert das Mikroklima und bietet Unterschlupf für Wildtiere, die zur Wiederbewaldung beitragen.

Die neue Karte ermöglicht es politischen Entscheidungsträgern, genauer zu unterscheiden: Wo ist gezielte Hilfe nötig? Wo reicht es, einfach in Ruhe zu lassen? Das öffnet Raum für smartere Strategien – und macht klar: Nicht jedes Umweltproblem muss mit Bulldozern oder Millionenbudgets gelöst werden. Manchmal reicht es, nichts zu tun – und das Richtige dabei zu lassen.

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