Die britischen Gesundheitsbehörden schlagen Alarm: Nachdem in diesem Jahr bereits über 100 Fälle akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung gemeldet wurden – viele davon im Zusammenhang mit beliebten Abnehmmedikamenten wie Ozempic –, startet die Arzneimittelaufsicht MHRA nun eine offizielle Untersuchung.
Wie der Guardian berichtet, untersucht die MHRA aktuell den Zusammenhang zwischen sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten und akuter Pankreatitis. Allein 2025 wurden im Vereinigten Königreich Hunderte solcher Fälle dokumentiert – teils im Zusammenhang mit den Wirkstoffen Semaglutid, Liraglutid oder dem neu zugelassenen Tirzepatid. Auffällig: Rund die Hälfte der aktuellen Meldungen betrifft Tirzepatid, das erst kürzlich auf den Markt kam.
Erfolgreich beim Abnehmen – aber nicht ohne Risiko
GLP-1-Medikamente wie Ozempic oder Wegovy haben sich als äußerst wirksam im Kampf gegen Fettleibigkeit erwiesen. Sie unterdrücken den Appetit und senken den Blutzuckerspiegel – ideal für Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes. Doch wie bei allen Medikamenten gilt: Kein Nutzen ohne Nebenwirkungen.
Zu den häufigsten Beschwerden zählen Übelkeit, Verstopfung und Erbrechen. Doch auch schwerwiegendere Nebenwirkungen wie eine akute Pankreatitis – also eine plötzliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse – werden inzwischen vermehrt gemeldet. Diese kann starke Bauchschmerzen verursachen, verläuft in den meisten Fällen zwar mild, kann aber im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden.
400 Fälle im UK – Tendenz steigend
In Großbritannien können Nebenwirkungen über das sogenannte Yellow Card Scheme freiwillig von Betroffenen und Ärzten gemeldet werden. Laut MHRA wurden bis jetzt fast 400 Fälle von Pankreatitis nach der Einnahme von GLP-1-Präparaten dokumentiert – mehr als ein Viertel davon allein in diesem Jahr.
„Mit der steigenden Nutzung dieser Medikamente beobachten wir auch eine Zunahme an Yellow-Card-Meldungen im Zusammenhang mit GLP-1 und akuter Pankreatitis“, so ein MHRA-Sprecher.
Genetische Risikofaktoren im Fokus
Um der Ursache näherzukommen, ruft die MHRA nun Betroffene auf, ihre Fälle nicht nur zu melden, sondern auch an der sogenannten Yellow Card Biobank teilzunehmen – einer genetischen Studie, die klären soll, ob bestimmte Personen aufgrund ihrer DNA besonders anfällig für Nebenwirkungen sind.
„Gene können beeinflussen, wie ein Mensch auf Medikamente reagiert“, erklärt die MHRA. Gerade in Zeiten stark steigender Verschreibungszahlen wolle man dieses Risiko besser verstehen und potenzielle Risikogruppen identifizieren.
Nicht alle Studien sehen einen Zusammenhang
Die wissenschaftliche Lage ist bisher uneindeutig: Einige Studien konnten keinen direkten Zusammenhang zwischen GLP-1-Präparaten und Pankreatitis feststellen. Möglich ist auch, dass der Auslöser gar nicht das Medikament selbst ist, sondern die Gewichtsabnahme an sich. Denn schneller Gewichtsverlust kann die Bildung von Gallensteinen fördern – ein bekannter Risikofaktor für Pankreatitis.
Wichtig: Bisher gibt es laut Studien keine Hinweise darauf, dass GLP-1-Medikamente das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen – eine mögliche Folge chronischer Entzündungen. Dennoch besteht großer Forschungsbedarf, was die genaue Art des Schadens betrifft.