Die Bewohner der abgelegenen Insel im Nordwesten Schottlands berichten seit Wochen von einem seltsamen, niederfrequenten Brummton, der vor allem nachts deutlich hörbar ist. Manche fragen sich, ob er überhaupt real ist – andere wiederum haben keinen Zweifel daran, dass er ihr Leben verändert hat.
Ein Brummen, das den Alltag stört
Lauren-Grace Kirtley, Gründerin der Facebook-Gruppe „The Hebridean Hum“, beschreibt den Ton im BBC-Radioprogramm Good Morning Scotland als „sehr tiefen, pulsierenden Klang – ein Brummen, das extrem störend und belastend ist“. Laut Kirtley haben viele Menschen Schwierigkeiten beim Schlafen oder Konzentrationsprobleme. „Mich persönlich macht es schwindelig, ich bekomme Kopfschmerzen“, zitiert sie die BBC.
In einem Facebook-Post erklärte sie, dass Mitglieder der Gruppe an allen bekannten Brumm-Standorten sogenannte Spektrogramm-Aufzeichnungen durchgeführt hätten – also visuelle Darstellungen von Frequenzverläufen über die Zeit. Dabei wurde in allen Fällen ein konstant auftretendes Signal mit 50 Hertz festgestellt – mal stärker, mal schwächer. Da diese Frequenz an vielen verschiedenen Orten auftauchte, konnten lokale Quellen wie Häfen, Windräder oder Infrastruktur ausgeschlossen werden.
Die Spur führt nun aufs offene Meer.
Menschlich oder natürlich? Niemand weiß es
Kirtleys Gruppe hat sich an mehrere Organisationen gewandt, um Unterstützung bei der Ursachenforschung zu bekommen – bisher ohne klare Ergebnisse. Während viele weiterhin rätseln, glaubt Kirtley persönlich, dass der Ursprung menschlicher Natur sei – und nicht natürlich.
Eine andere Theorie stammt von Pamela Weaver Larson, ebenfalls Teil der 546 Mitglieder starken Online-Community. Sie bringt sogenannte otoakustische Emissionen ins Spiel – also leise Töne, die das Innenohr selbst erzeugt und die manche Menschen als reales Brummen wahrnehmen könnten.
Doch selbst sie ist skeptisch: „Warum höre ich das Brummen dann nicht überall, wo ich hingehe?“, schrieb sie – und verwies darauf, dass sie den Ton in Florida oder Michigan nie bemerkt habe.
Kein Einzelfall: Das „Weltweite Brummen“
Die Situation auf Lewis ist kein Einzelfall. Seit Jahrzehnten berichten Menschen weltweit von ähnlichen Phänomenen. Der Forscher Glen MacPherson, ehemals Dozent an der University of British Columbia, hat sogar eine Weltkarte der Brummtöne erstellt – mit einer dazugehörigen Datenbank, basierend auf tausenden Erfahrungsberichten.
Laut seiner Website klingt das sogenannte „Global Hum“ wie „ein Auto, das mit laufendem Motor vor dem Haus steht“ – leise, aber konstant, vor allem nachts wahrnehmbar und drinnen oft deutlicher als draußen. Viele Betroffene berichten, dass sie das Brummen an jedem Ort hören – was jedoch nicht zu Larsons Beobachtung passt.
Die Behörden schalten sich ein
Der örtliche Gemeinderat, Comhairle nan Eilean Siar, bestätigte gegenüber der BBC, dass es mehrere Beschwerden von Bewohnern über niederfrequente Geräusche gegeben habe. Ein Umweltgesundheitsteam sei derzeit mit der Untersuchung des Vorfalls beschäftigt.
In einem Gespräch mit der Times äußerte sich Kirtley inzwischen überzeugt: „Wir sind uns inzwischen ziemlich sicher, dass die Quelle maritim ist“ – und möglicherweise Auswirkungen auf das Meeresleben haben könnte. „Gerade deshalb ist es so wichtig, den Ursprung zu finden – und das Brummen endlich zu beenden.“
Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Für viele auf der Insel ist der nächtliche Frieden erst einmal Geschichte.