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Wissenschaft

GLP-1-Medikamente wie Ozempic könnten auch Kokain-Sucht bremsen

Neue Fallstudie deutet auf reduziertes Verlangen hin
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ein neues Fallbeispiel untermauert die wachsende Vermutung, dass GLP-1-Medikamente nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch ungesunde Suchtmuster wie Alkohol- und Kokainkonsum dämpfen können.

Semaglutid, der Wirkstoff in den bekannten Medikamenten Ozempic und Wegovy, könnte Menschen dabei helfen, sich von Kokain zu entwöhnen. Ein aktueller Bericht beschreibt den Fall eines Mannes, dessen Kokainverlangen deutlich nachließ, nachdem er mit der Einnahme von Semaglutid begonnen hatte.

Der Fall wurde von Dr. Vincenzo Maria Romeo in der Fachzeitschrift Journal of Medical Case Reports veröffentlicht. Der Patient, ein 54-jähriger Italiener, litt sowohl an Kokainabhängigkeit als auch an Adipositas. Nach der Behandlung mit Semaglutid konnte er beide Probleme erfolgreich in den Griff bekommen. Diese Erkenntnisse stärken die Hypothese, dass diese Medikamentenklasse auch zur Reduzierung von Abhängigkeiten wie Alkohol- und Kokainmissbrauch genutzt werden könnte.

Weniger Cravings durch GLP-1?

Moderne GLP-1-Medikamente sind für ihre hohe Wirksamkeit bei der Gewichtsreduktion und der Behandlung von Typ-2-Diabetes bekannt. Seit ihrer Einführung haben Ärzte jedoch bemerkt, dass einige Patienten auch einen verringerten Drang verspüren, Freizeitdrogen zu konsumieren oder schädliche zwanghafte Verhaltensweisen wie Glücksspiel oder exzessiven Alkoholkonsum auszuleben.

Bisher lag der Fokus der Forschung vor allem auf Alkohol und Opioiden. Doch als Dr. Romeo seinen Patienten mit einer Vorgeschichte von Kokainmissbrauch und Adipositas behandelte, erkannte er eine vielversprechende Möglichkeit, beide Probleme gleichzeitig mit Semaglutid anzugehen. Mit Zustimmung des Patienten startete er eine 12-wöchige Therapie mit dem GLP-1-Medikament.

Nach Ablauf der 12 Wochen hatte der Patient etwa 12 % seines Körpergewichts verloren – ein übliches Ergebnis, da Studien eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 10 bis 15 % zeigen. Doch noch bemerkenswerter war, dass seine Kokain-Cravings um 59 % zurückgingen, gemessen anhand eines etablierten Bewertungsverfahrens. Insgesamt berichtete der Mann von einer verbesserten körperlichen Gesundheit, mehr Energie und weniger Gelenkschmerzen. Nebenwirkungen traten nur mild auf, insbesondere gastrointestinale Beschwerden zu Beginn der Behandlung – eine häufige Begleiterscheinung von GLP-1-Medikamenten.

Forschung steckt noch in den Anfängen

Auch wenn dieser Fallbericht spannende Erkenntnisse liefert, handelt es sich lediglich um eine Einzelfallstudie. Die Forschung zur Wirkung von GLP-1-Therapien auf Suchterkrankungen steckt noch in den Kinderschuhen. Wissenschaftler sind sich noch nicht sicher, warum diese Medikamente das Verlangen nach Suchtmitteln reduzieren, doch man vermutet, dass GLP-1-Rezeptoren im Gehirn die Reaktion auf potenziell suchtfördernde Reize regulieren.

Dennoch mehren sich die Hinweise auf einen echten Effekt. Erst letzte Woche wurde die erste kontrollierte klinische Studie zu Semaglutid bei Alkoholabhängigkeit veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit moderatem Alkoholkonsum, die niedrig dosiertes Semaglutid einnahmen, deutlich weniger Verlangen nach Alkohol verspürten und ihren Konsum reduzierten, verglichen mit einer Placebo-Gruppe.

Es wird noch einige Zeit und weitere Studien brauchen, um den Nutzen von GLP-1-Medikamenten zur Behandlung von Drogenabhängigkeit abschließend zu bewerten – insbesondere bezüglich Kokainmissbrauch. Doch für Patienten wie den von Dr. Romeo, die sowohl mit Adipositas als auch mit einer Suchterkrankung kämpfen, könnten diese Medikamente eine effektive Doppellösung darstellen.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Semaglutid eine vielversprechende therapeutische Option zur Behandlung von Suchterkrankungen bei Patienten mit gleichzeitiger Adipositas sein könnte“, schreibt Romeo in seiner Veröffentlichung. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Erkenntnisse künftige Studien liefern werden.

 

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