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Tech

Nach tödlichem Unfall: China verbietet Begriffe wie „autonomes Fahren“ in der Auto-Werbung

Xiaomi-Crash bringt harte Konsequenzen für gesamte Branche
Von Thomas Maxwell Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Nach einem tragischen Unfall mit einem Xiaomi SU7, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, hat China offiziell verboten, dass Autohersteller ihre Fahrzeuge mit Begriffen wie „autonomes Fahren“ oder „intelligentes Fahren“ bewerben dürfen. Der Wagen war im Fahrassistenzmodus unterwegs und prallte gegen eine Betonmauer, nachdem der Fahrer erst im letzten Moment eingriff. Der Unfall hat eine hitzige Debatte neu entfacht: Wie gefährlich ist es, Autofahrer mit überzogenen Werbeversprechen in falscher Sicherheit zu wiegen?

Autopilot ≠ Autonom – ein gefährliches Missverständnis

Das Hauptproblem bei Fahrerassistenzsystemen unterhalb von Level 4: Die Technologie unterstützt, aber der Mensch bleibt verantwortlich. Viele Fahrer wiegen sich jedoch in falscher Sicherheit – oft mit fatalen Folgen. Genau das ist der Grund, warum Tesla und Elon Musk seit Jahren in der Kritik stehen: Begriffe wie „Autopilot“ oder „Full Self-Driving“ suggerieren ein Maß an Autonomie, das so (noch) nicht existiert. Tesla ruderte inzwischen zurück und nennt sein System nun „Full Self-Driving (Supervised)“. Zudem werden Fahrer überwacht, damit sie die Hände am Lenkrad behalten.

Strengere Vorschriften und Testpflicht für Software-Updates

Die chinesischen Behörden gehen nun noch weiter: Künftig dürfen Autohersteller keine Fahrer mehr als Versuchskaninchen für neue Software-Features verwenden. Jedes Update für Fahrerassistenzsysteme muss vor dem Rollout umfassend getestet werden. Ab 2026 treten zudem neue Sicherheitsstandards für Batterien in Kraft – ein Versuch, die wachsende Zahl von Fahrzeugbränden zu reduzieren.

Ein autoritärer Vorteil?

Was in Demokratien Jahre dauert, passiert in China über Nacht: Die neue Werberichtlinie zeigt, wie schnell die Kommunistische Partei auf sicherheitsrelevante Vorfälle reagieren kann. In den USA wäre ein solcher Eingriff in die Marketingfreiheit ein juristischer Marathon. So zog etwa die kalifornische Zulassungsbehörde DMV Tesla 2022 wegen irreführender Werbung zur Rechenschaft – doch am Ende geschah: nichts. Tesla berief sich auf das Recht auf freie Meinungsäußerung, und der Fall verlief im Sande.

Gerade im Bereich der E-Mobilität zeigen sich die Unterschiede im politischen System: In China wurde das Thema zur Chefsache erklärt – Widerworte gibt es keine. Während Demokratien bremsen, beschleunigt die Volksrepublik, manchmal mit fragwürdigen, aber effizienten Mitteln.

Tesla unter Dauerbeschuss

Auch wenn Tesla behauptet, seine Software mache das Fahren sicherer, sieht die Realität anders aus. Die US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht seit Jahren regelmäßig verschiedene Tesla-Funktionen – zuletzt das Feature „Smart Summon“, mit dem Fahrzeuge ohne Fahrer kurze Strecken fahren können. Ein Bericht von 2022 zeigt: In einem Zeitraum von zwölf Monaten war Tesla für rund 70 % aller Unfälle mit Fahrerassistenzsystemen verantwortlich. Die Kritik an Teslas Autopilot reißt nicht ab – zuletzt sprach die NHTSA sogar von einer „kritischen Sicherheitslücke“.

Eine Analyse der Washington Post kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Seit 2019 war das Autopilot-System in mindestens 736 Unfälle verwickelt, darunter 17 tödliche. Grundlage sind neue Regeln aus der Biden-Ära, die Hersteller verpflichten, jede Kollision mit autonomer Software zu melden. Unter dem Trump-Team war geplant, diese Vorschrift wieder abzuschaffen.

Musk’s große Versprechen – und die Realität

Trotz aller Kritik halten viele Tesla-Fans an der Vision fest: Vollautonomes Fahren sei nur noch eine Frage der Zeit. Das Unternehmen kündigte sogar einen Robotaxi-Service in Austin für Ende des Jahres an. Doch Musk hat sich oft verschätzt – 2016 sollte die Autonomie „innerhalb eines Jahres“ kommen, 2019 prophezeite er eine Million Robotaxis bis 2020. Passiert ist wenig.

Während Tesla an den letzten 10 % der technischen Herausforderung zu scheitern scheint, holen andere Anbieter wie Waymo auf: In mehreren US-Städten sind deren vollautonome Fahrzeuge bereits unterwegs. Auch in China setzen Hersteller wie BYD auf eigene Lösungen – Teslas Alleinstellung bröckelt.

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