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Trump macht das Leben für eine der seltensten Wale der Welt noch gefährlicher

Die Regierung kippt Geschwindigkeitsbeschränkungen für Schiffe – zum Leidwesen des vom Aussterben bedrohten Rice-Wals
Von Adam Kovac Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Es gibt vermutlich weniger als 100 Rice-Wale im Golf von Mexiko – aber das US-Innenministerium hält das nicht für Grund genug, Schiffen Tempolimits aufzuerlegen.

Setzt gefährdete Wale auf die lange Liste von Dingen, um die sich die Trump-Administration keinen Deut schert.

Am 20. Februar hat das Bureau of Ocean Energy Management (BOEM), eine Behörde des Innenministeriums, eine Vorschrift gekippt, die Schiffen in Gebieten, in denen sich Rice-Wale aufhalten, eine Höchstgeschwindigkeit von 10 Knoten (ca. 18 km/h) empfahl. Diese Regelung wurde erst 2023 eingeführt, um diese seltene Walart zu schützen.

Wie viele Rice-Wale genau noch in den Ozeanen existieren, ist unklar. Doch laut der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) sind es wahrscheinlich weniger als 100. Das macht sie zu einer der seltensten Walarten überhaupt. Sie stehen unter dem Schutz des Marine Mammal Protection Act. Ihr Bestand ist ohnehin kritisch – laut NOAA ist er seit der Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe 2010 um 22 % gesunken.

Die Vorschrift sah nicht nur eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor, sondern auch, dass speziell geschulte Beobachter an Bord sein sollten, um Wale in der geschützten Zone rechtzeitig zu erkennen. Zudem sollten sich Schiffe mindestens 500 Meter von gesichteten Rice-Walen fernhalten.

Doch jetzt wurde die Vorschrift aufgehoben – als Teil einer von Innenminister Doug Burgum angeordneten Initiative namens Unleashing American Energy. Diese soll laut Regierungsangaben „Hindernisse für die Nutzung der reichen Energieressourcen unseres Landes beseitigen, die durch die bürokratischen Vorschriften der Biden-Administration entstanden sind.“

Umweltorganisationen schlagen Alarm

Naturschützer sind entsetzt. Michael Jasny, Experte für den Schutz von Meeressäugern beim Natural Resources Defense Council, bezeichnete die Empfehlungen als „pure Vernunft“ und warnte im Tampa Bay Times: „Die Folgen eines Fehlers wären katastrophal. Und wenn es um eine der seltensten Walarten der Welt geht, dann ist es doch wirklich nicht zu viel verlangt, dass Schiffe in dieser Art von Schulzone langsamer fahren.“

Die Ölindustrie sieht das natürlich anders. Ein Sprecher des American Petroleum Institute argumentierte, dass die Vorschriften „eine einseitige Belastung für die Offshore-Öl- und Gasindustrie darstellen, während der Schiffsverkehr anderer Nutzer in der Region nicht berücksichtigt wurde.“

Dabei ist der Rice-Wal nicht nur extrem selten, sondern auch eine der jüngsten wissenschaftlich anerkannten Walarten. Schon in den 1960er-Jahren wurde er im Golf von Mexiko gesichtet, doch lange hielt man ihn für eine Unterart der Bryde-Wale. Erst 2021 bewiesen genetische Analysen, dass es sich um eine eigene Spezies handelt.

Gefahren für die Wale – und wie sie ignoriert werden

Rice-Wale können bis zu 12,5 Meter lang und 27 Tonnen schwer werden. Ihr Bestand ist aber durch den Menschen massiv bedroht – durch Ölbohrungen, Fischerei, Meeresmüll und den durch Schiffsverkehr verursachten Lärm. Laut NOAA verbringen sie den Tag meist in tieferen Gewässern, steigen aber nachts oft bis auf 12 Meter unter die Oberfläche – was sie besonders anfällig für Kollisionen mit Schiffen macht.

Dass das tödlich enden kann, ist kein theoretisches Problem. 2009 wurde ein toter Wal im Hafen von Tampa gefunden – später stellte sich heraus, dass es sich um einen Rice-Wal handelte. Die Todesursache? Eine Kollision mit einem Schiff.

Die Entscheidung, die Schutzmaßnahmen aufzuheben, kommt nur wenige Wochen, nachdem BOEM-Chefin Elizabeth Klein entlassen wurde. Klein wurde erst 2023 von Joe Biden auf den Posten berufen. Doch Trumps zweite Amtszeit hat bereits mit einer massiven „Säuberung“ begonnen – Regierungsposten werden mit loyalen Anhängern besetzt, unabhängige Fachleute werden entlassen.

Tja – und genau deshalb kann man eben nichts Schönes haben.

 

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