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Wissenschaft

Erhöht Ozempic das Suizidrisiko? Wahrscheinlich nicht

Eine neue Studie bestätigt erneut: Es gibt keine Hinweise darauf, dass GLP-1-Medikamente wie Ozempic das Suizidrisiko erhöhen.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ozempic und ähnliche Medikamente haben viele Auswirkungen – aber ein erhöhtes Suizidrisiko gehört offenbar nicht dazu. Eine neue Studie, die diese Woche veröffentlicht wurde, fand erneut keine Verbindung zwischen GLP-1-Medikamenten und suizidalen Gedanken.

Die Untersuchung wurde von Wissenschaftlern der McGill University in Kanada durchgeführt und am Mittwoch im renommierten British Medical Journal veröffentlicht. Sie analysierten die Gesundheitsdaten von Einwohnern des Vereinigten Königreichs und fanden keine Hinweise darauf, dass GLP-1-Medikamente mit einem erhöhten Suizidrisiko in Verbindung stehen. Die Ergebnisse stimmen mit früheren Berichten aus den USA und der Europäischen Union überein, die zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kamen.

Warum wurde die Verbindung zwischen GLP-1 und Suizidrisiko untersucht?

Die Debatte um einen möglichen Zusammenhang begann vor fast zwei Jahren. Im Sommer 2023 berichteten Gesundheitsbehörden in Großbritannien, Island und der EU über Einzelfälle, in denen Patienten nach der Einnahme von GLP-1-Medikamenten suizidale Gedanken hatten. Daraufhin wurde eine umfassende Untersuchung der Medikamentenklasse eingeleitet. Diese Arzneimittel, darunter Ozempic und Wegovy, werden primär zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt. Im Januar 2024 nahm die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die potenzielle Suizidgefahr in ihre Liste neuer Sicherheitsbedenken auf.

Doch schon bald tauchten gegenteilige Beweise auf. Im Januar 2024 erklärte die FDA, dass ihre eigenen Untersuchungen keine Hinweise auf ein erhöhtes Suizidrisiko ergaben. Eine weitere Studie aus dem Februar 2024 zeigte sogar, dass Menschen, die mit GLP-1-Therapien begannen, später seltener Depressionen oder Angststörungen entwickelten – beides wesentliche Risikofaktoren für Suizidalität. Im April 2024 kam auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) nach einer neunmonatigen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass es keine Verbindung zwischen GLP-1-Medikamenten und Suizidalität gibt.

Die neuesten Forschungsergebnisse im Detail

Die McGill-Forscher analysierten medizinische Daten von Hunderttausenden Patienten in Großbritannien. Sie verglichen Menschen, die GLP-1-Medikamente zur Behandlung von Diabetes einnahmen, mit Patienten, die zwei andere wichtige Diabetes-Medikamentenklassen erhielten. Besonders untersucht wurden Berichte zu suizidalem Verhalten – eine breite Kategorie, die suizidale Gedanken, Selbstverletzungen und vollzogene Suizide umfasst.

Das Ergebnis: Es gab keinerlei Hinweise darauf, dass die Einnahme von GLP-1-Therapien das Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu anderen Medikamenten erhöhte. Auch bei Patienten mit einer Vorgeschichte psychischer Erkrankungen oder Selbstverletzungen zeigte sich keine erhöhte Gefahr.

Fazit: GLP-1 und psychische Gesundheit

In der Wissenschaft ist es oft schwer, etwas mit absoluter Sicherheit auszuschließen. Fest steht jedoch: GLP-1-Medikamente sind nicht frei von Nebenwirkungen – einige können selten auch ernsthaft sein. Doch die gesammelten Daten deuten immer mehr darauf hin, dass Semaglutid, der Wirkstoff in Ozempic und Wegovy, das Suizidrisiko nicht erhöht – im Gegenteil, einige Studien legen nahe, dass er sogar das Risiko für suizidale Gedanken senken könnte.

Die McGill-Forscher fassen es in ihrer Studie treffend zusammen: „Diese Ergebnisse sollten eine gewisse Sicherheit in Bezug auf die psychiatrische Sicherheit dieser Medikamente bieten.“

 

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