Die Ozeane bedecken den größten Teil unseres Planeten, doch ihr Zustand verschlechtert sich rapide. Der Klimawandel, intensive Fischerei und Millionen Tonnen Plastikmüll setzen ihnen massiv zu. Auf dem UN-Gipfel in Nizza sucht die Welt nach Auswegen. Doch das Ausmaß der Krise wirft eine unbequeme Frage auf: Kommen wir zu spät?
Hitze raubt dem Meer das Leben

Die Ozeane werden immer wärmer – und verlieren dabei ihren Sauerstoffgehalt. Höhere Temperaturen bedeuten weniger Leben. Korallenriffe, die für Tausende von Arten überlebenswichtig sind, erleiden ein massives Bleichen: 84 % weisen bereits sichtbare Schäden auf. Steigt die globale Temperatur um mehr als 1,5 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, könnten sie nahezu vollständig verschwinden.
Und es betrifft nicht nur die Korallen. Die Erwärmung reicht bis in Tiefen von 2.000 Metern und bedroht Plankton, Fische und Meeressäuger. Es entstehen bereits sogenannte „Todeszonen“, etwa in der Ostsee, wo kaum noch Leben existiert. Der Ozean, bislang ein entscheidender Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel, beginnt zu kollabieren.
Überfischung und Plastik – die anderen stillen Feinde

Die Überfischung schreitet unaufhaltsam voran: Im Mittelmeer gelten über 50 % der Fischbestände als übernutzt. Davon betroffen sind nicht nur Arten wie Sardinen oder Sardellen, sondern die gesamte Nahrungskette – bis hin zu Meeressäugern.
Hinzu kommt eine regelrechte Plastikflut. Jedes Jahr landen bis zu 10 Millionen Tonnen Kunststoff im Meer. Setzt sich dieser Trend fort, wird es bis 2050 mehr Plastik als Fische geben. Plastik, das sich über Jahrhunderte kaum abbaut, zerfällt in Mikroplastikpartikel, die bereits kleinste Organismen belasten.
Strömungen, Klima und fragile Abkommen
Die Meeresströmungen regulieren das globale Klima. Der Golfstrom, entscheidend für das europäische Wetter, zeigt bereits Anzeichen einer Verlangsamung. Ein Kollaps könnte Europa Winter mit 5 bis 15 Grad niedrigeren Temperaturen bescheren. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel weiter – durch abschmelzendes Eis und die Ausdehnung des erwärmten Wassers.
Trotzdem sind bislang nur 9 % der Ozeane geschützt – und in nur 3 % ist die Fischerei eingeschränkt. Das kürzlich unterzeichnete internationale Abkommen zum Schutz der Hohen See, unterstützt von 134 Staaten, zielt auf einen besseren Schutz internationaler Gewässer ab. Doch es fehlt noch an der Ratifizierung durch mindestens 60 Länder. Deutschland und die USA gehören zu den Staaten, die bislang nicht unterzeichnet haben. Die Uhr tickt weiter.