Ab dem 1. Juli 2026 wird China neue Sicherheitsstandards für Batterien in Elektrofahrzeugen einführen, die zu den strengsten der Welt zählen. Die „Sicherheitsanforderungen für Antriebsbatterien von Elektrofahrzeugen“ verbieten de facto jede Art von Brand oder Explosion – selbst im Falle einer sogenannten thermischen Kettenreaktion, bei der sich ein unkontrollierter Temperaturanstieg von einer Zelle zur nächsten ausbreitet.
Ein ambitionierter Sicherheitsplan mit Konsequenzen für die ganze Branche
Schon jetzt sind Brände bei Elektrofahrzeugen extrem selten. Dennoch halten einige Kritiker das neue Regelwerk für zu ehrgeizig – vor allem für kleinere Hersteller, die sich teure Sicherheitsentwicklungen kaum leisten können. Bisher war nur vorgeschrieben, dass Fahrzeuge mindestens fünf Minuten vor einer möglichen Explosion oder einem Brand warnen müssen. Künftig soll es überhaupt nicht mehr dazu kommen.
Ein führender Batteriehersteller, CATL, zeigt sich dennoch optimistisch. Das Unternehmen erklärte, es habe bereits 2020 eine „No Thermal Propagation“-Technologie (NP) eingeführt, die genau diesen neuen Anforderungen entspricht. CATL beliefert unter anderem Teslas Gigafactory in Shanghai – ein Werk, das auf externe Batteriezulieferung angewiesen ist, nachdem Teslas eigene 4680-Zelle zuletzt unter den Erwartungen blieb.
Das erwartet die Hersteller: Neue Tests, neue Herausforderungen
Die neue Regelung bringt eine ganze Reihe von verpflichtenden Sicherheitstests mit sich. Dazu gehören:
-
Aufpralltests am Unterboden, um zu prüfen, wie gut die Batterie bei einem Zusammenstoß von unten geschützt ist
-
Schnellladezyklen-Tests, bei denen Batterien 300 Ladezyklen durchlaufen und anschließend in einem Kurzschlusstest bestehen müssen – ohne Brand oder Explosion
Gerade die Schnellladefähigkeit könnte zum Knackpunkt werden, da chinesische Marken wie BYD oder Xiaomi ihre Fahrzeuge massiv über ultraschnelles Laden vermarkten. Doch China will offenbar nicht nur bei Geschwindigkeit, sondern auch bei Sicherheit weltweit die Führung übernehmen.
Nicht der erste Schritt Richtung Regulierung
Die neuen Vorschriften folgen auf eine Reihe weiterer Sicherheitsinitiativen in der chinesischen Automobilbranche. Erst kürzlich wurde nach einem tödlichen Unfall mit einem Xiaomi SU7 ein Verbot für Begriffe wie „autonomes Fahren“ oder „intelligentes Fahren“ in der Fahrzeugwerbung erlassen. Auch hier greift der Staat regulierend ein – schnell und entschieden.
Einige Expert:innen hatten erwartet, dass China die thermischen Anforderungen schrittweise verschärft – etwa mit früheren Warnzeiten von 10 oder 15 Minuten. Doch Peking geht den radikalen Weg: lieber null Toleranz statt langsame Anpassung.
Thermisches Durchgehen bleibt die große Herausforderung
Zwar sind E-Autos insgesamt nicht anfälliger für Brände als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – im Gegenteil. Doch wenn es bei Batterien zu einem Defekt kommt, kann es gefährlich werden: Bei einem sogenannten thermal runaway erhitzt sich eine Zelle unkontrolliert, heizt benachbarte Zellen auf und löst eine Kettenreaktion aus. Das Resultat: Flammen, extreme Hitze und ein enormer Wasserbedarf für die Feuerwehr. In Onlineforen wie Reddit schildern Einsatzkräfte regelmäßig, wie schwer solche Brände zu löschen sind.
Moderne Akkus nutzen bereits Sensoren und Kühlmittel wie Flüssigstickstoff, um solche Situationen zu vermeiden. Doch die neuen Vorschriften zwingen die Hersteller dazu, noch robuster zu entwickeln – und das dürfte mittelfristig auch E-Autos weltweit sicherer machen.
Chinas E-Auto-Offensive – mit staatlicher Rückendeckung
China ist längst Weltmarktführer bei E-Mobilität. Marken wie BYD, Xiaomi oder Nio bieten preisgünstige Fahrzeuge mit High-End-Features an – von autonomen Fahrfunktionen bis zu Schnellladezeiten unter zehn Minuten. Auch wenn westliche Länder China oft vorwerfen, mit staatlich subventionierten Rohstoffen wie Seltenen Erden zu arbeiten, gelingt es chinesischen Marken zunehmend, profitabel zu wachsen und weltweit zu expandieren.
Dass China so schnell Fortschritte macht, liegt auch an seinem politischen System: Einmal festgelegt, wird eine Industriestrategie konsequent und zentral umgesetzt. In diesem Fall bedeutet das: maximale Sicherheit als Pflicht, nicht als Option. Ein Weg, der – trotz aller Kritik – derzeit Früchte trägt und China an die Spitze der globalen E-Auto-Revolution katapultiert.