Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Warum immer mehr Menschen das Auto stehen lassen – und was sie stattdessen tun

Eine aktuelle Studie zeigt: In deutschen Städten ändert sich das Mobilitätsverhalten spürbar. Immer mehr Menschen steigen auf das Fahrrad, den ÖPNV – oder ihre eigenen Füße um. Was die Gründe für diesen überraschenden Wandel sind und wie Homeoffice, neue Tickets und ein alter Klassiker dabei zusammenspielen, liest du hier.
Von

Lesezeit 2 Minuten

Das Auto – einst das Symbol individueller Freiheit – verliert seinen festen Platz im Alltag vieler Menschen. Vor allem in Städten zeigt sich ein klarer Trend: Statt sich ins Auto zu setzen, gehen viele lieber zu Fuß oder greifen auf alternative Mobilitätsformen zurück. Eine groß angelegte Studie der TU Dresden liefert spannende Einblicke in dieses neue Mobilitätsverhalten – und deutet auf ein tiefgreifendes Umdenken hin.

Mobilitätswende auf leisen Sohlen

2
© iStock

Über 280.000 Menschen aus rund 500 Städten und Gemeinden wurden für die Studie „Mobilität in Städten – System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV)“ befragt. Das Ergebnis: Die Autonutzung nimmt weiter ab – besonders in größeren Städten. Dafür legen immer mehr Menschen Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück.

Professorin Regine Gerike, die die Studie leitet, beobachtet eine wachsende Offenheit gegenüber verschiedenen Verkehrsmitteln. Viele Menschen entscheiden heute situativ, wie sie sich fortbewegen – je nach Tagesform, Wetter oder Zweck des Weges. Das Auto verliert so seine Rolle als universelle Lösung.

Fahrrad, Bus, Bahn – und zu Fuß

Ein besonders starkes Wachstum verzeichnen der Radverkehr und der öffentliche Nahverkehr. Vor allem Elektrofahrräder erleben einen regelrechten Boom. Gleichzeitig steigen die Fahrgastzahlen im ÖPNV nach dem pandemiebedingten Einbruch wieder deutlich an.

Angebote wie das 9-Euro-Ticket und sein Nachfolger, das Deutschlandticket, haben laut den Forschern entscheidend zur Attraktivität beigetragen. Auch nach der Preiserhöhung auf 58 Euro nutzen rund 13 Millionen Menschen das Ticket weiterhin – ein Zeichen, dass Mobilität auch bezahlbar und nachhaltig zugleich sein kann.

Doch nicht nur technische Neuerungen prägen das Bild: Auch der einfachste aller Wege feiert ein Comeback – das Zufußgehen.

Die Rückkehr des Spazierens

Die Forscher sprechen sogar von einem kleinen Revival des Zu-Fuß-Gehens. Vor allem durch die Verbreitung von Homeoffice verschieben sich Mobilitätsmuster: Wer nicht mehr täglich pendelt, legt viele Wege – ob zum Supermarkt, Café oder Park – lieber zu Fuß zurück.

Gleichzeitig wird der Alltag in Städten dichter, kompakter, näher. Immer mehr Menschen entdecken den Charme der kurzen Wege und das Gefühl von Unabhängigkeit ohne Auto. Auch Sharing-Angebote wie Carsharing werden stärker integriert, dienen aber eher als Ergänzung denn als Hauptverkehrsmittel.

Mobilität im Wandel – und was daraus folgt

Die Ergebnisse der Studie deuten nicht nur auf eine kurzfristige Entwicklung hin, sondern auf einen strukturellen Wandel im Mobilitätsverhalten. Die Vielfalt an Fortbewegungsmöglichkeiten wächst – und wird genutzt. Dabei steht weniger die Technik im Vordergrund als die neue Denkweise: Mobilität als flexible, bedarfsorientierte Entscheidung.

Ob mit Bus, Bahn, Fahrrad, geteilter Fahrgelegenheit oder einfach zu Fuß: Die Wege verändern sich – und mit ihnen unsere Städte. Wer heute mobil sein will, braucht nicht unbedingt ein eigenes Auto, sondern Offenheit für neue Kombinationen.

Und vielleicht auch wieder ein bisschen Lust am Gehen.

Quelle: www.focus.de

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel