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Welt

Zwischen Urlaub und Ausnahmezustand: Eine Insel kämpft gegen die Natur

Ein beliebtes Reiseziel wird zum Krisengebiet: Ein Vulkan auf den Philippinen schleudert eine gewaltige Aschesäule in die Höhe. Was bedeutet das für Urlauber – und für die Bewohner?
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Lesezeit 3 Minuten

Mitten im Inselparadies der Philippinen tobt eine Naturgewalt, die alles andere als idyllisch ist. Der jüngste Ausbruch des Vulkans Kanlaon zeigt erneut, wie unberechenbar das Leben am Pazifischen Feuerring sein kann. Tausende Menschen sind betroffen, der Luftraum ist gesperrt – und die Gefahr ist noch längst nicht vorbei. Doch was steckt hinter dem Ausbruch? Und wie gefährlich ist die Lage wirklich?

Ein Vulkan erwacht: Der Kanlaon spuckt Feuer und Asche

Am frühen Dienstagmorgen bebte die Erde auf der philippinischen Insel Negros Occidental. Um 5:51 Uhr Ortszeit begann eine Eruption des Vulkans Kanlaon, die fast eine Stunde anhielt. Die Folge: Eine gewaltige Aschesäule stieg bis zu 4000 Meter in den Himmel – ein dramatisches Zeichen der Naturgewalt, das nicht nur die Einheimischen in Atem hält.

In den umliegenden Gemeinden sorgten pyroklastische Ströme – eine Mischung aus Lava, Asche und heißem Gas – für Panik. Diese Ströme rasten mit hoher Geschwindigkeit die Hänge hinab und richteten Schäden in einem Umkreis von einem Kilometer an. Auch hörbare Detonationen und herumgeschleuderte Gesteinsbrocken wurden gemeldet. Die Vegetation am Kraterrand fing stellenweise Feuer.

Touristenregion im Alarmzustand: Luftraum gesperrt, Schulen dicht

Der Ausbruch blieb nicht ohne Konsequenzen. In mehreren Dörfern ging Ascheregen nieder, der Unterricht wurde ausgesetzt. Besonders drastisch: Der philippinische Luftraum über der Region wurde gesperrt. Piloten wurden ausdrücklich gewarnt, das Gebiet zu meiden. Der Grund: Vulkanasche kann in Triebwerken erhebliche Schäden anrichten und stellt ein erhebliches Risiko für die Luftfahrt dar.

Die Alarmstufe für den Vulkan Kanlaon wurde auf Stufe 3 von 5 festgesetzt – eine deutliche Warnung, dass die Aktivität anhalten oder sich sogar intensivieren könnte. Die Behörden schließen weitere Ausbrüche oder Lavafontänen nicht aus.

Keine Entwarnung in Sicht: Bevölkerung in ständiger Alarmbereitschaft

Bereits im Dezember des Vorjahres war der Vulkan aktiv – damals mussten tausende Menschen evakuiert werden. Viele von ihnen leben noch immer in Notunterkünften. Laut Teresito Bacolcol, Direktor der Erdbeben- und Vulkanwarte Phivolcs, handelt es sich beim aktuellen Ausbruch um eine Wiederholung des Dezember-Ereignisses. Die Aschesäule sei ähnlich hoch, das Ausmaß vergleichbar.

Die Behörden sind vorbereitet: Lebensmittel, Trinkwasser und medizinische Versorgung wurden für die betroffenen Gebiete organisiert. Doch die Angst bleibt – vor allem, weil niemand mit Sicherheit sagen kann, ob das Schlimmste bereits vorbei ist.

© Diego Girón – Pexels

Leben auf dem Feuerring: Warum Vulkane hier immer wieder erwachen

Die Philippinen liegen auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring – einem geologisch hochaktiven Gürtel, der sich wie ein Hufeisen um den Pazifik zieht. Erdbeben und Vulkanausbrüche gehören in dieser Region zur traurigen Normalität. Der Kanlaon selbst ist einer der aktivsten Vulkane des Landes – seit 1866 wurden über 40 Ausbrüche dokumentiert.

Trotz der Gefahr zieht der imposante Schichtvulkan jährlich zahlreiche Abenteurer und Bergsteiger an. Seine landschaftliche Schönheit und seine exponierte Lage machen ihn zu einem beliebten Reiseziel – ein Widerspruch, der gerade in solchen Krisenzeiten besonders deutlich wird.

Ein globales Phänomen: Auch Europa kennt die Gefahr

Vulkanausbrüche sind kein rein asiatisches Phänomen. Auch in Europa – etwa in Italien – sorgt der Ätna regelmäßig für Aufsehen. Der vielleicht bekannteste philippinische Vulkan bleibt jedoch der Pinatubo. Sein verheerender Ausbruch 1991 forderte über 800 Menschenleben und veränderte die Landschaft auf Jahre hinaus. Es ist eine schmerzhafte Erinnerung daran, wie zerstörerisch die Kraft aus dem Erdinneren sein kann.

Quelle: www.merkur.de

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