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Welt

Warum plötzlich niemand mehr Pepsi will – und was wirklich dahintersteckt

In Europa formiert sich leise, aber entschieden eine neue Bewegung: Boykott statt Business as usual. Hinter dem Verzicht auf US-Produkte steckt mehr als bloßer Konsumverzicht – es geht um Haltung, Widerstand und die Frage: Können Einkaufsentscheidungen wirklich Politik machen? Ein Blick in ein faszinierendes neues Konsumkapitel.
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Ein Reddit-Forum, Sticker in Supermärkten und neue Namen für Kaffeegetränke: Überall in Europa tauchen kleine Zeichen eines großen Wandels auf. Der Boykott amerikanischer Produkte wird für viele zur persönlichen Protestform gegen die Politik der USA. Was mit einzelnen Kaufentscheidungen beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer Bewegung – getragen von Wut, Prinzipien und dem Wunsch nach politischer Selbstwirksamkeit.

Aufstand im Einkaufswagen: Der neue Konsumprotest

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„Kein Jack Daniels mehr“, „Zalando statt Amazon“ oder „Sinalco statt Pepsi“ – auf Plattformen wie Reddit sammeln sich hunderttausende EuropäerInnen, die sich dem Boykott amerikanischer Marken verschrieben haben. Die Community „BuyfromEU“ wächst rasant. Der Auslöser? Donald Trumps nationalistische Wirtschaftspolitik, Strafzölle, politische Alleingänge – und ein Gefühl der Entfremdung zwischen Europa und den USA.

Was einst als bewusster Konsum galt, wird nun zur politischen Geste. Wer heute Persil statt Ariel kauft oder Ecosia statt Google nutzt, signalisiert mehr als persönliche Vorlieben: Es ist ein stilles Statement gegen Trumps Kurs. Doch reicht das aus, um eine Bewegung zu formen? Protestforscher bezweifeln das – noch fehle es an klaren Zielen, Strukturen und Strategie. Aber eines zeigt sich deutlich: Antiamerikanismus in Europa hat eine neue Bühne gefunden – die des Einkaufs.

Kleine Zeichen, große Wirkung? Die Rückkehr der Herkunft

In Kanada, Dänemark und Deutschland wächst die Zahl der Menschen, die gezielt auf Produkte aus ihrer Region achten. In dänischen Supermärkten gibt es bereits Sternchen auf Preisschildern, die auf europäische Herkunft hinweisen. In Kanada sorgt eine App namens „Maple Scan“ dafür, dass Konsumenten beim Einkaufen den Ursprung der Produkte überprüfen können. Und Cafés taufen den „Americano“ kurzerhand in „Canadiano“ um.

Auch in Deutschland wünschen sich laut YouGov-Umfrage fast 80 % der Menschen eine klare Kennzeichnung europäischer Produkte. Der Wunsch nach Regionalität wird durch den Handelskonflikt neu befeuert. Während Hersteller wie Katjes bereits mit „Made in Germany“ werben, zögern große Ketten wie Rewe oder Edeka noch mit Sondermarkierungen – offiziell, um keine heimischen Betriebe mit transatlantischen Verbindungen zu schädigen.

Wenn Tesla brennt: Der Boykott zeigt erste Konsequenzen

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Der Boykott bleibt nicht ohne Folgen. Tesla, einst gefeiert, steht zunehmend in der Kritik – nicht nur wegen Elon Musks Nähe zu Donald Trump und zur AfD, sondern auch durch einen rapiden Einbruch bei den Verkaufszahlen. 13 Prozent weniger Absatz im letzten Quartal, brennende Fahrzeuge und sinkender Börsenwert haben das Image der Marke beschädigt. Demonstrationen gegen Musks Firmen mehren sich – ein Beweis dafür, dass politische Botschaften im Konsumverhalten tatsächlich greifen können.

Der Außenhandelsverband warnt indes vor übereiltem Aktionismus: Viele Produkte mit amerikanischem Logo stammen zumindest teilweise aus deutscher Produktion. Der Boykott könnte also genau jene treffen, die er schützen will.

Doch trotz aller Kritik ist etwas in Bewegung geraten – eine neue Sensibilität, ein neues Bewusstsein. Und womöglich beginnt gerade hier.

Quelle: www.taz.de

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