Der Handelskonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mit einem bereits eingeführten 20-Prozent-Zoll auf europäische Importe plant Brüssel eine Antwort – und zielt dabei auf ein besonders empfindliches Ziel für Washington: die großen Technologiekonzerne. Die Warnung ist unmissverständlich, und die Botschaft an Trump lässt keinen Raum für Zweifel.
Europa bleibt nicht untätig
Der jüngste Handelsstreit begann mit der einseitigen Einführung eines 20-prozentigen Importzolls durch die Trump-Regierung – ohne vorherige Verhandlungen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte entschieden:
„Wenn man uns unter Druck setzen will, haben wir die Mittel, zurückzuschlagen“, erklärte sie – und machte deutlich, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen.
Der europäische Unmut richtet sich vor allem gegen die Methode, mit der Trump die Zölle berechnet hat: Er stützt sich ausschließlich auf das Handelsdefizit im Warenverkehr und lässt dabei Dienstleistungen und Investitionen außer Acht. Diese Berechnungsweise betrifft nicht nur Europa – auch Länder wie Vietnam und Sri Lanka wurden mit Zöllen von bis zu 40 % belegt.
In Brüssel betont man hingegen, dass der transatlantische Handel ausgeglichen sei, wenn man auch Dienstleistungssektor und Kapitalflüsse berücksichtigt. Doch Trump scheint das nicht zu interessieren. Er wirft der EU seit Langem vor, ein feindliches Umfeld für US-Unternehmen zu schaffen – vor allem für den Technologiesektor. Nun könnten diese Firmen in den Handelskrieg hineingezogen werden.
Big Techs im Fadenkreuz

Apple, Amazon, Meta, Microsoft und Google sind globale Marken – doch sie sind stark vom europäischen Markt abhängig. Genau diese Abhängigkeit macht den Tech-Sektor zum idealen Ziel für eine EU-Vergeltung.
Brüssel prüft Maßnahmen, die über einfache Geldstrafen hinausgehen könnten:
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Verzögerung von Betriebslizenzen
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Einschränkung bei öffentlichen Aufträgen
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Neue Anforderungen an die Datenspeicherung in der EU
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Beschleunigte Anwendung des Digital Markets Act (DMA) zur Auflösung marktbeherrschender Stellungen
Solche Schritte wären nicht nur ökonomische Rückschläge, sondern würden das Geschäftsmodell der amerikanischen Digitalwirtschaft grundlegend in Frage stellen.
Trump spricht von „Erpressung“
Trump wiederum beschuldigt Europa, seit Jahren eine „systematische Kampagne“ gegen US-Tech-Firmen zu führen – mit Digitalsteuern und Regulierungen. Bereits im Februar warf er der EU „Erpressung“ vor und verteidigte seine Zölle als Schutzmaßnahme.
Diese Aussagen passen zur aggressiven wirtschaftspolitischen Linie Trumps – doch die europäische Gegendrohung könnte ihn dazu zwingen, seine Strategie zu überdenken. Die Grenze zwischen Druck und Diplomatie scheint mit jeder Äußerung weiter zu verwischen.
Eine Eskalation scheint nur noch eine Frage der Zeit
Die EU könnte den sogenannten Anti-Coercion Instrument (ACI) aktivieren, ein Mechanismus, der gezielte Sanktionen gegen die USA ermöglichen würde. Dafür braucht es jedoch die Zustimmung von mindestens 15 der 27 Mitgliedsstaaten – ein Prozess, der sich über Wochen hinziehen könnte.
Dennoch: Allein die Aussicht auf technologische Vergeltungsmaßnahmen sorgt bereits jetzt für Unruhe im globalen digitalen Sektor.
Was als tarifpolitischer Streit begann, hat sich zu einem systemischen Konflikt zwischen zwei wirtschaftlichen Supermächten entwickelt – mit möglichen Folgen weit über den reinen Warenhandel hinaus. Sollte es tatsächlich zur Umsetzung der Drohungen kommen, wären nicht nur die Bilanzen der Konzerne betroffen, sondern auch digitale Dienste, die Millionen Europäer*innen täglich nutzen.
Fazit: Der Handelskrieg dreht sich längst nicht mehr nur um Produkte, sondern auch um technologische Macht. Und die EU scheint entschlossen, ihre Stärke zu zeigen – wenn sie provoziert wird.
Quelle: Dolar Hoy]