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Popkultur-Merch wird luxuriöser – aber ist das wirklich nötig?

Die Zeiten, in denen Popkultur-Fanartikel einfach nur bedruckte T-Shirts mit Filmtiteln waren, sind lange vorbei.
Von Sabina Graves Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Früher fanden sich diese Shirts irgendwo in einer dunklen Ecke einer Videothek, zwischen Postern und Sammelfiguren. Doch mit dem wachsenden Einfluss der Millennials auf den Markt veränderte sich das Angebot: Shops wie Hot Topic machten nerdige Mode zum Mainstream, sowohl in Einkaufszentren als auch online. Heutzutage gibt es eine breite Auswahl an Mode und Lifestyle-Artikeln, inspiriert von großen Franchises wie Star Wars, Marvel, Doctor Who, Der Herr der Ringe und Anime-Serien. Jeden Monat erscheint eine neue Loungefly-Tasche passend zu aktuellen Filmen oder Feiertagen – ein Trend, der sich seit fast einem Jahrzehnt in Instagram-Fandoms etabliert hat.

Doch seit der Barbie-Ära verändert sich die Richtung. Der „Walking-Billboard“-Look, bei dem Fans offensiv ihre Lieblingsfranchises repräsentieren, wird zunehmend abgelöst von „Quiet Luxury“-Merch. (Außerdem hat die Gen Z entschieden, dass es cringe ist, seine gesamte Persönlichkeit um millennial-geprägte Geek-Kultur aufzubauen. Ich sag’s ja nur: Mein Name ist Sabina und ich bin ein Disney-Adult.) Mit Greta Gerwigs Barbie wurde Merchandise von verspieltem Kitsch zu maximalistischem Luxus. Plötzlich waren exklusive Barbie-Puppen von Margot Robbie schwer zu bekommen, Kens ikonischer I’m Kenough-Hoodie wurde ein virales Phänomen, und die Barbie-Reisekollektion von Beis war in kürzester Zeit ausverkauft. Barbie zeigte, wie ein ikonisches Franchise nicht nur Fashion, sondern auch Wohnaccessoires und Reiseartikel dominieren konnte – Popkultur-Merch war offiziell im Mainstream angekommen.

Doch nicht jedes Lizenzprodukt ist seinen Preis wert. Nach dem großen Barbie-Boom konnte man thematisch passende Loungefly-Taschen in Kinos kaufen – oder das Zehnfache für eine von Barbie inspirierte Chanel-Tasche ausgeben. Diese Entwicklung zu exzessiven Preisen hat einen neuen Trend eingeläutet: IP-Logos auf überteuerten Produkten, die scheinbar nur existieren, weil Fans bereit sind, für die Verbindung zur Popkultur-Marke zu zahlen.

Ein Franchise, das diesen Trend massiv bedient, ist Star Wars. Die Marke könnte inzwischen problemlos eine eigene Kaufhauskette betreiben. Es gibt hochwertige Sammlerartikel, wie die Columbia-Star Wars-Jacken, die Rebellen-Fliegeroveralls mit funktionaler Winterkleidung kombinieren. Aber es gibt auch fragwürdige Produkte – wie teure „Luxus“-Bettwäsche, deren Farbpalette sich nur lose an den Filmen orientiert, während die Qualität nicht über Discounter-Niveau hinauskommt. (Die hart arbeitenden Rebellen verdienen besser als kratzige Laken, die nach zwei Wäschen auseinanderfallen.)

Manchmal lohnt es sich, im mittleren Preissegment zu bleiben: Kreative Disney-Merch-Kollektionen bieten oft künstlerische Interpretationen beliebter Figuren und Designs, die sich von der Masse abheben. Besonders Themenpark-Souvenirs sind oft authentischer und durchdachter. Ein Beispiel? Als Galaxy’s Edge eröffnet wurde, gab es elektronische Instrumente von Figrin D’an und den Modal Nodes zu kaufen – ein Sammlerstück, das ich meinem Vater geschenkt habe und das er genauso liebt wie seine stylischen Star Wars-Hemden von RSVLTS. Die Marke bietet neben den typischen Comic- und Disney-Lizenzen auch rare IPs an, von Kultfilmen über TV-Serien bis hin zu Animes wie One Piece.

Glücklicherweise ist es heute einfacher, seinen Fandom subtil zu feiern. Marken wie Beis haben nach ihrer erfolgreichen Barbie-Kollektion mit einer Wicked-Edition nachgelegt. Die Lifestyle-Marke Heroes & Villains brachte eine Star Wars-Reisekollektion heraus, die aussieht, als wäre sie direkt aus einer weit, weit entfernten Galaxie importiert worden. Wer für den Nachwuchs einkauft, wird bei Disney-Kooperationen mit Lillebaby und Petunia Picklebottom fündig – von Kinderwagen bis Wickeltaschen.

Wicked scheint sich zudem als das neue große Holiday-Merch-Thema zu etablieren. Viele Artikel, die sich an den Hauptfiguren Elphaba und Glinda orientieren, waren schnell vergriffen, darunter Wicked-Stanley-Becher, exklusive Fashion-Kollektionen bei Target und streng limitierte Vinyl-Editionen des Soundtracks. Mit dem Home-Release des Films kamen begehrte Steelbooks hinzu, und es gibt immer noch einige Wicked-Produkte online, bevor diesen Herbst mit Wicked: For Good der zweite Teil erscheint. Designer-Drops mit Mode und Schmuck von Bloomingdale’s sind jetzt bereits im Sale – denn wie gesagt: Nur weil ein Logo drauf ist, macht es den Artikel nicht unbedingt wertvoll.

Und während wir auf den kommenden Disney-Live-Action-Film Schneewittchen und das 70. Jubiläum von Cinderella warten, bereiten sich Modebrands darauf vor, neue, märchenhafte Prinzessinnen-Kollektionen auf den Markt zu bringen. Unique Vintage hat bereits seine Schneewittchen-Kollektion veröffentlicht, die perfekt ins „Fairytale-Core“-Ästhetik-Game passt.

Egal, ob du deinen Fandom leise oder laut feiern willst – Hauptsache, es fühlt sich authentisch für dich an. Trag es mit Stolz!

 

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