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Wissenschaft

Regelmäßige Albträume? Sie könnten dein Leben drastisch verkürzen

Wer wöchentlich Albträume hat, stirbt laut neuer Studie mehr als dreimal so oft vor dem 70. Lebensjahr.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Wer oft von Albträumen geplagt wird, sollte seiner Gesundheit vielleicht mehr Beachtung schenken.

Neue Forschungsergebnisse, die heute auf dem Europäischen Neurologenkongress (EAN) 2025 vorgestellt wurden, zeigen: Häufige Albträume hängen mit schnellerer biologischer Alterung und einem mehr als verdreifachten Risiko für einen frühen Tod zusammen — selbst wenn andere Erkrankungen berücksichtigt werden. Laut den Forschenden ist es die erste Studie, die diesen Zusammenhang so deutlich belegt — mit potenziell weitreichenden Folgen dafür, wie ernst man wiederkehrende Albträume nehmen sollte.

Stress pur für Körper und Zellen

„Unser schlafendes Gehirn kann zwischen Traum und Realität nicht unterscheiden“, erklärt Abidemi Otaiku, Neurowissenschaftler am Imperial College London, in einer Pressemitteilung des EAN. „Deshalb wachen wir aus Albträumen oft schweißgebadet, mit rasendem Herzen und Atemnot auf — weil unser Flucht-Kampf-Mechanismus ausgelöst wird. Diese Stressreaktion kann stärker sein als alles, was wir im wachen Zustand erleben.“

Die Forschenden verfolgten die Albtraum-Häufigkeit von Erwachsenen und Kindern (bei den Kleinen wurden die Albträume von den Eltern gemeldet) über bis zu 19 Jahre. Das Ergebnis: Sowohl Kinder als auch Erwachsene mit häufigen Albträumen zeigen eine beschleunigte biologische Alterung. Besonders auffällig: Erwachsene, die wöchentlich Albträume hatten, starben mehr als dreimal so häufig vor dem 70. Geburtstag wie Menschen ohne oder mit nur seltenen Albträumen. Die beschleunigte Zellalterung erklärt laut Studie rund 40 % dieses erhöhten Risikos.

Cortisol — das heimliche Alterungsgift?

„Albträume führen zu dauerhaft erhöhten Cortisolspiegeln — einem Stresshormon, das stark mit schnellerer Zellalterung zusammenhängt“, so Otaiku weiter. „Wer regelmäßig Albträume hat, setzt seinen Körper also einer chronischen Stressbelastung aus, die den Alterungsprozess beschleunigen kann. Zudem stören Albträume die Schlafqualität und -dauer, was wiederum die nächtliche Zellreparatur beeinträchtigt. Zusammengenommen könnten diese Effekte erklären, warum die Zellen und der gesamte Körper schneller altern.“

Bemerkenswert: Der Zusammenhang galt unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischem Hintergrund oder psychischer Verfassung der Teilnehmenden. Die Forschenden bestimmten die biologische Alterung über die Länge der Telomere — schützende Kappen an den Chromosomenenden. Kürzere Telomere gelten als typisches Zeichen für vorzeitige Zellalterung.

Albträume gefährlicher als Rauchen und Bewegungsmangel?

Besonders alarmierend: Wöchentliche Albträume sagten einen frühen Tod sogar besser voraus als viele bekannte Risikofaktoren — darunter Übergewicht, Rauchen, schlechte Ernährung oder Bewegungsmangel. Aber auch seltener auftretende Albträume hinterließen Spuren: Wer monatlich Albträume meldete, alterte ebenfalls schneller und hatte ein höheres Risiko für frühzeitige Sterblichkeit als Personen mit seltenen oder keinen Albträumen.

Kurz gesagt: Wer nachts regelmäßig durch Horrorträume gequält wird, riskiert nicht nur schlechte Nächte — sondern auch handfeste gesundheitliche Konsequenzen. Für die Wissenschaft ein klarer Hinweis, Albträume künftig ernster zu nehmen.

Und mal ehrlich: Angesichts von Plastikmüll, Klimakrise und menschengemachten geologischen Katastrophen dürfte unsere kollektive Albtraumquote in den kommenden Jahren wohl kaum sinken.

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