Albträume, nehmt euch in Acht: Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, um Betroffenen zu helfen, sich gegen ihre schlimmsten Träume zu wehren – und das mit einer Kombination aus Therapie und Techniken des luziden Träumens.
Fast jeder kennt das Gefühl eines Albtraums, doch für einige Menschen sind schlechte Träume so häufig, dass sie ihr Wachleben erheblich beeinträchtigen. Besonders stark betroffen sind Menschen mit Narkolepsie – einer Schlafstörung, bei der der übliche Wechsel zwischen Wachsein und Schlaf gestört ist. Schätzungen zufolge leiden bis zu 40 % der Betroffenen regelmäßig unter Albträumen. Doch genau für diese Fälle haben Schlafforscher der Northwestern University nun eine potenzielle Lösung gefunden. In zwei neu veröffentlichten Studien präsentieren sie ihre Erkenntnisse.
Gibt es eine Möglichkeit, Albträume zu stoppen?
In einer der Studien, veröffentlicht im Fachjournal Consciousness and Cognition, zeigen die Forscher, dass sie Menschen mithilfe einer simplen App das luzide Träumen beibringen können.
Die App nutzt eine Technik namens Targeted Lucidity Reactivation (TLR), die darauf abzielt, Menschen im Wachzustand darauf zu trainieren, einen bestimmten Klangreiz mit der Absicht zu verbinden, sich im Traum bewusst zu werden. Das heißt: Sobald dieser Klang während des Schlafs abgespielt wird, soll das Bewusstsein aktiviert werden. Da bereits bekannt ist, dass Schlafende auf auditive und sogar olfaktorische Reize reagieren können, hoffen die Forscher, dass der Klangreiz luzide Träume auslöst. Tatsächlich konnte die Häufigkeit luzider Träume durch die App gesteigert werden – von durchschnittlich 0,74 auf mehr als zwei luzide Träume pro Woche.
In einer zweiten kleinen Studie, veröffentlicht im Journal of Sleep Research, kombinierten die Forscher TLR mit einer bereits etablierten Form der kognitiven Verhaltenstherapie, die zur Behandlung von Albträumen eingesetzt wird.
„Wir ließen die Teilnehmer imaginieren, was sie lieber träumen würden – fast so, als würden sie ein Drehbuch für einen Film schreiben“, erklärte Jennifer Mundt, Assistenzprofessorin für Neurologie (Schlafmedizin) sowie Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Northwestern University Feinberg School of Medicine, in einer Universitätserklärung.
Alle sechs Teilnehmer der Studie erhielten die kognitive Verhaltenstherapie, aber nur die Hälfte von ihnen wurde zusätzlich mit TLR behandelt. Am Ende des Studienzeitraums berichteten alle Probanden von weniger Albträumen – und vier von ihnen erfüllten nicht mehr die klinischen Kriterien für eine Albtraum-Störung. Zwei der Teilnehmer aus der TLR-Gruppe erinnerten sich sogar an Träume, die denen ähnelten, die sie sich in der Therapie vorgestellt hatten. Das könnte darauf hindeuten, dass TLR die Wirksamkeit der Therapie verstärkt.
„Diese Studie liefert einen ersten Nachweis für die Anwendung von TLR als therapeutische Strategie in klinischen Gruppen sowie erste Hinweise auf die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie bei Narkolepsie-bedingten Albträumen“, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit.
Ein Hoffnungsschimmer für Betroffene?
Da beide Studien nur mit kleinen Teilnehmergruppen durchgeführt wurden, sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethoden eindeutig zu bestätigen. Doch bereits jetzt zeigen andere Studien, dass sich Albträume durch gezielte Klangmanipulation positiv beeinflussen lassen. Sollte die Forschung weiter vielversprechende Ergebnisse liefern, könnte dies eine bahnbrechende neue Behandlungsmöglichkeit für viele Narkolepsie-Betroffene bedeuten.
„Es gibt den Betroffenen Kontrolle zurück“, sagt Mundt. „Sie sind oft überrascht, dass es funktioniert. Es steigert ihr Selbstvertrauen im Umgang mit ihren Symptomen und viele berichten, wie erleichtert sie sind, dass es ihnen hilft. Das ist ein echter Gamechanger.“