Steigende Unruhe unter Mount Spurr
Den genauen Zeitpunkt eines Vulkanausbruchs vorherzusagen, ist fast unmöglich. Doch Mount Spurr, ein schneebedeckter Vulkan rund 120 Kilometer westlich von Anchorage, zeigt klare Warnsignale, so eine aktuelle Mitteilung des AVO auf der Website des U.S. Geological Survey.
Wissenschaftler beobachteten die ersten Anzeichen vulkanischer Unruhe bereits im April letzten Jahres, als eine unerwartet hohe Anzahl von Erdbeben unter dem Vulkan registriert wurde. Zwischen April und Anfang Oktober ereigneten sich durchschnittlich 30 Erdbeben pro Woche. Danach stieg die Zahl drastisch an: Bis Februar waren es bereits 125 Beben wöchentlich. Im letzten Monat hat sich die Frequenz leicht verringert, bleibt aber mit etwa 100 Erdbeben pro Woche weiterhin hoch.
Verformung des Bodens und ein neuer Kratersee
Neben der seismischen Aktivität bemerkten Forscher im April auch leichte Verformungen entlang der Vulkanhänge. Obwohl sich der Boden nur um etwa 6,5 Zentimeter verschoben hat, könnte dies darauf hinweisen, dass sich Magma, Gase oder Fluide unter der Oberfläche ansammeln.
Zusätzlich entstand im Sommer ein See an der eisbedeckten Spitze des Vulkans. Dies könnte auf eine verstärkte Hitzeentwicklung im Krater hindeuten, was ein weiteres potenzielles Anzeichen für eine bevorstehende Eruption ist.
Erhöhte Gasemissionen
In den letzten Wochen maßen Wissenschaftler eine Zunahme der Emissionen von Schwefeldioxid (SO2) aus dem Gipfel und von Kohlendioxid (CO2) sowohl aus dem Hauptkrater als auch aus Crater Peak, einem aktiven Schlot etwa 3,5 Kilometer vom Gipfel entfernt. An Crater Peak sind zudem neue Gasquellen aufgetreten.
„Die aktuelle Unruhe an Mount Spurr deutet darauf hin, dass neues Magma in die Erdkruste unter dem Vulkan eingedrungen ist und dass die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs gestiegen ist“, erklärte das AVO in seiner Mitteilung. „Es ist wahrscheinlich, dass sich seit Monaten Magma unter dem Gipfel von Mount Spurr ansammelt. Die jüngsten Gasmessungen lassen vermuten, dass sich ein neuer Weg zum Schlot von Crater Peak geöffnet hat und frisches Magma dort aufsteigen und ausbrechen könnte.“
Droht eine explosive Eruption?

Laut AVO ist das wahrscheinlichste Szenario eine explosive Eruption oder mehrere kleinere Explosionen am Crater Peak, ähnlich wie bei den Ausbrüchen von 1953 und 1992. Der Hauptkrater von Mount Spurr selbst ist seit Tausenden von Jahren nicht mehr ausgebrochen.
David Fee, Wissenschaftler am Geophysical Institute der University of Alaska Fairbanks, erklärte gegenüber CNN: „Wir nutzen viel unseres Wissens aus vergangenen Ausbrüchen, um zu analysieren, was in der Zukunft passieren könnte.“
Falls sich der nächste Ausbruch an den Ereignissen von 1953 und 1992 orientiert, könnte es zu einer oder mehreren explosiven Eruptionen kommen. Diese würden Aschewolken verursachen, die sich hunderte Kilometer mit dem Wind fortbewegen, und könnten in Süd-Zentral-Alaska zu leichten Ascheablagerungen von bis zu 0,6 Zentimetern führen.
Außerdem wären die Hänge von Mount Spurr potenziell von pyroklastischen Strömen betroffen – heiße Gerölllawinen, die sich mit hoher Geschwindigkeit talabwärts bewegen. Auch ballistische Geschosse – also umherfliegende Gesteinsbrocken – könnten eine Gefahr darstellen. Möglicherweise würden Lahare (Schlammlawinen) das obere Tal des Chakachatna River überfluten.
Ist der Ausbruch unmittelbar bevorstehend?
Aktuell erwarten Wissenschaftler nicht, dass eine Eruption unmittelbar bevorsteht. „Falls wir anhaltende, starke vulkanische Erschütterungen messen würden, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass ein Ausbruch viel näher rückt“, erklärte Fee gegenüber Alaska Beacon. „Das haben wir bisher noch nicht beobachtet, aber wir achten sehr genau auf jegliche Anzeichen. Es könnte jedoch noch andere Vorzeichen geben.“
Das AVO hat vorerst beschlossen, routinemäßige Überflüge durchzuführen, um Gasemissionen zu messen, Veränderungen an der Oberfläche zu dokumentieren und die Temperaturen des Bodens zu erfassen.
Es bleibt also abzuwarten, ob Mount Spurr tätsachlich ausbricht – oder ob er seine explosive Kraft noch eine Weile zurückhält.