Was wie ein ganz normaler Start wirkte, verwandelte sich binnen Sekunden in einen Albtraum – mit katastrophalen Folgen. Der jüngste Absturz des Fluges AI171 von Air India erschütterte nicht nur die Luftfahrtbranche, sondern rückte auch die Sicherheit der Boeing 787 Dreamliner ins Rampenlicht. Nun beginnen die Black Boxes, die wahre Geschichte hinter dem Absturz zu erzählen, den niemand für möglich hielt.
Ein Flug, der sich auf nur 190 Metern für immer veränderte
Flug AI171 startete um 13:38 Uhr in Ahmedabad mit Ziel London-Gatwick. An Bord: 241 Passagiere und mehrere Tonnen Fracht. Doch bereits nach dem Erreichen von nur 190 Metern Höhe verlor das Flugzeug an Leistung und stürzte in ein Gebäude des Zivilkrankenhauses – 279 Todesopfer waren die Folge.
Die Indische Behörde für Flugunfalluntersuchungen arbeitet gemeinsam mit Experten aus Großbritannien, den USA und von Boeing daran, die Daten der Black Boxes – also des Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers – auszuwerten, um den Ablauf Minute für Minute zu rekonstruieren.
Erste Erkenntnisse: Überladung und doppelter Triebwerksausfall
Die ersten Auswertungen liefern eine erschütternde Hypothese: Das Flugzeug war möglicherweise überladen, was die Steigfähigkeit deutlich verringerte. Gleichzeitig wird ein gleichzeitiger Ausfall beider Triebwerke untersucht – ein äußerst seltenes, aber in der Startphase verheerendes Szenario.
Hochauflösende Videoaufnahmen zeigen, wie das Flugzeug zunächst zu „schweben“ schien, bevor es abrupt abstürzte. Luftfahrtexperte Steve Schreiber erkennt darin das typische Muster eines vollständigen Leistungsverlusts. Die Aktivierung der Ram Air Turbine (RAT) – einer Notturbine, die nur bei totalem Systemausfall ausfährt – stützt diese Annahme zusätzlich.
Was die Black Boxes verraten – und warum sie entscheidend sind
Der Stimmenrekorder und der Flugdatenschreiber überstanden den Aufprall. Sie halten jede Triebwerkseinstellung, jeden Funkspruch der Piloten und jede Alarmmeldung aus den letzten Sekunden fest. Für Amit Singh, ehemaligen Piloten und Luftfahrtsicherheitsexperten, sind diese Daten entscheidend, um festzustellen, ob ein Notruf abgesetzt wurde – und wie die Crew in dieser kritischen Phase reagierte.
Luftfahrtminister Ram Mohan Naidu Kinjarapu hofft, dass die Dekodierung der Black Boxes klare Antworten liefert – sowohl über die Geschehnisse im Cockpit als auch über den technischen Zustand der Triebwerke.
Opfer, Nationalitäten und der Ort des Aufpralls
Die Dreamliner-Maschine stürzte in ein Wohngebiet nahe dem Flughafen und riss dabei auch Dutzende Zivilisten in den Tod – viele von ihnen befanden sich im Gebäude des BJ Medical College und im Zivilkrankenhaus. Zu den Opfern zählen 159 indische Bürger, 53 Briten, sieben Portugiesen und ein Kanadier.
Die Piloten Sumeet Sabharwal und Clive Kunder konnten noch ein Notsignal senden, doch die Zeit reichte nicht mehr aus, um die Katastrophe zu verhindern. Die Flugdaten von Flightradar24 dokumentieren den kurzen Flugverlauf: ein minimaler Anstieg, ein plötzlicher Sinkflug – und ein verheerender Aufprall.
Internationale Untersuchung und erste Maßnahmen
Die Ermittlungen folgen den UNO-Richtlinien gemäß Handbuch DOC 9756. Laut Aurobindo Handa, dem früheren Chef der Flugunfalluntersuchung, ist die Auswertung der stark verbrannten Black Boxes ein zentraler Bestandteil der Aufklärung.
Zusätzlich analysieren die Behörden Videoaufnahmen, Zeugenaussagen, Wartungsprotokolle und Ladedaten. Air India hat vorsorglich begonnen, alle 33 aktiven Dreamliner einer Sonderprüfung zu unterziehen, um mögliche systemische Risiken auszuschließen.

Boeing 787 im Fokus und nächste Schritte
Dieser Unfall beendet eine 16-jährige unfallfreie Serie des Boeing 787 Dreamliner. Dennoch steht Boeing seit Jahren wegen Qualitätsproblemen bei anderen Modellen unter Druck.
Die indische Regierung hat ein hochrangiges Untersuchungskomitee eingesetzt, das innerhalb von drei Monaten Empfehlungen vorlegen soll. Ziel ist es, die Sicherheitsprotokolle zu verschärfen und den kommerziellen Luftverkehr widerstandsfähiger gegen technische und betriebliche Risiken zu machen.
Die offene Frage, die alle bewegt
Familienangehörige, Fachleute und Behörden drängen auf eine Antwort: Wie konnte ein modernes Flugzeug unter scheinbar normalen Bedingungen direkt nach dem Start vollständig versagen?
Während die Black Boxes weitere Hinweise liefern, schaut die Welt gespannt auf die Ergebnisse – in der Hoffnung auf klare Antworten und vor allem auf Maßnahmen, die künftige Leben retten.
[Quelle: Infobae]