Von der griechischen Tragödie bis zur nordischen Mythologie – God of War hat uns in den letzten 20 Jahren auf epische Reisen mitgenommen, die in Sachen Wucht und Drama kaum zu toppen sind.
Die PlayStation 2 war mehr als nur eine Konsole – sie war die Geburtsstätte moderner Blockbuster-Games. Serien wie Resident Evil oder Monster Hunter feierten hier große Erfolge, doch ein Titel stach besonders heraus: das erste God of War. Gerade 20 Jahre alt geworden, war es schon damals ein Statement. Sony Santa Monica warf uns mit einem genialen Demo direkt ins Getümmel: Klingen wirbelten, Monster platzten in blutigen Animationen, und Kratos – der grimmige Spartaner – metzelte sich mit stoischer Wut durch die griechische Götterwelt.
Damals war Devil May Cry das Maß der Dinge in Sachen Action auf der PS2. Doch God of War bot etwas anderes – roher, brutaler, archaischer. Kratos war kein stylischer Dämonenjäger mit Sonnenbrille. Er war ein rachsüchtiger Berserker, dessen Zorn ganze Pantheons auslöschte. Und genau das liebten die Leute.
Die Geburt einer Legende
Mit dem Erfolg des Originals war der Grundstein für eine der wichtigsten PlayStation-Reihen gelegt. God of War III, das diesen März seinen 15. Geburtstag feierte, setzte die Geschichte bombastisch fort. Und auch Spin-offs wie Chains of Olympus oder Ghost of Sparta – entwickelt von Ready at Dawn – beleuchteten Kratos’ Vergangenheit mit solidem Gameplay.
Doch irgendwann hatte man das Gefühl, Sony schöpfe die Marke bis zum letzten Tropfen aus. Der Versuch einer Film-Adaption? Gescheitert. Ascension von 2013? Solide, aber irgendwie überflüssig. Kratos wirkte müde, seine Reise auserzählt. Nach dem Ende von Teil III hätte man denken können, das war’s – aber weit gefehlt.
Das Comeback des Jahrzehnts
2018 kam God of War zurück – aber anders. Kratos war älter, ruhiger, bärtiger. Statt Klingen schwang er nun eine Axt, hatte einen Sohn an seiner Seite und reiste durch die nordische Mythologie. Das war kein einfacher Nachfolger, sondern ein softes Reboot, das alles auf links drehte. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Zerstörung, sondern auch um Reue, Verantwortung – und Vaterschaft.
Dass das funktioniert hat, lag auch an der brillanten Performance von Christopher Judge (Kratos) und Sunny Suljic (Atreus). Ihre Beziehung war das emotionale Zentrum des Spiels – und zeigte, dass man selbst einem Ex-Götterschlächter Tiefe verleihen kann.
Spektakel mit Substanz
Was God of War über all die Jahre auszeichnet, ist sein Gespür für Inszenierung. Kratos ist nicht nur ein Charakter – er ist eine Naturgewalt. Egal ob er gegen Titanen kämpft, Drachen zerlegt oder Götter in Wrestling-artigen Bossfights vermöbelt: Dieses Spiel weiß einfach, wie man epische Momente aufbaut. Es ist das perfekte Zusammenspiel aus wuchtigem Gameplay, bombastischem Soundtrack und filmreifer Präsentation.
Klar, es gibt andere Titel, die versucht haben, diese Formel zu kopieren: Bayonetta, Darksiders, Dante’s Inferno – sie alle boten brachiale Action mit Götter-Flair. Doch keine dieser Serien hat den Sprung über so viele Konsolengenerationen geschafft wie God of War. Sony Santa Monica hat hier ein echtes Langzeit-Rezept entwickelt.
Was bringt die Zukunft?
Mit einer TV-Serie in der Mache und noch unzähligen Mythologien, die Kratos „besuchen“ könnte, ist klar: Diese Marke ist noch lange nicht am Ende. Viele Fans träumen schon lange von einem Kratos, der sich durch ägyptische oder fernöstliche Götterwelten schnetzelt. Und wer weiß – vielleicht wird daraus ja wirklich so etwas wie ein mythisches Assassin’s Creed (nur ohne den jährlichen Release-Stress).
Gleichzeitig wäre es spannend, wenn Sony Santa Monica sich trauen würde, etwas Neues zu wagen. Genau wie Naughty Dog oder Insomniac könnten sie ihre Erfahrung nutzen, um eine neue IP zu kreieren. Laut einem LinkedIn-Post eines Ex-Entwicklers scheint genau das gerade zu passieren – Kratos bekommt also wohl eine Pause.
Aber wenn er wiederkommt, dann hoffentlich mit dem gleichen Wumms wie 2018. Denn eines ist sicher: Kein Gott ist wie God of War. Und kein Franchise haut uns so zuverlässig die Kinnlade runter.