Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auslieferungen um satte 13 %, also rund 50.000 Fahrzeuge weniger. Insgesamt brachte Tesla nur 336.681 Autos auf die Straße – das schwächste Quartalsergebnis seit 2022.
Branchenkenner hatten bereits mit einem deutlichen Rückgang gerechnet. Vor allem aus Europa kamen schwache Zahlen, zudem standen einige Werke zeitweise still, um für den neuen Model Y umgerüstet zu werden. Viele Interessierte scheinen bewusst gewartet zu haben, bis die Neuauflage von Teslas Bestseller verfügbar war.
In sozialen Netzwerken häuften sich im März die Berichte, dass die neuen Model Y-Varianten rasch verfügbar waren. Gleichzeitig berichtete das Fachportal Electrek, dass Tesla rund 200 Millionen Dollar an unverkauften Cybertrucks auf Lager hat. In der Kategorie „Sonstige Fahrzeuge“ – also Model S, X, Cybertruck und vielleicht sogar der (fast vergessene) Semi – wurden 12.000 Fahrzeuge weniger verkauft als im Vorjahreszeitraum. Teslas jüngstes Produkt seit dem Model Y? Offenbar ein Ladenhüter.
Politische Polarisierung als Verkaufsbremse
Doch das Problem sitzt tiefer: Tesla kämpft nicht nur mit der Modellpolitik, sondern auch mit dem Image der Marke. Und das hängt maßgeblich mit Elon Musk zusammen. Der CEO polarisiert zunehmend mit seinem politischen Aktivismus – und das bleibt nicht ohne Folgen.
In den USA wenden sich viele Konsument:innen ab. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit Musks politische Eskapaden ablehnt. Besonders die klassische Tesla-Kundschaft – umweltbewusste Liberale – fühlen sich durch seine Nähe zu Donald Trump und seinen rechtspopulistischen Aussagen abgestoßen. Auf der anderen Seite sind konservative Käufer*innen zwar offen für seine politischen Positionen, aber sie müssen keinen Tesla fahren, um ihre Haltung zu zeigen. Ein klassischer Pick-up reicht aus – ganz ohne „Woke“-Image.
Am Dienstag erlitt Musk zudem eine politische Niederlage: In Wisconsin verlor seine bevorzugte Kandidatin bei der Wahl zum Supreme Court gegen die liberale Richterin Susan Crawford – trotz 26 Millionen Dollar Wahlkampfhilfe und öffentlicher Unterstützung durch Trump. Selbst Wähler:innen, die Trump bei der Präsidentschaftswahl unterstützten, scheinen wenig Lust auf Musks politische Allmachtsfantasien zu haben.
Konkurrenz aus China setzt Tesla unter Druck
Währenddessen zieht die Konkurrenz weiter davon. Der chinesische Hersteller BYD verkaufte im ersten Quartal 2025 über 416.000 Elektroautos – deutlich mehr als Tesla. BYD überzeugt nicht nur mit attraktiven Preisen, sondern auch mit beeindruckender Technik: superschnelles Laden, autonome Fahrfunktionen – und das teils serienmäßig und kostenlos. Zudem expandiert das Unternehmen global, eröffnet neue Werke und bringt frische Modelle auf den Markt.
Tesla hingegen? Die Modellpalette wirkt angestaubt. Gerade in einem innovationsgetriebenen Markt wie China ist das tödlich. Der Absatz von Tesla-Fahrzeugen „Made in China“ ging um 11 % zurück.
Tesla: Noch Autobauer oder schon Tech-Fantasie?
Doch Tesla will heute mehr sein als ein klassischer Autobauer. Der Konzern inszeniert sich als KI- und Robotikunternehmen – mit einer Marktbewertung von rund 800 Milliarden Dollar, weit über Branchenriesen wie Toyota oder Ford. Die Vision: humanoide Roboter, die Menschen in Fabriken ersetzen, und autonome Cyber-Cabs, die das Straßenbild erobern.
Die Realität? Beim jüngsten Roboter-Marathon in Peking wirkte Teslas Prototyp „Optimus“ im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz eher unbeholfen. Von flüssigen Bewegungen oder marktreifer Technologie keine Spur.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wenn das Kerngeschäft – der Autoverkauf – einbricht, wie will Tesla dann seine Science-Fiction-Zukunft finanzieren? Zwar hat das Unternehmen über 30 Milliarden Dollar Rücklagen, doch mit jeder schwachen Quartalszahl rückt die Vision weiter in die Ferne. Während Musk in politische Kleinkriege abdriftet, verlieren Investor:innen und Kund:innen zunehmend das Vertrauen.
Und es zeigt sich einmal mehr: Die meisten CEOs halten sich aus der Politik raus – nicht aus Feigheit, sondern weil es dem Business schlicht nicht guttut.
Ein Comeback ist nicht ausgeschlossen
Ganz abschreiben sollte man Tesla aber noch nicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Konzern sich überraschend fängt. Sollte sich der Protest rund um Musk und seine Aussagen legen – so wie es einst bei Marken wie Bud Light oder Target der Fall war – könnten die Verkaufszahlen auch wieder steigen. Letztlich zählt für viele Autokäufer:innen nur eins: ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Hinzu kommt: Präsident Trumps neue Strafzölle auf ausländische Hersteller könnten Tesla in die Karten spielen. Schließlich produziert das Unternehmen für den US-Markt überwiegend im eigenen Land.
Aber: Die Zeit spielt nicht unbedingt für Tesla. Wenn sich die Situation nicht bald bessert, könnten sich die Probleme verfestigen – und das Selbstverständnis von Tesla als „besondere Firma“ endgültig der Vergangenheit angehören. Es ist fast tragisch: Viele der aktuellen Probleme wären vermeidbar gewesen. Der Großteil der Krise ist hausgemacht.
Und vielleicht gibt es ja doch ein Licht am Ende des Tunnels. Am Mittwoch kursierten erste Gerüchte, dass Musk sich bald von seinem Lieblingsprojekt DOGE verabschieden könnte. Vielleicht zeigen die ersten Kritiken Wirkung.