Amazon will die letzte Bastion menschlicher Arbeit im Lieferprozess knacken: den Paketboten. Der Konzern testet laut einem Bericht von The Information derzeit humanoide Roboter, die in Zukunft deine Bestellungen bis zur Haustür bringen sollen – direkt aus den Lieferwagen, ohne Umwege und, ja, ohne menschliche Bedürfnisse wie Toilettenpausen.
Mensch raus, Maschine rein?
Amazon setzt schon seit Jahren massiv auf Automatisierung in seinen Logistikzentren: flache Transportroboter, hochaufragende Greifarme und allerlei futuristisch anmutende Maschinen mit Namen wie aus einem schlechten Sci-Fi-Film (Stichwort: Xanthus). Nur die sogenannte „letzte Meile“, also der Weg vom Lieferfahrzeug zur Haustür, blieb bislang den Menschen vorbehalten. Das könnte sich jetzt ändern.
Die neuen Roboter sollen in einem Testgelände in San Francisco – etwa so groß wie ein kleines Café – trainiert werden. Ziel: Sie sollen aus Amazon-Lieferwagen (gebaut von Rivian) herausspringen, Pakete schultern und diese bis zu deiner Tür bringen. Und zwar möglichst geschmeidig. Ob sich dein Hund davon beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten.
Alexa, bring mir mein Paket (aber in humanoid)
Da wir inzwischen im Jahr 2025 leben, kombiniert Amazon die Roboter-Offensive natürlich mit KI. Parallel arbeitet der Konzern intern an Software, die die Maschinen intelligent steuern und durch den Großstadtdschungel navigieren soll. Klingt ehrgeizig – zumal Alexa+, Amazons eigener Sprachassistent auf Basis großer Sprachmodelle (LLMs), selbst noch nicht überall angekommen ist. Aber gut: Wenn es darum geht, menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen, kennt Amazon bekanntlich keine Geduld.
Die wahre Agenda: weniger Menschen, weniger Probleme
Dass Amazon nicht gerade für seine liebevolle Beziehung zur Belegschaft bekannt ist, dürfte niemanden überraschen. Immer wieder gab es Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen, hohe Überwachung – und Mitarbeitende, die zur Wasserflasche greifen mussten, weil keine Zeit für eine Toilettenpause blieb. Die Roboterlösung wirkt da wie ein logischer nächster Schritt in Amazons Strategie: weniger Personal, weniger Reibung, weniger Widerstand.
Ein Roboter wird keine Gewerkschaft gründen. Er wird sich nicht beschweren, keine Pause fordern und kein Streikplakat hochhalten. Und genau das ist das Problem. Denn so faszinierend humanoide Roboter auch sein mögen – in diesem Kontext scheinen sie vor allem einem zu dienen: Amazon selbst.
Zwischen Vision und Wirklichkeit
Klingt futuristisch? Ist es auch. Doch der Weg zur autonomen Lieferung durch humanoide Roboter ist alles andere als einfach. Aktuelle Modelle wie Digit von Agility Robotics – ein Unternehmen, das bereits mit Amazon zusammenarbeitet – werden zwar in Lagerhallen getestet, aber der Sprung in die echte Welt ist gewaltig. Denn auf glatten Fabrikböden lässt sich leichter balancieren als auf einem vereisten New Yorker Gehweg.
Und dann ist da noch die Frage der Tragkraft: Schaffen es die Roboter auch, schwere Pakete zu transportieren? Oder stolpern sie beim Versuch, eine Lieferung mit drei Kilo Katzenstreu und einer Espressomaschine zu balancieren?
Roboter als unbezahlte Dauerpraktikanten?
Ob und wann humanoide Lieferroboter wirklich zum Alltag gehören, bleibt offen. Amazon wird es mit Sicherheit versuchen – notfalls mit viel PR und Pilotprojekten. Für die Roboter selbst könnte das allerdings ein harter Job werden. In einem Unternehmen, das schon mit Menschen nicht gerade zimperlich umgeht, ist fraglich, wie es sich als Maschine so lebt.
Viel Glück, Digit – oder wie auch immer der nächste Blechkollege heißen wird, der sich für Amazon auf den Bürgersteig wagt. Du wirst es brauchen.