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Autofrei und trotzdem erfolgreich? Was neue Daten über den Handel in Innenstädten verraten

Viele Händler fürchten, dass autofreie Zonen Kunden vertreiben. Doch eine aktuelle Studie zeigt: Weniger Verkehr bedeutet nicht weniger Umsatz – im Gegenteil. Warum Radfahrer und Fußgänger oft mehr einbringen als Autofahrer und wie Städte davon profitieren können, lesen Sie hier.
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Lesezeit 2 Minuten

Autofreie Innenstädte sind ein Reizthema. Während Städte auf bessere Luft und mehr Lebensqualität setzen, fürchtet der Einzelhandel massive Verluste. Doch eine neue Untersuchung des Deutschen Instituts für Urbanistik bringt überraschende Klarheit: Verkehrsberuhigte Zonen sind nicht zwangsläufig eine Bedrohung – sondern können sogar Chancen bieten.

Kein Auto, kein Geschäft? Die Zahlen sagen etwas anderes

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Die Studie des Difu analysierte Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in deutschen Groß- und Mittelstädten mit besonderem Fokus auf deren wirtschaftliche Auswirkungen. Die zentrale Erkenntnis:

Es gibt keine Belege dafür, dass weniger Autoverkehr den Einzelhandel schwächt.

Im Gegenteil: Ein attraktiver öffentlicher Raum lädt zum Verweilen ein – und steigert damit die Aufenthaltsdauer und die Besuchsfrequenz. Das wiederum kommt dem stationären Handel zugute.

Zwar gaben Fußgänger und Radfahrer im Schnitt weniger pro Einkauf aus als Autofahrer – sie kamen jedoch häufiger. Und diese Regelmäßigkeit schlägt sich positiv in den Gesamtumsätzen nieder.

Wenn weniger Parkplätze neue Möglichkeiten schaffen

Ein zentrales Argument der Gegner autofreier Zonen ist der Verlust von Parkplätzen – und damit angeblich der Zugang für Kunden. Die Studie räumt auch mit diesem Mythos auf:

Weniger Parkplätze bedeuten nicht weniger Kundschaft – sondern bessere Steuerung.

Stichwort: Parkraumbewirtschaftung. Wer Flächen von Dauerparkern zurückgewinnt, schafft Platz für rotierende Kundschaft. Gleichzeitig kann der frei gewordene Raum neue Aufenthaltsqualität bieten: Cafés, Grünflächen oder breitere Gehwege machen das Stadtbild lebendiger – und das Einkaufserlebnis angenehmer.

Wandel mit Plan: Kommunikation und Beteiligung entscheidend

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Die Studienautor:innen betonen: Der Erfolg von Verkehrsberuhigungen hängt nicht nur von der Planung ab – sondern vor allem von der Einbindung der Bürger und Geschäftsleute.

Dazu gehören:

  • Frühzeitige Kommunikation der Ziele und Maßnahmen

  • Transparente Entscheidungsprozesse

  • Erfolgsbeispiele aus anderen Städten, die zum Mitmachen motivieren

Der Einzelhandel sollte sich aktiv beteiligen und nicht nur reagieren. Denn dort, wo er mitgestaltet, entstehen Konzepte, die für alle funktionieren.

Verkehrsberuhigung ist kein Risiko – sondern eine Chance

Die aktuelle Debatte über autofreie Innenstädte braucht neue Fakten statt alter Ängste. Die Studie des Difu zeigt deutlich: Weniger Autoverkehr kann sehr wohl mit lebendigen Geschäftsstraßen einhergehen – wenn klug geplant und umgesetzt.

Was auf den ersten Blick wie ein Risiko wirkt, könnte sich langfristig als das beste Mittel gegen leere Läden und träge Innenstädte erweisen.

Quelle: www.focus.de

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