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Tech

Amazon stoppt KI-Rechenzentrumspläne in Europa – Rückzug wie bei Microsoft

Das sorgt für Stirnrunzeln in der Tech-Welt, denn es könnte ein erstes Anzeichen dafür sein, dass die große Euphorie rund um künstliche Intelligenz ins Stocken gerät.
Von Thomas Maxwell Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Amazon zieht sich zurück – vorerst

Der KI-Hype bekommt einen Dämpfer: Nach Microsoft hat nun auch Amazon laut Berichten von Wells Fargo und TD Cowen einige seiner internationalen Rechenzentrumsprojekte auf Eis gelegt – insbesondere in Europa.

Wie die US-Banken berichten, hat Amazon derzeit mehrere Verhandlungen zu sogenannten Co-Location-Rechenzentren pausiert. Dabei handelt es sich um gemeinsame Infrastrukturprojekte mit Partnerfirmen, um sich die enormen Bau- und Betriebskosten zu teilen. Zwar ist unklar, in welchem Umfang diese Pausen stattfinden, doch laut Wells Fargo erinnert das Vorgehen stark an Microsofts Strategie: Verträge, die bereits unterschrieben sind, werden eingehalten – neue werden jedoch kritischer geprüft.

Amazon selbst betreibt bereits Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von rund 9 Gigawatt – ein gigantisches Netzwerk, das auch weiterhin wächst. Doch während Konkurrenten wie Meta oder Elon Musks xAI weiter voll auf Ausbaukurs setzen, scheint Amazon einen Gang zurückzuschalten.

Stromhunger und politische Unsicherheit bremsen Projekte

Großflächige Rechenzentren benötigen Unmengen an Strom – und der ist nicht überall so einfach zu beschaffen, wie es für das Wachstum der KI-Infrastruktur nötig wäre. Lokale Stromnetze kommen zunehmend an ihre Grenzen. Dazu kommen geopolitische Unsicherheiten, etwa durch den fortlaufenden Handelskrieg unter Präsident Donald Trump, der nicht nur Aktienkurse belastet, sondern auch Importkosten in die Höhe treibt.

Amazon ist davon besonders betroffen: Über 70 % der auf der Plattform angebotenen Waren stammen Schätzungen zufolge aus China – und könnten durch neue Zölle empfindlich teurer werden. Die Aktie des Tech-Riesen liegt dieses Jahr bereits 24 % im Minus.

AI-Fieber mit Nebenwirkungen

Hinter den gebremsten Investitionen steckt auch eine ernüchternde Realität: Viele Unternehmen wissen noch gar nicht so recht, wie sie KI sinnvoll in ihre Geschäftsprozesse einbinden können. Zwar ist das öffentliche Interesse groß, doch konkrete wirtschaftliche Vorteile lassen oft auf sich warten. Chatbots, die häufig noch falsche Antworten liefern, oder Überwachungssoftware im Palantir-Stil – das ist vielen zu wenig für milliardenschwere Infrastrukturinvestitionen.

Microsoft hat kürzlich ein milliardenschweres Rechenzentrumsprojekt in Ohio zurückgezogen, trotz lukrativer Steuererleichterungen der lokalen Behörden. Der Rückzieher kam für viele überraschend – vor allem, weil man vor Ort auf Impulse für Beschäftigung, Infrastruktur und Energiewende gehofft hatte. CEO Satya Nadella dämpfte die Erwartungen zuletzt öffentlich und betonte, dass der wirtschaftliche Nutzen von KI für die US-Wirtschaft bisher noch begrenzt sei.

Auswirkungen auf Nvidia und die Branche

Ein potenzieller Verlierer dieser Entwicklung ist Nvidia: Der Chip-Gigant verdient derzeit prächtig mit der KI-Welle, insbesondere durch seine Hochleistungs-GPUs. Doch wenn große Player wie Amazon oder Microsoft Investitionen drosseln, könnte das auch den Absatz bei Nvidia bremsen – besonders, da das Unternehmen ohnehin unter Beobachtung steht. Kritiker werfen Nvidia vor, bei der Umgehung von Exportkontrollen in Richtung China nicht genau genug hinzusehen.

Zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Trotz aller Skepsis hat der KI-Ausbau lokal auch Chancen eröffnet: Der Bau von Rechenzentren bringt kurzfristig viele Jobs in der Bauindustrie mit sich. Zudem hätten die hohen Anforderungen an Energie- und Wasserversorgung langfristige Investitionen in nachhaltige Infrastruktur anstoßen können. Doch mit der Zurückhaltung der großen Tech-Konzerne rückt auch diese Hoffnung in weite Ferne.

Ein möglicher Lichtblick für Steuerzahler: Projekte, die nicht umgesetzt werden, müssen auch nicht durch öffentliche Mittel subventioniert werden. Das könnte kommunalen Haushalten Entlastung bringen – allerdings um den Preis verpasster Modernisierung.

Am 1. Mai veröffentlicht Amazon seine nächsten Quartalszahlen. Dann dürfte sich zeigen, ob die Nachfrage nach KI-Diensten wirklich abkühlt – oder ob es sich bei dem aktuellen Rückzug nur um eine kurze Verschnaufpause handelt.

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