Viele Starbucks-Kunden in den USA erlebten diese Woche eine Überraschung: Ihre geliebten Frappuccinos und Iced Lattes wurden nicht mehr in Plastik-, sondern in Pappbechern serviert.
Das Unternehmen hat begonnen, in rund 580 Filialen die herkömmlichen Plastikbecher durch papierbasierte Alternativen zu ersetzen. Diese neuen Becher sind mit einer dünnen Schicht Bioplastik beschichtet, um sie flüssigkeitsresistent zu machen. Ein Starbucks-Sprecher wollte keine Liste der betroffenen Filialen nennen, bestätigte jedoch, dass die Maßnahme auch mit immer strengeren Vorschriften zur Reduzierung von Einwegplastik zusammenhängt.
Allerdings vermuten Umweltorganisationen, dass der Wechsel vor allem mit Starbucks‘ eigenen Nachhaltigkeitszielen zu tun hat: Bis 2030 sollen alle Verpackungen wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sein.
Plastikbecher: Recycling-Illusion oder echte Wiederverwertung?
Bislang setzte Starbucks auf Becher aus Polypropylen, einem stabilen Kunststoff. Offiziell galt dieser als recycelbar – doch Kritiker zweifeln das an.
„Das ist ein klares Eingeständnis, dass Polypropylen-Becher in der Praxis nicht recycelt werden“, erklärt Jan Dell, Ingenieurin und Gründerin der Umweltorganisation The Last Beach Cleanup.
Dell hat das Starbucks-Recyclingversprechen letztes Jahr getestet: Gemeinsam mit einer Partnerin platzierte sie GPS-Tracker in leeren Plastikbechern, die sie in Starbucks-Filialen in Kalifornien in die Recyclingbehälter warf. Das Ergebnis: Fast alle Becher landeten auf Mülldeponien oder in Müllverbrennungsanlagen – nur wenige wurden tatsächlich zu einer Recyclinganlage transportiert.
Eine großangelegte Untersuchung von CBS News bestätigte das Problem: Von 57 verfolgten Starbucks-Bechern wurden 32 in Deponien oder Verbrennungsanlagen entsorgt. Nur vier landeten in Recyclingzentren.
Ein Starbucks-Sprecher betonte, dass Polypropylen-Becher in einigen Regionen recycelt würden – doch wo genau, bleibt unklar. CBS News fand heraus, dass es in den USA kaum Verwertungsanlagen gibt, die Polypropylen wirklich zu neuen Produkten recyceln. Eine der wenigen ist KW Plastics in Alabama – und selbst diese verarbeitet nur einen Bruchteil des anfallenden Plastikmülls. Hohe Verunreinigungsraten durch andere Plastikarten oder Rückstände von Getränken machen das Recycling zusätzlich kompliziert.
Ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit – aber reicht das?
Dass Starbucks nun schrittweise auf Pappbecher umstellt, könnte auch mit neuen gesetzlichen Vorgaben zu tun haben. Kalifornien plant beispielsweise, bestimmte Plastiksorten in den kommenden Jahren zu verbieten. Zudem müssen Unternehmen dort belegen, dass ihre als „recycelbar“ gekennzeichneten Produkte tatsächlich in der Praxis recycelt werden.
Neben den neuen Bechern testet Starbucks auch weitere umweltfreundliche Maßnahmen:
- In den Cafés stehen vermehrt Keramiktassen für den Verzehr vor Ort zur Verfügung.
- Kunden dürfen immer häufiger eigene Mehrwegbecher mitbringen.
Ob Starbucks die Plastikbecher komplett aus allen 16.000 US-Filialen verbannt, bleibt jedoch unklar. Noch im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen eine neue Version seiner Plastikbecher vorgestellt, die bis zu 20 Prozent weniger Plastik enthält. Diese Innovation sollte angeblich jährlich mehr als sechs Millionen Kilogramm Plastikmüll verhindern.
Umweltschützer fordern jedoch eine radikalere Lösung: „Wir müssen weg von der Einweg-Mentalität – egal ob Plastik, Aluminium oder Bioplastik“, sagt Lisa Ramsden von Greenpeace. „Das Ziel muss sein, dass Kunden ihre eigenen Becher nutzen und Starbucks langfristig auf ein echtes Mehrwegsystem umsteigt.“
Ob und wann Starbucks landesweit auf kompostierbare Becher umstellt oder weitere Einweg-Plastikverpackungen wie Snackboxen abschafft, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Druck auf das Unternehmen wächst – und Kunden wollen sich beim Kaffeegenuss nicht mehr schuldig fühlen.
Dieser Artikel erschien ursprünglich in Grist unter https://grist.org/accountability/why-some-starbucks-locations-are-switching-from-plastic-to-paper-cups/. Grist ist eine unabhängige, gemeinnützige Medienorganisation, die sich der Berichterstattung über Klimaschutzlösungen und eine gerechte Zukunft widmet. Erfahre mehr auf Grist.org