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Eine Liste von über 500 Expert:innen enthüllt die hundert einflussreichsten Filme des 21. Jahrhunderts

Die Auswahl überrascht mit ihren Entscheidungen, Kriterien und der kulturellen sowie thematischen Vielfalt, die eine Ära prägen, in der das Kino seinen Platz zwischen Algorithmen und Plattformen noch immer sucht.
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Lesezeit 3 Minuten

Welche Filme haben das Kino seit 2000 geprägt?

Eine umfassende Umfrage unter Filmemacher:innen, Schauspieler:innen, Kritiker:innen und Akademiker:innen liefert eine Antwort, die ebenso faszinierend wie unerwartet ist. Das Ergebnis ist eine emotionale, politische und ästhetische Landkarte, die das Beste der siebten Kunst im 21. Jahrhundert abbildet. Einige Titel sind bekannt, andere überraschend – aber alle haben eines gemeinsam: Sie haben Spuren hinterlassen.

Die Liste offenbarte mehr, als man denkt

Die New York Times hat gemeinsam mit der Plattform The Upshot über 500 einflussreiche Stimmen der Filmbranche versammelt, um die bedeutendsten Filme seit 2000 zu küren. Jede Person wählte ihre zehn Favoriten, was ein Ranking ergab, das nicht nur künstlerische Qualität, sondern auch kulturelle Resonanz hervorhebt.

Unter den Abstimmenden waren Namen wie Guillermo del Toro, Sofia Coppola, Barry Jenkins, Julianne Moore und Emma Stone. Das Ergebnis zeigt eine Mischung aus etablierten Autor:innen und neuen Talenten, Blockbustern und Independent-Produktionen, westlichem und asiatischem Kino, Animation, Dokumentarfilm und intimen Dramen.

Emotion, Reibung und Wandel in Zeiten von Streaming und Superhelden

In einer Welt, die vom Streaming dominiert wird und in der Superhelden-Franchises scheinbar alles vereinnahmen, sucht diese Auswahl nach dem, was noch immer bewegt, stört oder verändert. Auf Platz eins steht Parasite (2019) von Bong Joon Ho – ein südkoreanisches Phänomen, das mit seiner in einen Thriller verpackten Gesellschaftskritik die Welt eroberte.

Thematische Vielfalt und Kraft des Autor:innenkinos

Das Ranking beschränkt sich nicht auf englischsprachige Produktionen oder kommerzielle Erfolge. Werke wie In the Mood for Love (2001), Chihiros Reise ins Zauberland (2002), The Zone of Interest (2023) oder Aftersun (2022) unterstreichen den Wert des Kinos als universelle Sprache. Geschichten über Identität, Rassismus, soziale Klassen, Liebe oder Erinnerung stehen neben visuell gewagten Fiktionen.

Hervorgehoben wird auch das Wachstum des lateinamerikanischen Kinos (City of God, Y tu mamá también, Pans Labyrinth, Roma) und die stärkere Repräsentation afroamerikanischer und LGTBQ+-Perspektiven mit Titeln wie Moonlight oder Get Out. Die Liste vereint Filme, die auf unterschiedlichen Ebenen – erzählerisch, technisch oder ideologisch – Grenzen sprengten.

Größen wie Christopher Nolan, Alfonso Cuarón, Wes Anderson oder Paul Thomas Anderson platzierten mehrere Werke in den Top 100 und bestätigen so die Stärke der Autor:innen in einem Umfeld, das zunehmend von Algorithmen und Konzernen bestimmt wird.

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©YouTube

Animation, Komödie und Dokumentarfilm finden ebenfalls ihren Platz

Auch traditionell unterschätzte Genres wurden gewürdigt. Pixar taucht mit Klassikern wie Ratatouille, Oben und WALL·E auf, während die Jugendkomödie Superbad Platz 100 als Symbol einer Generation markiert.

Dokumentarfilme wie Grizzly Man von Werner Herzog oder The Act of Killing von Joshua Oppenheimer erweitern die Grenzen des Kinos über die Fiktion hinaus und erkunden neue Wege, Realität zu erzählen.

So zeichnet die Liste ein aktuelles Porträt des Kinos: nicht nur was wir sehen, sondern auch wie wir sehen – und warum es zählt.

Ein unerwarteter Leitfaden für das Kino des 21. Jahrhunderts

Die Liste ist nicht nur nostalgischer Rückblick, sondern auch Kompass für die Zukunft des Kinos. Von Epen wie Der Herr der Ringe und Gladiator bis zu formalen Experimenten wie Tár oder Der seidene Faden, über aktuelle Phänomene wie Oppenheimer oder Anatomie eines Falls – die Auswahl zeigt ein sich ständig wandelndes Feld.

Filme wie Her, The Social Network, Eternal Sunshine of the Spotless Mind oder Inglourious Basterds beweisen, dass Kino Spiegel, Analysewerkzeug oder schlicht visuelles Wunder sein kann.

Mit 100 Titeln zwingt die Umfrage keine eindeutige Wahrheit auf. Vielmehr lädt sie dazu ein, darüber nachzudenken, was wir an Filmen schätzen, wie sich unser Geschmack verändert – und warum manche Geschichten, trotz der vergehenden Zeit, nie aufhören, uns etwas zu sagen.

Quelle: Infobae

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