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Mission: Impossible – The Final Reckoning hat starke Momente, enttäuscht aber insgesamt

Tom Cruise, Hayley Atwell, Simon Pegg und viele weitere Stars sind im achten Teil des actiongeladenen Franchise zu sehen – ab 23. Mai im Kino.
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Lesezeit 4 Minuten

Eine Mission, die dieses Mal scheitert

Mit Mission: Impossible – The Final Reckoning erfüllt die Reihe endlich ihren Titel – und vollbringt das Unmögliche. Die „Mission“, die wir dieses Mal akzeptieren müssen: ein neuer Film, der nicht an die hohen Standards der sonst herausragenden Serie heranreicht. Zwar sind alle Zutaten eines großartigen Mission: Impossible-Films vorhanden – atemberaubende Action, weltbedrohende Stakes, eine globale Hetzjagd gegen die Zeit – doch die richtige Balance fehlt. Was bleibt, ist ein überlanger, überfrachteter Film, der immerhin zwei der besten Actionsequenzen der Reihe bietet. Diese Szenen lassen einen fast alles andere vergessen – aber eben nur fast.

Zu viel Ballast für eine klare Story

Mit knapp drei Stunden Laufzeit will The Final Reckoning gleichzeitig direkte Fortsetzung von Dead Reckoning (2023), Abschluss eines 25 Jahre alten Franchises und Erklärung der „unmöglichsten“ aller Missionen sein. Große Teile des Films konzentrieren sich darauf, wie schwierig jede einzelne Aufgabe ist. Detail um Detail beschreibt, wie unwahrscheinlich das Gelingen jedes Puzzlestücks erscheint. Natürlich funktioniert am Ende alles – aber bis dahin leidet das Tempo massiv. Punkte werden mehrfach wiederholt, Szenen wirken überflüssig und Handlungsstränge verschwinden im Nichts. Zusätzlich zeigt der Film bei jeder Rückblende auf vorherige Teile das originale Filmmaterial – was ihn zeitweise fast zu einem Rewatch macht.

Ein komplexer Plan, der sich im Kreis dreht

Mission: Impossible – The Final Reckoning hat starke Momente, enttäuscht aber insgesamt
© Paramount

Zuletzt sahen wir Ethan Hunt (Tom Cruise) und sein IMF-Team beim Kampf um einen besonderen Schlüssel – der einzige Weg, die künstliche Intelligenz „Entity“ zu zerstören, die die Welt übernehmen will. Der Schlüssel öffnet etwas auf einem verschwundenen U-Boot – also soll Ethan genau das als Erstes tun.

Doch so einfach ist es nicht. Der Film braucht etwa 90 Minuten, um zu diesem Punkt zu kommen. Vorher erklärt er, was zwischen den Filmen geschah – schon das ist komplex. Dann folgt Ethans Plan: Auf ein bestimmtes Schiff kommen, während sein Team nach einem bestimmten Ort sucht. Das gelingt aber nur, wenn die Regierung zustimmt und eine verschlüsselte Nachricht über alte Kontakte schickt, die Ethan zu einem zweiten Schiff bringt, wo er vielleicht eine Lösung findet – oder auch nicht. Es ist einfach zu viel.

Spektakuläre Action – endlich

Wenn der Film dann endlich zur Unterwasserszene kommt, in der Ethan zum U-Boot taucht, zahlt sich das Warten aus. Die Spannung ist greifbar, die Wendungen clever und überraschend. Für einige Minuten ist alles großartig – und man vergisst, dass erst die Hälfte des Films vorbei ist.

Die zweite große Mission – und wieder Übermaß

Danach startet die nächste, noch unmöglichere Mission. Sie zieht sich, verlangt erneut waghalsige Aktionen – und dauert gefühlt ewig. Einige Nahkämpfe bringen Schwung, doch im Zentrum steht das Warten: Wie schaffen es Figuren – und das Filmteam – diesmal, die Welt zu retten? Erst geht es ums U-Boot, später um Ethan, der an einem kleinen gelben Doppeldecker hängt. Diese Szene ist erneut spektakulär. Man sitzt da, sprachlos und begeistert.

Mission: Impossible – The Final Reckoning hat starke Momente, enttäuscht aber insgesamt
© Paramount

Doch die Szene hört nicht auf. Und plötzlich schweift man ab: Was ist mit Gabriels Flashback und Ethans Frau aus dem letzten Teil? Warum ist Hannah Waddinghams Figur überhaupt dabei? Warum wurden Figuren neu eingeführt oder umgeschrieben, nur um alte Filme zu verknüpfen? Warum all diese Infos über Ethans Unterwasserzustand, wenn sie dann ignoriert werden? Und das Ende – ohne zu spoilern – enttäuscht. Es fehlt nicht nur an Abschluss für die Geschichte, sondern für die ganze Reihe.

Trotzdem: Es macht immer noch Spaß

Trotz allem macht es auf seltsame Weise Spaß, diesen Figuren bei ihren Missionen zuzusehen. The Final Reckoning ist langatmig, überladen und frustrierend – aber nie langweilig. Manchmal ist er sogar ein echtes Vergnügen, trotz Wiederholungen. Es ist wahrscheinlich der Mission: Impossible-Film mit dem geringsten Anteil klassischer Action – was überrascht, da der Rest so überbordend wirkt. Aber was fehlt, wird durch die Qualität der Action wettgemacht. Tom Cruise’ Starpower färbt auf alle ab, mit denen er die Leinwand teilt – und das sind diesmal viele. Fünf oder sechs Figuren folgen ihm zeitweise wie Schatten, besonders gegen Ende.

Ein überfüllter Cast mit Lichtblicken

Mission: Impossible – The Final Reckoning hat starke Momente, enttäuscht aber insgesamt
© Paramount

Simon Pegg und Ving Rhames spielen kleinere Rollen als sonst, bekommen aber ihre Momente. Hayley Atwell hat mehr Raum und findet ihre Rolle im IMF-Team. Außerdem treten zahlreiche bekannte Gesichter in kleinen Nebenrollen auf – nicht immer mit Funktion für die Story, aber trotzdem willkommen. Darunter Angela Bassett als US-Präsidentin, Tramell Tillman als U-Boot-Kapitän, Nick Offerman als Militärchef und weitere.

Ein ambitioniertes Projekt ohne Fokus

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Film einst als Dead Reckoning Part II geplant war – mit einer klareren Handlung. Doch dann wurde er immer ambitionierter. Das Problem: Die früheren Filme wirkten gerade deshalb so groß, weil sie so fokussiert waren. Verwirrend waren sie manchmal auch, aber alles fügte sich zusammen. The Final Reckoning ist größer, länger und komplexer – und dennoch nie so kohärent wie seine Vorgänger. Die zwei Actionszenen sind herausragend, das Ensemble begeistert – aber die Mischung aus Nostalgie und überladener Story macht deutlich: Die nächste unmögliche Mission dieses Franchises sollte ein Neuanfang sein.

Mission: Impossible – The Final Reckoning, geschrieben und inszeniert von Christopher McQuarrie, läuft ab dem 23. Mai im Kino.

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