Brasilien hat Teile des Amazonas-Regenwaldes abgeholzt, um Platz für die COP30 zu schaffen – eine Klimakonferenz, die ironischerweise dem Schutz der Umwelt dienen soll.
Im November wird die Stadt Belém Gastgeber der UN-Klimakonferenz COP30 sein. Rund 50.000 Menschen aus aller Welt werden erwartet, um gemeinsam über Lösungen für die Klimakrise zu debattieren. Doch um die Anreise dieser Massen zu erleichtern, hat die brasilianische Regierung acht Meilen Regenwald für den Bau einer vierspurigen Autobahn gerodet.
Laut der BBC wurden bereits große Waldflächen geräumt. Bilder zeigen die kahlen Flächen, auf denen einst dichter Urwald wuchs. Bald werden dort Beton und Autos dominieren.
Der Widerspruch: Regenwaldschutz vs. Infrastruktur
Regenwälder, besonders der Amazonas, sind von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel. Der brasilianische Diplomat André Aranha Corrêa do Lago, Leiter der COP30, betonte in einem offenen Brief, wie wichtig der Erhalt von Wäldern sei:
„Wenn wir uns im November im brasilianischen Amazonas treffen, müssen wir auf die Wissenschaft hören und die außergewöhnliche Rolle der Wälder und der Menschen, die sie bewahren und von ihnen abhängen, neu bewerten.“
Für viele Anwohner ist das jedoch ein schwacher Trost. Claudio Verequete, der in der Nähe der neuen Autobahn lebt und bisher seinen Lebensunterhalt mit der Ernte von Açaí-Beeren verdiente, sieht seine Existenz bedroht. Seine Bäume sind verschwunden, abgeholzt für den Bau der Straße.
„Unsere Angst ist, dass eines Tages jemand kommt und sagt: ‚Hier ist Geld. Wir brauchen dieses Gebiet für eine Tankstelle oder ein Lagerhaus.‘ Und dann müssen wir gehen,“ erklärte er der BBC.
Eine Autobahn spaltet den Regenwald
Die neue Straße zerschneidet das empfindliche Ökosystem des Amazonas. Tiere verlieren ihre Lebensräume, indigene Gemeinschaften werden isoliert. Wissenschaftler warnen, dass dies schwerwiegende Folgen für die Artenvielfalt und das gesamte Klima haben könnte.
Seit 2012 versucht der Bundesstaat Pará, eine Autobahn nach Belém zu bauen. Bislang verhinderten Umweltauflagen das Projekt. Doch ironischerweise wurde es nun im Namen der Klimakonferenz bewilligt. Die neue Straße erhält den Namen Avenida Liberdade – die „Freiheitsallee“.
Doch Freiheit für wen? Sicherlich nicht für die Natur.
Ein Millionenprojekt für die Konferenz
Die Autobahn ist nur ein Teil eines gigantischen Infrastrukturprojekts, mit dem Pará die Stadt Belém modernisieren will. Insgesamt werden 81 Millionen Dollar investiert. Der Flughafen wird erweitert, ein fünf Millionen Quadratfuß großer Park entsteht, neue Hotels werden gebaut. Zusätzlich sollen Kreuzfahrtschiffe in den Hafen von Belém einlaufen, um Unterkünfte für die Besucher zu bieten.
Die Entscheidung, COP30 in Belém auszutragen, war bewusst. Noch nie zuvor fand eine UN-Klimakonferenz direkt im Amazonasgebiet statt. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte im Wahlkampf versprochen, die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen. Tatsächlich hat seine Regierung die Entwaldung verlangsamt – aber nicht verhindert. Zudem unterstützt Lula weiterhin Projekte, die der Umwelt schaden, wie etwa die Erdölförderung am Amazonasfluss.
Der schmale Grat zwischen Fortschritt und Zerstörung
Diplomat do Lago betonte in seinem Brief:
„Wälder können uns wertvolle Zeit im Kampf gegen den Klimawandel verschaffen. Wenn wir die Abholzung stoppen und verlorene Flächen wiederherstellen, können wir enorme Mengen an Treibhausgasen aus der Atmosphäre entfernen und gleichzeitig die Ökosysteme wiederbeleben.“
Er hat Recht. Doch sein eigenes Land hat gerade acht Meilen des Amazonas geopfert – für eine Klimakonferenz, die eigentlich dem Schutz unseres Planeten dienen soll.