Was glänzt, ist nicht immer gut. Der weltweit hohe Goldpreis sorgt nicht nur für Börsengewinne, sondern auch für wachsende Zerstörung: Im Amazonasgebiet floriert der illegale Goldabbau, oft eng verknüpft mit Umweltverbrechen, Zwangsarbeit und dem Einfluss krimineller Netzwerke. Während der Regenwald verschwindet, landen Tonnen dieses Goldes – oft unbemerkt – auf europäischen Märkten.
Goldabbau hinterlässt Wunden im Regenwald

Beim Blick aus der Luft zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung: Kahle Flächen, verseuchte Wasserlöcher und schlammige Gruben zeichnen das Bild einst dichter Regenwaldgebiete. Allein in vier indigenen Territorien im Norden Brasiliens wurden in nur zwei Jahren über 4.200 Hektar Wald vernichtet – eine Fläche etwa halb so groß wie Manhattan.
Die Zerstörung betrifft vor allem die Territorien der Yanomami, Munduruku, Kayapó und Sararé. Während erste drei Regionen zuletzt Rückgänge verzeichneten, stieg der illegale Abbau in Sararé um 93 Prozent – laut Greenpeace schlicht eine Verlagerung des Problems.
Hochgiftige Chemikalien – tödliche Folgen für Mensch und Natur
Um Gold aus dem Gestein zu lösen, nutzen illegale Schürfer hochgiftiges Quecksilber. Dieses gelangt in Flüsse, vergiftet Fische – und über die Nahrungskette auch Menschen.
Eine Studie des Oswaldo-Cruz-Instituts zeigt:
In neun Yanomami-Dörfern waren 84 Prozent der Bevölkerung erhöhten Quecksilberwerten ausgesetzt – mit Folgen wie Sehstörungen, Hirnschäden und Entwicklungsstörungen bei Kindern.
Die Gefahr ist dabei nicht nur ökologisch, sondern auch sozial: Der illegale Goldabbau bringt Gewalt, Ausbeutung und Einschüchterung in indigene Gebiete.
Gewalt, Zwangsarbeit, Drogenhandel – der Preis des Goldes
Hinter vielen Goldminen stehen kriminelle Netzwerke, häufig mit Verbindungen zum Drogenhandel. Die Arbeitsbedingungen für die sogenannten Garimpeiros sind hart – und oft menschenrechtswidrig.
Laut UNODC könnten bis zu 40 Prozent der Arbeiter Opfer von Menschenhandel oder Zwangsarbeit sein. Manche schuften für wenig Lohn, andere schlicht unter Gewaltandrohung.
Undurchsichtige Handelswege – Gold auf europäischen Märkten

Einmal geschürft, wird das Gold oft über Mittelsmänner illegal aus Brasilien geschmuggelt, mit legalem Gold vermischt und mehrfach eingeschmolzen – sodass die Herkunft kaum noch nachvollziehbar ist.
Laut einer Studie des Instituts Escolhas stammen 94 Prozent des von der EU importierten brasilianischen Goldes aus Risikogebieten wie Pará und Amazonas. 2023 importierten allein Deutschland, Italien und Tschechien rund 1,5 Tonnen Gold aus diesen Regionen.
„Das Gold wird immer wieder neu verschmolzen – ein Herkunftsnachweis ist schwierig“, erklärt Greenpeace-Experte Harald Gross.
Lulas Kurswechsel – doch die Kontrolle ist brüchig
Im Gegensatz zu Ex-Präsident Bolsonaro, der den Amazonas wirtschaftlich ausbeuten wollte, setzt Präsident Lula auf mehr Umwelt- und Klimaschutz. Razzien gegen illegale Minen finden statt, Ausrüstungen werden zerstört.
Doch das Problem bleibt: Ohne kontinuierliche Überwachung kehren die Goldsucher schnell zurück. Greenpeace und andere Organisationen fordern daher langfristige Strategien, mehr Ressourcen und transparente Lieferketten.
Im Fokus der Welt: Brasilien als Gastgeber der COP30
Im November 2025 richtet Brasilien die UN-Weltklimakonferenz COP30 in der Amazonas-Stadt Belém aus. Die Weltöffentlichkeit blickt bereits jetzt kritisch auf die Umweltpolitik des Landes – und auf die Frage, wie Brasilien den Spagat zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen meistern will.
Fazit:
Der Goldpreis spiegelt derzeit nicht nur wirtschaftlichen Wert, sondern auch ökologische und menschliche Kosten. Wer Gold kauft, sollte wissen: Der Weg des glänzenden Metalls führt oft über vergiftete Flüsse, zerstörte Lebensräume und ausgebeutete Menschen. Lösungen liegen in mehr Transparenz, politischem Willen – und globaler Verantwortung.
Quelle: www.welt.de